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Handbuch Nachhaltigkeit (Folge 3): Suffizienz, Effizienz und der Rebound-Effekt

Florian
Geschrieben von Florian

In Folge 2 wurde anhand am Beispiel der Seltenen Erden bereits deutlich, dass aufgrund der Endlichkeit unserer Ressourcen und damit verbundenen Abhängigkeit zu den ressourcenfördernden Ländern sowie der hohen Umweltbelastung dem Wirtschaftswachstum Grenzen gesetzt sind. Unser gemeinsames Ziel muss es daher sein, den absoluten Ressourceneinsatz zu reduzieren. Wie sich im Nachfolgenden herstellen wird, ist Effizienz entscheidend aber als Instrument alleine nicht ausreichend.

 

Effizienz

Öko-Effizienz bezeichnet das Konzept, die Ressourcen-Produktivität zu erhöhen, d. h. dass der Ressourceneinsatz für einen ökonomisch festgelegten Output optimiert wird. Diese Optimierung beschränkt sich auf technologische Innovationen und ist gemeinhin anerkannt. Das bekannteste Beispiel ist ein spritsparenderes Auto: Der Output „1 Auto“ bleibt, aber der Ressourceneinsatz im Betrieb ist aufgrund eines effizienteren Motors verbessert worden.

Häufig wird Effizienz aber mit Energieeffizienz gleichgesetzt. Dabei gilt es noch u.a. die Effizienz im Materialverbrauch und Wassereinsatz zu betrachten. Gerade im produzierenden Gewerbe ist das Material mit ca. 50% der Hauptkostenblock und der Haupttreiber für CO2-Emissionen und Flächenverbrauch (Verlust an Biodiversität). Das Buch „Faktor Fünf“ von Ernst-Ulrich von Weizsäcker stellt hierbei folgende Schlüsselstrategien vor, die basierend auf dem vierten IPCC-Bericht erarbeitet wurden:

  • Energieeffizienz
  • Übergang zu klimaneutralen Treibstoffen
  • Rückgewinnung von Wärme und Strom
  • Erneuerbare Energien
  • Recycling
  • Produktverbesserungen
  • Materialeffizienz
  • Wassereinsparung
  • Verminderung anderer Treibhausgase als CO2 (siehe Grafik Übersicht anerkannte Treibhausgase)

Handbuch Nachhaltigkeit_Übersicht Treibhausgase CO2

 

Suffizienz

Doch Effizienz alleine reicht für eine nachhaltige Entwicklung nicht aus. Ein einfaches Beispiel aus dem Alltag sind die aus Sicht einer bewussteren Ernährung effizienten Light-Produkte. Wir alle kennen bei ungestilltem Appetit die Argumentation mit dem eigenen Gewissen, dass „wir ja mehr essen können, weil es ja light ist und damit weniger Fett hat“. Der Konsum wird damit trotz eines Fett-effizienteren Light-Produktes erhöht und die Absicht des Abnehmens unterwandert.

Öko-Suffizienz bedeutet einen absoluten – und nicht nur relativen – geringeren Ressourceneinsatz, um einen ökonomisch sinnvollen und ökologisch vertretbaren Output zu erreichen. Oder anders: Der Begriff bezeichnet „eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die dem Überverbrauch von Gütern und damit von Stoffen und Energie ein Ende setzt.“ (Linz 2012: Online). Angelika Zahrnt gab in ihrem Interview passende Beispiele: „weniger Auto fahren (und weniger schnell Auto fahren z.B. durch Tempolimits), mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen, mehr Rad fahren und zu Fuß gehen“. Somit sinkt der absolute Fußabdruck, den wir hinterlassen.

Beide Begriffe Effizienz und Suffizienz stehen aber nicht im Gegensatz zueinander. Es ist das genaue Gegenteil: Es ist entscheidend, dass Effizienz und Suffizienz strategisch gemeinsam betrachtet werden und sich dabei sinnvoll ergänzen. Dies darf aber nicht als selbstloses Unterfangen missverstanden werden. Denn anders gesagt, wollen wir nicht nur mit weniger Input den gleichen Output, sondern einen gesellschaftlich sinnvolleren Output aus den vorhandenen Ressourcen machen. Der Output ist damit keine rein quantitative Größe mehr, sondern ebenso eine qualitative. Wird für den sinnvolleren Output eine Ressource nicht mehr benötigt, bleibt sie ungenutzt. So kann der absolute Verbrauch sinken.

 

Rebound-Effekte

Es muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass Effizienz und Suffizienz nicht frei von Rebound-Effekten sind. Gemeint ist damit, dass zwar prinzipiell Einsparungen in Hinblick auf die verwendeten Ressourcen entstehen, dieser positive Effekt jedoch durch eine gesteigerte oder veränderte Nutzung überkompensiert werden kann (siehe Grafik Rebound Effekt Automobilindustrie). In der Gesamtbilanz führt dies zu einem Mehrverbrauch (siehe Light-Beispiel oben). Ein gutes Beispiel ist auch der BioSprit: Hier fehlen durch den erhöhten Raps-Anbau Agrar-Flächen für den Anbau von „Essen“ fehlen.

Handbuch Nachhaltigkeit_Beispiel Rebound Effekt AutomobilindustrieEs gibt verschiedene Arten von Rebound-Effekten (siehe Wikipedia), die es in den Überlegungen zu berücksichtigen gilt:

  • Direkter Rebound: Eine Dienstleistung, die effizienter geworden ist, kann dadurch billiger angeboten werden. Was billiger wird, wird stärker nachgefragt.
  • Indirekter Rebound: Wer dank Effizienzsteigerung Energie und damit Geld spart, gibt das Geld für anderes aus, das ebenfalls Energie verbraucht.
  • Ressourcen-Effekt: Im Sinne der Effizienz wird eine endliche Ressource durch eine andere endliche Ressource ersetzt. Das Ziel eines regenerierbaren Systems ist damit nicht gelöst.
  • Transformations-Effekt: Technische Effizienzsteigerungen verändern das Konsumverhalten, was sich auf Infrastrukturen, soziale Normen und so weiter auswirkt.
  • Mental Rebound: Verschiedentlich führen Einsparungen durch effizientere Technologien zur moralischen Selbstlegitimierung (Moral licensing) von zusätzlichem Konsum.

 

Fazit und Lösungsansätze

Wichtig ist stets, das Ziel im Auge zu behalten, den Gesamtverbrauch zu reduzieren und dabei Rebound-Effekte auszuschließen. Dabei ist es entscheidend, einzelne Komponenten nicht unabhängig voneinander zu optimieren, nicht nur einen (meist den eigenen) sondern mehrere Nutzen zu optimieren und eine optimale Abfolge von Entwicklungsschritten zu beachten. Hierbei ist das Buch Whole System Design zu empfehlen. Es zeigt wesentliche Elemente eines ganzheitlichen Lösungsansatzes auf, der nachfolgend zusammengefasst dargestellt werden:

  1. Die richtigen Fragen stellen,
  2. mit dem optimalen System vergleichen,
  3. das System als Ganzes entwerfen und optimieren,
  4. Rechenschaft über alle messbaren Einflüsse ablegen,
  5. Subsysteme in der richtigen Reihenfolge entwickeln und optimieren,
  6. und zwar so, dass eine aufeinander abgestimmte Ressourcenschonung erreicht wird,
  7. das System auf potenzielle Verbesserungen hin überprüfen, das System anpassen,
  8. technische Neuerungen aufspüren und
  9. den Boden für künftige Optionen bereiten.

 

Folge 4 des Handbuchs beschäftigt sich mit dem Thema: „Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil“

 

Über die Serie „Handbuch Nachhaltigkeit: Die gute Absicht praktisch umsetzen“:

Schon lange beschäftigen wir uns privat wie beruflich mit Nachhaltigkeit. Durch die Erfahrungen und die Arbeit mit efeno ist uns klar geworden, dass es für Unternehmen oft schwierig ist, die gute Absicht praktisch umzusetzen. Wir haben deshalb einen Leitfaden entwickelt, der als Werkzeug für nachhaltiges Handeln dienen soll und den wir hier als Serie veröffentlichen.

 

Im „Handbuch Nachhaltigkeit“ sind bisher erschienen:

Das Nachhaltigkeitshandbuch – Die gute Absicht praktisch umsetzen (Serienstart)

Handbuch Nachhaltigkeit (Folge 1): Definition und Bedeutung

Handbuch Nachhaltigkeit (Folge 2): Zustand und Folgen für Unternehmen

 

 

Quellen:

Enquete‐Kommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität” des Deutschen Bundestages (2011): Herausforderungen für eine technisch-ökonomische Entkoppelung von Naturverbrauch und Wirtschaftswachstum.

Schneidewind, Uwe / Palzkill-Vorbeck, Alexandra (2011): Suffizienz als Business Case. Nachhaltiges Ressourcenmanagement als Gegenstand einer transdisziplinären Betriebswirtschaftslehre.

Stasinopoulos, Peter et al. (2009): Whole System Design – An integrated approach to sustainable Engineering.

Weizäcker, Ernst-Ulrich (2010): Faktor Fünf – Die Formel für nachhaltiges Wachstum.

Wikipedia (2014): Rebound (Ökonomie), http://de.wikipedia.org/wiki/Rebound_(%C3%96konomie).

Artikelbild: morguefile.com

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