nachhaltig gefragt

Sieben Fragen an Tanja Busse

Matthias
Geschrieben von Matthias

Ihr vermutlich bekanntestes Werk, das Buch „Die Wegwerfkuh“ behandelt das Thema der intensiven Landwirtschaft und die Auswirkungen auf die Bauern, Tiere und Umwelt. In ihrem neuen Buch, „Das Sterben der anderen“, das vor einigen Wochen erschienen ist, geht es darum, wie wir die biologische Vielfalt noch retten, bzw. erhalten können. Grund genug, ihr unsere sieben Fragen zum Thema Nachhaltigkeit zu stellen:

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit?

Ich kenne zwei Bedeutungen von Nachhaltigkeit. Die erste erlebe ich sehr oft: Grün reden, winzige Kleinigkeiten ändern, aber ansonsten weiter wie bisher. Die andere ist sehr viel schwieger: Alles Handeln und Tun auf seine ökologische und soziale Nachhaltigkeit überprüfen und anschließend verbessern.

 

Was tust du, um nachhaltiger zu leben und wie (auf einer Skala von 1-10) bewertest du deine bisherigen Bemühungen?

Ich bin seit mehr als dreißig Jahren Vegetarierin, aber ich trinke zu viel Milch. Ich kaufe Biolebensmittel und habe ein Gemüsekisten-Abo, aber gehe auch in Nicht-Bio-Restaurants. Ich fahre viel mit dem Fahrrad und reise mit der Bahn, aber wir haben das Familienauto noch nicht abgeschafft. Ich habe ein Konto bei einer grünen Bank, aber habe noch nicht für alles eine grüne Lösung gefunden. Wenn Niko Paech bei 10 steht, dann bestenfalls bei 7.

 

Wo siehst du noch eigenes Verbesserungspotential und was sind deine nächsten Nachhaltigkeits-Ziele?

Mein letztes war: Immer Brotdose und Trinkflasche mit Leistungswasser mit, nie unterwegs Getränke aus Plastik und never ever coffee to go.

Mein nächstes: Mit Büchsen und Gläsern zum Supermarkt und unverpackt kaufen, was geht.

 

Welchen Tipp hast du in Sachen nachhaltiger Lebensweise für unsere Leser?

Wenn man alles auf einmal ändern will, ist man leicht frustriert. Wenn man Schritt für Schritt vorgeht, geht es leichter. Das Wichtigste ist, glaube ich, dumme Gewohnheiten zu hinterfragen.

Früher kamen die Leute auch gut durch den Tag, als es noch kein Essen und Trinken to go gab. Also braucht man kein Plastik zu verbrauchen, um nicht zu verhungern. Ach ja, und noch etwas: Ich stelle mir, wenn ich Plastik sehe, immer die Albatrosse von Midway Island vor! Oder wenn ich Eier aus  schlechter Haltung sehe, die Hühner, die diese Eier gelegt haben… Da hilft sehr, um konsequent zu handeln.

 

Welchen Wunsch hättest du an die Politik?

Ich habe den sehr sehr dringenden Wunsch, dass die Politik auf allen Ebenen sich ernsthaft daran macht, ihre eigenen Umweltziele zu erreichen. Denn die Ziele für ein gutes Leben haben wir ja längst auf allen Ebenen verabwschiedet: Von den SDGs, den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, bis zur Wasserrahmenrichtlinie! Vom Pariser Abkommen zu den europäischen Biodiversitätszielen. Wir müssen das einfordern, dass diese Ziele ernsthaft umgesetzt werden. Davon sind wir zur Zeit leider sehr weit entfernt!

 

Welche Vorbilder, welches Vorbild hast du – und warum?

Niko Paech für sein konsequentes Denken, George Monbiot für seine Erzählung davon, wie es besser gehen könnte, Uli Eichelmann für seine Erfolge beim Schützen von Flüssen…  Sehr beeindruckend sind die vielen RegenwaldschützerInnen in Brasilien und Indonesien, die ihr Leben riskieren für ihre Arbeit.

 

Welche Organisationen unterstützt du?

Die Ishinde Youth Initative und Ärzte ohne Grenzen, und ich habe ein Patenkind in einem SOS Kinderdorf.

 

Hier findet ihr das neue Buch von Tanja Busse: „Das Sterben der anderen“

 

Tanja Busse – August 2019

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Titelbild by Matt Botsford on Unsplash

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