Lebensweise

Wie unser Konsum den Regenwald beeinflusst

Leena
Geschrieben von Leena

Die tropischen Regenwälder haben mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna eine besondere Faszination. Drei von vier der heute bekannten Arten – und das sind immerhin 1,85 Millionen – stammen aus den Tropenwäldern. In Peru beispielsweise wachsen auf einem Hektar Regenwald 283 Baumarten. Die meisten deutschen Wälder bestehen aus gerade einmal fünf Baumarten. Doch die Tropenwälder sind noch viel mehr als eine Schatzkammer der Biodiversität. Auch in unserem täglichen Leben spielt der Dschungel am Ende der Welt eine größere Rolle als wir denken. Umso dramatischer ist, dass ihre Fläche immer weiter abnimmt. Bis heute hat der Mensch schon die Hälfte aller ursprünglichen Regenwälder vernichtet und immer noch werden jeden Tag über 425 Quadratkilometer gerodet – eine Fläche größer als Köln.

 

Die Bedeutung der Tropenwälder für Umwelt und Klima

 

  • Die tropischen Regenwälder sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Und für rund 300 Millionen Menschen, darunter über 200 indigene Völker.
  • Die Tropenwälder haben erheblichen Einfluss auf das globale Klima: Das thermische Tiefdruckgebiet und die Verdunstung wirken sich auf den Verlauf der Luftströme und der Meeresströmungen aus. Diese Effekte beeinflussen nicht nur das regionale Klima, sondern haben die Funktion einer globalen Klimaanlage.
  • Biomasse und Böden sind ein enormer Kohlenstoffspeicher: Laut Schätzungen haben die Tropenwälder im Laufe ihres Entstehens 275 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gezogen und gespeichert. Zudem absorbieren die Regenwälder CO2, und zwar weit mehr als man bisher angenommen hat. Eine neue Studie der NASA schätzt, dass die Tropenwälder rund 1,4 Milliarden Tonnen CO2 aufnehmen. Das entspricht 56% der weltweiten jährlichen Absorption und ist mehr, als alle Wälder in Kanada, Sibirien und anderen nordischen Regionen aus der Atmosphäre binden.
  • Die Tropenwälder speichern Wasser in großen Mengen. Der Wasserkreislauf ist für die stabile Feuchtigkeit verantwortlich und wirkt sich auch positiv auf angrenzende Gebiete aus: Die Niederschläge verteilen sich und verbessern die Standortbedingungen für landwirtschaftliche Nutzflächen in der Umgebung.
  • Die Böden bieten viel Erosionsschutz, sodass auch bei Starkregen keine Hänge abrutschen – anders als bei gerodeten Flächen.

Der Mensch verdankt den Urwäldern zahlreiche Produkte, denn viele der heutigen Kulturpflanzen stammen ursprünglich aus den Tropen und wurden ursprünglich dort kultiviert. Exotische Früchte, Kaffee, Kakao, Kartoffeln, Soja und Gewürze wie Chili, Ingwer, Nelken, Muskat, Zimt oder Vanille. Auch für die Medizin spielen und spielten die Tropen eine große Rolle als Zutaten für Medikamente. So hilft ein Stoff aus dem Amazonas-Chinarindenbaum gegen Malaria, Pilze produzieren Antibiotika und auch die Anti-Babypille hat ihren Ursprung in den Säften von Lianen. Weitere Ressourcen, vor allem Holz, Palmöl, Kautschuk und Pflanzenfasern, sind für viele Wirtschaftsbranchen unverzichtbar. Und die Regenwälder müssen dem Profit weichen.

Das Ökoranking Forest 500 hat 250 Unternehmen auf ihre Urwald-Freundlichkeit hin bewertet, darunter auch deutsche Firmen. Obwohl man zwar versuche, nachhaltiger zu handeln, würden bisher nur sehr wenige das Problem wirklich in Angriff nehmen. Bewertet wurden außerdem 150 große Investoren, die jedoch insgesamt schlecht abschnitten. Die Analyse, der nationale Datenquellen, wissenschaftliche Untersuchungen, Firmenjahrbücher und Dokumente aus Organisationen zugrunde liegen, ergab für deutsche Unternehmen und Investoren auf einer Skala von 5 Punkten (gut) bis 0 Punkte (schlecht) das folgende Ranking (vlg. Müller-Jung):

4 Punkte:

Unternehmen: Bertelsmann SE & Co. KGaA, Henkel AG & Co

Investoren: Deutsche Bank

3 Punkte:

Unternehmen: Adidas Group, BASF SE, Beiersdorf AG, Metro AG, Oetker-Gruppe, REWE Group

2 Punkte:

Unternehmen: Intersnack Knabber-Gebäck GmbH & Co. KG

Investoren: Allianz SE

1 Punkt:

Unternehmen: Deichmann Group

Investoren: DekaBank Deutsche Girozentrale

Die untersuchten Firmen kontrollieren laut den Ranking-Initatoren globale Verwertungs- und Handelskette, von den Grundstoffen bis hin zu Endprodukten. Im Durchschnitt waren die Bewertungen für die BRD und deutsche Unternehmen ordentlich bis gut, so z. B. sei die Palmölpolitik Deutschlands vorbildlich. Grundsätzlich sei das Engagement für Nachhaltigkeit im Umgang mit Tropenwäldern größer, je größer das Unternehmen sei. Die höchste Punktzahl 5 erreichten nur sieben Firmen: Group Danone (Frankreich), Nestle (Schweiz), Procter & Gamble (USA), Kao Corporation (Japan), Rekitt Benckiser Group und Unilever (UK).

 

Der Zusammenhang zwischen Konsumverhalten und Tropenwäldern

 

Weltkarte Tropischer Regenwald Verbreitung nachhaltig seinIn Brasilien ist der Sojaanbau die größte Bedrohung für den Amazonas-Regenwald, denn die Nachfrage der Viehwirtschaft an dem eiweißreichen Futtermittel ist unersättlich und der Fleischhunger der Verbraucher will gestillt werden. Auch für Weideflächen der Angus-Rinder braucht man Platz und für Orangen-Plantagen, auf denen die Früchte wachsen, aus denen fast jeder unserer O-Säfte besteht. In Südostasien, besonders Indonesien ist Palmöl der Hauptgrund für die Vernichtung der Wälder. Das profitable Öl wird stark nachgefragt für Produkte wie Eis, Mayonnaise, Gebäck oder Schokolade.

Neue Siedlungen, Industrieanlangen, Stauseen und Wasserkraftwerke entstehen, Verkehrswege reißen Schneisen in die Wälder und auch der Tourismus trägt seinen Teil dazu bei durch neue Hotelanlagen, Golfplätze und Straßen. Und die Bodenschätze der Urwälder, wie Kupfer, Nickel, Gold oder Eisenerz, fordern ihren Tribut.

Die alten Bäume werden durch klimaschädliche Brandrodung entfernt, z. B. durch landlose Siedler, die im Wanderfeldbau Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln benötigen. Viel Holz wird zudem illegal gerodet, denn die Ressource ist ein Exportschlager, nicht nur als Zellstoff oder Bauholz. Laut einer Studie von UNO und Interpol stammen bis zu 30% des weltweit geschlagenen Holzes aus illegalen Rodungen der Tropenwälder.

Der Schutz der Regenwälder, der durch internationale Umweltprogramme und zahlreiche Nichtregierungsorganisationen vorangetrieben wird, ist keine leichte Aufgabe. Bei der Staatsverschuldung der Entwicklungsländer bringen die exportierten Ressourcen der Urwälder willkommene Devisen. Zudem sind durch die politisch instabilen Regierungen die Eigentumsverhältnisse der Wälder nicht geklärt – keiner fühlt sich richtig zuständig. Die Armut und das geringe Bildungsniveau der Bevölkerung erschwert es, sie für nachhaltige Waldwirtschaft zu gewinnen.

 

Was wir tun können

 

  • Auf Fairtrade achten: Wer Tropenwaldprodukte wie Kakao, Kaffee, Orangensaft oder Schokolade kauft, kann die „Fairtrade“-Variante wählen, bei denen faire Preise für die Produktion in den Herstellerländern gezahlt werden.
  • Biofleisch stellt sicher, dass kein genmanipuliertes Soja in die Entwicklungsländer importiert werden musste.
  • Siegel für Holzprodukte, Papier oder Schnittblumen sorgen für mehr Nachhaltigkeit bei der Bewirtschaftung, z. B. das FSC-Zertifikat oder das PEFC-Siegel. Einen Vergleich beider Zertifizierungssysteme gibt es hier.
  • Andere Menschen aufklären über die Zusammenhänge von Konsum und der Regenwald-Zerstörung
  • Projektpatenschaften übernehmen, z. B. bei der Frankfurter Tropenwaldstiftung OroVerde.
  • Aufforstungsprojekte unterstützen, wie sie z. B. von Naturefund durchgeführt werden.

 

 

Quellen:

Allianz Umweltstiftung [Hrsg.](2006): Information zum Thema „Tropenwald“. Schatzkammer der Erde und bedrohtes Paradies. IMAGO 87: Freising.

FONA, Forschung für Nachhaltige Entwicklung (2011): Tag der Tropenwälder – Wachsende Gefahr durch Abholzung. In: Online.

Kwasnieswski, Nicolai (2015): Milliardengeschäft: So kommt illegales Tropenholz nach Deutschland. In: Online.

Müller-Jung, Joachim (2015): Die Weltrangliste der Urwaldsünder. In: Online.

Rasmussen, Carol (2014): NASA Finds Good News on Forests and Carbon Dioxide. In: Online.

Retten den Regenwald e. V. (2010): Das Grüne Wunder. In: Online.

 

Artikelfoto: morguefile.com

Weltkarte Tropen: wikipedia.org

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