Lebensweise

Kleidung wiederverwerten durch Upcycling

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Geschrieben von Gast

Dies ist ein Gastbeitrag von Isabell Schmidt

Upcycling bezeichnet weniger eine Trendbewegung als einen Lebensstil, der sich um Nachhaltigkeit bemüht. Diesem geht man beispielsweise nach, wenn man alte, abgetragene Kleidung wiederverwertet, Papiermüll selbstständig aufbereitet u. Ä.

Upcycler bemühen sich also darum, weniger Müll im Alltag zu produzieren, um dadurch gleichzeitig Kosten zu sparen und die Umwelt zu entlasten. Wie schon angesprochen, steht der Begriff aber nicht für eine temporäre Trendbewegung. Umfragen haben ergeben, dass die Deutschen insgesamt nachhaltiger leben wollen. Konkret wollten 53 Prozent der Befragten, wenn möglich, auf Plastik verzichten und außerdem lieber Dinge reparieren, als diese neu zu kaufen. 79 Prozent gaben an, dass Nachhaltigkeit in ihrem Leben wichtig ist. Nach und nach setzt sich also erkennbar das grüne Gewissen innerhalb der deutschen Bevölkerung durch.

Upcycling ist Teil dieser Entwicklung, da der neudeutsche Begriff das Reparieren von Dingen miteinschließt. Er beinhaltet aber mehr als das.

Durch Upcycling bemüht man sich nicht nur, kaputte oder abgenutzte Gegenstände und Kleider in altem Glanz erstrahlen zu lassen, man versucht diese gleichzeitig aufzuwerten. Teilweise funktioniert man sie dadurch um. Beliebt sind beispielsweise Einkaufsbeutel, aus alten T-Shirts oder Hemden gefertigt.

Vom Wort „Aufwerten“ Rührt auch der Wortbaustein „Up“ in „Upcycling“. Man verwendet Dinge also nicht nur wieder – anders als beim Recycling –, sondern erhöht deren Wertigkeit.

Upcycling in der Modebranche:

Nicht nur im privaten Rahmen, als DIY-Hobby, entdecken immer mehr Menschen diese Trendbewegung für sich. Viele sind außerdem bereit, Geld auszugeben, um entsprechende Bestrebungen in der Wirtschaft zu unterstützen. So ergab eine Studie bereits im Jahre 2014, dass bis zu 53 Prozent der damals Befragten Upcycling-Produkte kaufen wollten.

Besonders innerhalb der Modebranche zeigt sich dieser Trend – unter anderem daran, dass Designer wie Aluc, Globe Hope oder Reet Aus mit Stücken aus Textilresten und Altkleidern werben.

Beispiel: Reet Aus schafft es, Upcycling-Mode in großen Stückzahlen zu produzieren. Hinter diesem Label steht die estländische Modedesignerin Reet Aus. Ihr Motto ist: aus alt mach neu.

Das Modelabel nutzt also Produktionsabfälle von Textilunternehmen, um daraus neue Kleidungsstücke zu schneidern. Auf der von Reet Aus gegründeten Internetplattform „Trash To Trend“ haben Unternehmen außerdem die Möglichkeit, ihre Stoffreste an verschiedene Designer zu verkaufen. Mit minimalem Materialaufwand erzielen die Modeschöpfer somit maximale Ergebnisse.

Für Menschen, die nicht nur selbst Upcycling betreiben wollen, sondern auch in der Wirtschaft Veränderungen anstoßen wollen, bieten Firmen wie Reet Aus also gute Möglichkeiten.  

Ideen zum Selbermachen:

Auch privat kann man sich an diesen Unternehmen ein Beispiel nehmen, die gezielt nachhaltiges Wirtschaften fördern. Und nichts ist einfacher als das – Ideen gibt es online nämlich in Hülle und Fülle. Der eigene Kleiderschrank bietet mehr als genug Möglichkeiten, dem kreativen Gestaltungsdrang Ausdruck zu verleihen. Interessierte finden im Folgenden einige Anregungen, wie sie ihre alten Kleider und Stoffe nutzbringend verwerten.

Einkaufsbeutel aus T-Shirt:

Diese Idee gehört zu den Klassikern beim Upcycling und ist sehr unkompliziert umzusetzen.

Man benötigt:

  • Ein T-Shirt
  • Eine Stoffschere
  • Lineal und Textilstift

Schritt 1: Träger zuschneiden. Die Seitenkanten sollten dabei möglichst akkurat aufeinanderliegen. Die Ärmel schneidet man knapp unterhalb der Ärmelnaht in einem Bogen ab.

Schritt 2: Beim Einschneiden sind ungesicherte Nähte entstanden. Diese mit der Hand absichern, damit sie nicht wieder aufgehen.

Schritt 3: Am unteren Teil des T-Shirts einen Punkt markieren, bis zu dem man die benötigten Fransen einschneiden möchte. Anschließend schneiden, bis alle Fransen ungefähr auf einer Höhe sind.

Schritt 4: Jeweils zwei Fransen, die übereinanderliegen, mit einem Doppelknoten zusammenbinden, bis alle verknotet sind.

Schritt 5: Fransen unterhalb der Knoten in gerader Linie abschneiden. Hier kann man auch ein Lineal verwenden.

Glückwunsch! Der Beutel ist fertig.

Eine Kissenhülle nähen:

Aus unansehnlichen, abgetragenen Hemden lassen sich schnell und unkompliziert Kissenbezüge fertigen.

Dazu benötigt man Folgendes:

  • Ein altes Hemd
  • Ein Kissen
  • Papier/Karton in der Größe deines Kissens
  • Eine Schere, Stecknadeln, Maßband und ein Lineal
  • Eine Nähmaschine
  • Ein Bügeleisen

Schritt 1: Hemd glattbügeln.

Schritt 2: Mithilfe des Maßbands Länge, Breite sowie Durchmesser des Kissens ausmessen. Dann erstellt man eine Schablone, auf der die Werte zu notieren sind. Anschließend die Schablone entsprechend ausschneiden. Man sollte darauf achten, dass die Schablone am Ende etwas größer ist als das Kissen. Anschließend die Schablone mit Kissen sowie Hemd vergleichen und prüfen, ob sie in beiden Fällen passt.

Schritt 3: Die Maße mithilfe der Schablone und einem Stift auf den Teil des Hemds übertragen, den man verwenden möchte. Die Anschneidelinie sollte ca. einen Zentimeter von der Schablone weg sein. Anschließend den so entstandenen Rahmen ausschneiden.

Schritt 4: Seiten, die später außen sind, aufeinanderlegen und mit Stecknadeln befestigen.

Schritt 5: Mithilfe der Nähmaschine den Saum zusammennähen. Eine Seite bleibt offen.

Schritt 6: Nun alle Fäden auf einer Seite verknoten, danach die Ecken abschneiden und die Naht auseinanderbügeln. Das ist wichtig, damit nach dem Wenden alle Nähte schön aussehen und die Ecken gut herauskommen.

Schon ist der Kissenbezug fertig.

T-Shirt verlängern

T-Shirts, die beim Waschen eingelaufen und daher zu kurz sind, kann man mit wenigen Handgriffen optimieren.

Copyright ‚Eliza Schwarz‘

Dafür benötigt man nur:

  • Nähgarn
  • Dehnbaren Stoff
  • Ein T-Shirt
  • Eine Nähmaschine
  • Ein Bügeleisen
  • Eine Stoffschere
  • Schneiderkreide
  • Stecknadeln
  • Ein langes Lineal

Schritt 1: Das T-Shirt anziehen und mithilfe der Kreide die Stellen markieren, an denen es zu kurz ist. Die Linie sollte entweder oberhalb der Brust oder in der Taille liegen. Eine Naht im Brustbereich wirkt unvorteilhaft.

Schritt 2: T-Shirt in der Mitte falten – Seitennähte sowie Ärmel und Schulterkanten sollten aufeinanderliegen. Dann eine Linie zeichnen, die möglichst im 90-Grad-Winkel zur gefalteten Mitte liegt. Anschließend das T-Shirt der Linie folgend durchschneiden.

Schritt 3: Stoff so umstülpen, dass beide rechten Stoffseiten aufeinanderliegen. Dann die Seitennähte übereinanderlegen und die Kanten rundherum mit Stecknadeln zusammenstecken. Im Anschluss die Kanten zusammennähen.

Schritt 4: T-Shirt auf links drehen und den Stoff an die abgeschnittene Stelle legen. Dann anhand der Nähte eine gerade nach unten verlaufende Linie anzeichnen und den Stoff entlang dieser zuschneiden. Anschließend Seitennähte mithilfe der Nähmaschine schließen.

Schritt 5: Alle Nähte in Form bügeln und dann Saumkante des T-Shirts zweimal nach innen umschlagen. Je nach Geschmack kann man einen schmalen oder breiten Saum erzeugen. Den Saum dann umbügeln und mit einigen Stecknadeln fixieren.

Schließlich den Saum mit einem Stich für elastische Stoffe festnähen – fertig!

Dies sind nur einige Beispiele dafür, was sich mit Phantasie und einigen Hilfsmitteln erreichen lässt. Der Kreativität sind beim Upcycling generell keine Grenzen gesetzt. Leser, die also jetzt ein Interesse gefasst haben, können ihre Phantasie voll ausleben – Learning By Doing ist das Stichwort.

Titelbild: Volha Flaxeco auf Unsplash.de

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