CSR

Fallen und Chancen der Nachhaltigkeits-Kommunikation

Gast
Geschrieben von Gast

Themen wie Klimawandel und Erdüberhitzung sind nicht immer leicht zu kommunizieren. Worauf sollte man also achten, wenn man Nachhaltigkeits-Kommunikation betreibt? Auf welche psychologischen „Fallen“ stoßen wir dabei und welche Chancen bestehen auf der anderen Seite? Wie können wir zum Handeln motivieren?

Fakten oder Lösungen?

Nachhaltigkeits-Kommunikation steht vor der Herausforderung, extrem komplexe Themen sowohl wissenschaftlich fundiert als auch ansprechend und verständlich an die unterschiedlichsten Zielgruppen zu bringen.

Wir wissen inzwischen, dass niemandem geholfen ist, wenn wir mit der Nachhaltigkeits-Kommunikation Reaktanz oder Ohnmacht erzeugen. Und doch passiert dies immer wieder, wenn wir durch immer mehr Fakten wachrütteln wollen. Ein Dilemma, das sich nicht auflösen lässt?

Vielleicht doch, nämlich dann, wenn wir berücksichtigen, was wir inzwischen über die Funktionsweise unseres Gehirns wissen. Die Hirnforscher weisen seit längerem darauf hin: Unser Gehirn ist nicht für das Faktenlernen, sondern für das Lernen von Regeln und Prinzipien optimiert. Das heißt, unser Gehirn überprüft unbewusst alles Wahrgenommene daraufhin, ob sich Regeln ableiten lassen.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf eröffnet sich eine neue Perspektive für die Nachhaltigkeits-Kommunikation. Denn meist legen wir automatisch den Fokus auf das Vermitteln von Wissen, also von Fakten, und überprüfen nicht, was wir indirekt gleichzeitig transportieren. Zeigen wir in einem Artikel zum Beispiel gleich mehrere große Bedrohungen auf – was ist dann eine der indirekten Botschaften, die wir transportieren? Zum Beispiel diese: Wir sind von Problemen umzingelt. Ein Gedanke, der nicht selten in die Ohnmachts-Falle führt.

Wenn unser Anliegen jedoch darin besteht, Menschen zu vermitteln, dass wir die Probleme des Klimawandels lösen und die Welt als tollen Ort gestalten, müssen wir uns überlegen, wie wir Lösungswege aufzeigen können. Wenn wir vermitteln wollen, dass jeder einen Beitrag zur Lösung von Problemen leisten kann, sollten wir unsere Story anders aufbauen. Auch in diesem Fall machen wir zunächst das Problem deutlich, nehmen uns dann jedoch vor allem Zeit und Raum für drei Beispiele von Menschen, die an Lösungen arbeiten und neue Wege aufzeigen! Wichtig sind dabei mindestens drei Beispiele, denn ab der magischen Drei kann unser Gehirn Regeln und Prinzipien als solche erkennen.

Fallen und Chancen

Inzwischen gibt es umfangreiche und sehr empfehlenswerte Literatur rund um das Thema Nachhaltigkeits-Kommunikation. Psychologen, Hirnforscher, Journalisten und viele andere Experten diskutieren die unterschiedlichsten Facetten. Um einen Überblick über die verschiedenen Perspektiven zu geben, hat die Tropenwaldstiftung OroVerde -im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung Umwelt & Entwicklung NRW geförderten Projektes- auf einem Poster die „Fallen und Chancen der Nachhaltigkeits-Kommunikation“ zusammengestellt. Und zwar in einer Form, die es ermöglicht, die verschiedenen „Fallen“ und „Chancen“ immer wieder wie eine Checkliste zu nutzen, um die eigene Arbeit zu hinterfragen und zu verbessern. Zwanzig Fallen und ebenso viele Chancen führen in einige wichtige psychologische Hintergründe ein.

Zur besseren Übersichtlichkeit ist das Poster in drei Bereiche gegliedert. Worauf sollten wir zum Beispiel direkt bei der Recherche achten? Inwieweit warten schon hier psychologische Fallen auf uns und verzerren unsere Wahrnehmung? Und wie gehen wir mit Algorithmen von Suchmaschinen um oder verlassen Echoräume?

Was sollten wir wiederum bei der Kommunikation des Fachwissens beachten? Wie können wir Reaktanz vermeiden oder zumindest reduzieren? Wie gehen wir mit Komplexität und Ungewissheiten um? Wodurch entstehen Ohnmachtsgefühle – und wie gehen wir damit um?

Etwas komplexer sind die Fallen und Chancen in einem dritten Bereich, den wir lose unter dem Wort „Werte“ zusammengefasst haben. Hier geht es um die Art, wie unser Gehirn eigentlich lernt (Regellernen), um die Macht der Sprache (Framing), um unseren Umgang mit Fehlern, um kognitive Dissonanz und Dilemmata-Situationen und vieles mehr.

Hier könnt ihr das Poster zu den Fallen und Chancen der Nachhaltigkeits-Kommunikation herunterladen.

Es ist auf DIN A0 angelegt, so dass ihr es euch gerne großformatig ausdrucken könnt. Und ja: Teilen ist erwünscht!

 

OroVerde – die Tropenwaldstiftung ist 1989 von Rotary-Mitgliedern um den bekannten Münchener Naturschützer Wolfgang Engelhardt ins Leben gerufen worden. Seit mehr als 30 Jahren setzt sich OroVerde für den Erhalt der tropischen Regenwälder ein. Dabei gehen Naturschutz und Entwicklungszusammenarbeit Hand in Hand, denn nur mit den Menschen vor Ort kann der Schutz der Regenwälder langfristig funktionieren. Zugleich geht OroVerde Verbraucherthemen an, also den Einfluss der Konsumenten hier auf die Umwelt- und Lebensbedingungen in Regenwald-Regionen. OroVerde ist dabei politisch unabhängig, gemeinnützig anerkannt und trägt als eine der ersten Umweltorganisationen deutschlandweit das DZI-Spendensiegel. Seit 2005 leitet Dr. Volkhard Wille die Stiftung.

Zur Autorin: Birthe Hesebeck leitet bei OroVerde das nationale Team und ist für die Bereiche Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit & Bildung verantwortlich. Kontakt unter: bhesebeck@oroverde.de

Artikelbild: OroVerde

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