Soziales

Wie viel Kinderarbeit steckt in unserer Schokolade?

Kilian
Geschrieben von Kilian

Die Kakaobohne gehört zu den am meisten gehandelten Rohstoffen weltweit. Der Hunger der Industrie- und Schwellenländer nach der braunen Bohne scheint dabei so groß zu sein, dass bereits über zukünftige Engpässe bei der Schokoladenproduktion spekuliert wird. Den Preis für das süße Vergnügen zahlen die Bauern, die aufgrund stark schwankender Kakaopreise häufig in Armut leben, und vor allem Kinder, die auf den westafrikanischen Kakaoplantagen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten müssen.

Mindestens 800.000 Kinder werden Schätzungen zufolge im Kakaoanbau als Arbeitskräfte eingesetzt, davon mehr als 600.000 alleine an der Elfenbeinküste, dem größten Produzenten und Exporteur von Rohkakao. Auf den Plantagen müssen viele von ihnen oft sieben Tage in der Woche mehr als zwölf Stunden pro Tag arbeiten. Dabei übernehmen sie häufig gefährliche und gesundheitsschädliche Aufgaben, wie z. B. die Früchte mit der Machete zu ernten und Pestizide ohne ausreichende Schutzkleidung auf die Pflanzen zu sprühen. Schulbildung und Zeit für eine altersgerechte Entwicklung bleibt vielen Kindern und Jugendlichen verwehrt.

Darüber hinaus gibt es Berichte, dass zehntausende Kinder verschleppt und an Kakaoplantagen verkauft werden. Herausgerissen aus ihren Familien müssen sie oftmals unter „sklavereiähnlichen Bedingungen“ arbeiten. Verschiedene Berichte weisen in diesem Zusammenhang immer wieder auf die Existenz eines organisierten Kinderhandels hin, der eng mit dem westafrikanischen Kakaoanbau verknüpft sein soll. Wie viele Kinder und Jugendliche genau von Kinderarbeit und/oder Kinderhandel im Kakaosektor betroffen sind, bleibt aufgrund der mangelhaften Datengrundlage unklar.

Aufgrund der kleinbäuerlichen Struktur des Kakaoanbaus in Westafrika arbeiten die meisten Kinder innerhalb der eigenen Familie, jedoch auch dort häufig unter ausbeuterischen Bedingungen. Die Ursache hierfür liegt in den generell schlechten Lebens- und Arbeitsverhältnissen sowie in dem enormen Armutsrisiko, dem die Kakaobauern ausgesetzt sind. Vor allem Missernten und die weitreichende Spekulation auf den Kakaopreis an den Rohstoffbörsen setzen die Bauern dabei unter hohen finanziellen Druck, da die Erlöse in vielen Fällen kaum für den Lebensunterhalt ausreichen. Deshalb müssen die eigenen Kinder oftmals auf der Plantage mitarbeiten, um die Existenz der Familie zu sichern.

Aus diesem Grund sehen viele Experten die wirkungsvollste Strategie im Kampf gegen die Kinderarbeit darin, die Lebenssituation der Bauern zu verbessern: Zum einen sollen Zertifikate und Siegel für nachhaltig angebauten und fair gehandelten Kakao den Bauern einen ausreichenden Gewinn sicherstellen, damit sie nicht länger auf die Mitarbeit ihrer Kinder angewiesen sind und diese stattdessen eine Schule besuchen können. Zum anderen soll bei ihnen durch Trainings, Schulungen und Aufklärungsarbeit ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie durch nachhaltiges Wirtschaften der Wohlstand insgesamt vermehrt werden kann.

Als im Jahr 1998 eine UNICEF-Studie über viele Fälle von Kinderarbeit und Kinderhandel im Kakaosektor berichtete, führte dies zu einem großen Aufschrei in der Öffentlichkeit (vgl. Südwind Institut 2009). Die Menschen sahen nun zunehmend die multinationalen Konzerne der Schokoladenindustrie in der Pflicht, Maßnahmen gegen die verbreitete Ausbeutung der Kinder zu ergreifen. Drei Jahre später unterzeichneten zahlreiche Schokoladenhersteller das Harkin-Engel-Protokoll, womit sie sich freiwillig verpflichteten, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen zu bekämpfen. Allerdings wurden konkrete Maßnahmen immer wieder hinausgezögert und Zielvereinbarungen abgeschwächt. Insofern verwundert es nicht, dass viele unabhängige Beobachter nur geringe Fortschritte bei der Abschaffung der Kindesausbeutung sehen. Einige Schokoladenkonzerne verwenden für ihre Produkte bereits teilweise Fairtrade-Kakao oder haben dies zumindest angekündigt. Dennoch zeigen sich die meisten Unternehmen ‑ im Gegensatz zu ihren offiziellen Statements ‑ noch immer eher unengagiert im Kampf gegen Kinderarbeit. Dies gilt vor allem dann, wenn sie für eine bessere Bezahlung der Bauern aufkommen sollen, um dadurch deren Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

 

Was kann der einzelne tun, um kinderarbeitsfreie Schokolade zu unterstützen?

 

  • Zertifikate und Siegel beachten: Mittlerweile existieren verschiedene Zertifizierungsmaßnahmen, die den nachhaltigen Anbau des Kakaos ohne Kinderarbeit sicherstellen sollen, wie z. B. Fairtrade, UTZ certified, GEPA und Rainforest Alliance. Die Ansprüche einzelner Siegel können sich jedoch in wichtigen Punkten sehr unterscheiden. Deshalb ist es nötig, sich zunächst über die Geltungskraft einzelner Siegel informieren. Eine hundertprozentige Garantie, dass eine Tafel Schokolade frei von Kinderarbeit ist, gibt es allerdings nicht.
  • Informationen über Unternehmen einholen: Fast alle Schokoladenhersteller schreiben sich den Kampf gegen Kinderarbeit offiziell auf ihre Fahnen. Allerdings lässt sich relativ schnell in Erfahrung bringen, wie ernst sie es tatsächlich damit meinen.
  • Aktiv werden: Die beste Möglichkeit, Einfluss auf die Anbaubedingungen des Kakaos zu nehmen, besitzen die großen Schokoladenhersteller. Aus diesem Grund werden regelmäßig verschiedene Aktionen durchgeführt, wie Petitionen, Boykotte usw., um durch öffentlichen Druck ein stärkeres Engagement gegen Kinderarbeit und für eine nachhaltige Kakaoproduktion einzufordern.

 

 

Quellen und Hinweise:

Südwind Institut (2009): Die dunklen Seite der Schokolade. In: Online.

ARD-Reportage (2010): Schmutzige Schokolade. Online abrufbar.

UTZ certified

Fairtrade Deutschland

GEPA

Rainforest Alliance

 

Artikelbild: Ryan McGuire

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