Lebensweise

Gewusst wie: Brennwertheizung energieeffizient einstellen

Geschrieben von Gast

Gastautorin: Kerstin Bruns

Passend zum Herbstbeginn am kommenden Freitag (22.09) gibt es nachfolgend eine Checkliste für den alltäglichen Umgang mit der eigenen Öl- oder Gas-Heizung.

Wer sich für eine neue Öl- oder Gasheizung entscheidet, hat heute ausschließlich die Wahl zwischen verschiedenen Brennwertheizungen. So ist der Einbau herkömmlicher Modelle mit Nieder- und Konstanttemperaturtechnik laut Energiesparverordnung seit 2015 nicht länger erlaubt. Wie wir unsere moderne Öl- oder Gasheizung richtig einsetzen, zeigt die folgende Checkliste. Denn selbst der beste Wärmeerzeuger bringt bei falscher Nutzung nur geringe Einspareffekte. Doch bevor wir zu den Tipps kommen: Was ist eigentlich eine Brennwertheizung?

 

Was macht eine Brennwertheizung eigentlich so besonders?

Sobald wir unsere Heizung einschalten, verbrennt der Heizungsbrenner den eingesetzten Energieträger. Dabei entstehen sehr heiße Gase. Bei einem herkömmlichen Kessel gelangen diese über den Kamin an die Außenluft und belasten die Umwelt. Bei dieser Variante verlieren Hausbesitzer Wärmeenergie beim Heizen. Denn die Abgase enthalten wertvolle Restenergie, die nicht zum Einsatz kommt. Brennwertheizungen sind intelligenter, weil sie diese zusätzliche Energie nutzen.

 

Wie wird die zusätzliche Energie nutzbar gemacht?

Ein Abgaswärmetauscher kühlt die Abgase herunter, sodass diese einen tröpfchenförmigen Zustand annehmen. Der Fachmann nennt diesen Vorgang Kondensation. Dazu eine kurze Alltagssituation:

Wenn wir unsere Hand zum Beispiel über kochendes Wasser halten, wird unsere kühlere Handfläche feucht und warm. Genau das Gleiche passiert im Brennwertkessel.

Die dabei freiwerdende Wärmeenergie bezeichnet die Heizungsbranche als latente Wärmeenergie. Durch dieses zusätzliche Plus an Energie steigt die Effizienz der eigenen Heizung von knapp 100 Prozent auf 106 bis 111 Prozent. Bei der gleichen eingesetzten Menge an Gas oder Öl erhalten wir über den Brennwerteffekt deutlich mehr Wärmeenergie als bei herkömmlichen Öl- oder Gasheizungen. Zusätzlicher positiver Nebeneffekt: Durch das Abkühlen der Abgase sinkt die CO2 Belastung in der Atmosphäre.

Um die Einsparpotenziale beim Einsatz einer Brennwertheizung bestmöglich zu nutzen, ist die richtige Einstellung des Kessels zu beachten. Die nachfolgende Checkliste zeigt grundlegende Tipps und Tricks für einen energieeffizienten Einsatz.

 

Welche Einstellungen kann ich als Verbraucher am Kessel vornehmen?

Brennwertheizungen verfügen wie alle anderen Heizungsarten über einen am Kessel befestigten Regler. Über das Display stellen Heizungsbesitzer die gewünschte Raumtemperatur ein. Darüber hinaus lassen sich auch Heizphasen eingeben, die bestimmen an welchem Wochentag der Kessel, welche Heizwassertemperaturen bereitstellen soll. Möglich ist auch die Einstellung einer Nachtabsenkung zum Beispiel auf 15 Grad. Diese Werte können wir als Verbraucher problemlos selbst in Abhängigkeit vom individuellen Wärmebedarf eingeben.

Bei Fragen hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung des Herstellers. Diese lassen sich für viele Modelle im Internet finden. Sie erklären sämtliche Funktionen und Tasten des Reglers im Detail.

 

Was ist bei der Steuerung der Heizung zu beachten?

Moderne Brennwertkessel sind witterungsgeführt und damit abhängig von der Temperatur, die draußen herrscht. Zuständig für ihre Messung ist in der Regel ein Temperaturfühler. Anhand des ermittelten Wertes berechnet eine Software die passende Vorlauftemperatur. Das ist diejenige Temperatur, die das Wasser erreichen muss, sobald es oben in den Heizkörper eintritt. Diesen Mindestwert gibt die Heizungsregelung an den Kessel weiter, damit dieser das gewünschte Temperaturniveau bereitstellen kann. Voraussetzung für diesen Vorgang ist das Einstellen der richtigen Heizkurve am Kessel. Vereinfacht gesagt, gibt sie an welche Temperatur die Heizung in Abhängigkeit vom Wetter zu erzeugen hat.

 

Wer stellt die Heizkurve richtig ein?

Bei älteren schlecht gedämmten Gebäuden verliert das Heizwasser auf dem Weg vom Kessel bis oben zu den Heizkörpern im Wohnraum an Wärme. Der Wärmebedarf fällt hier demnach höher aus als in einem gut isolierten Neubau. Aufgrund der höheren Wärmeverluste verläuft die Heizkurve in einem Altbau daher deutlich steiler als in neu gebauten Häusern. Flache Heizkurven, so wie sie im Neubau der Fall sind, verhelfen zu mehr Effizienz. Denn wir verbrauchen in diesem Fall aufgrund des geringen Wärmebedarfs weniger Öl und Gas. Für die Einstellung der optimalen Heizkurve empfiehlt es sich einen Fachmann zu beauftragen.

Heutzutage arbeiten moderne Gas- und Ölheizungen modulierend, d. h. sie passen die Heizleistung automatisch an den Bedarf der Hausbewohner an. Als Richtwert gilt die voreingestellte Heizkurve. Wenn diese beispielsweise eine Neigung von 1,7 aufweist, sorgt der Kessel bei einer Außentemperatur von 10 Grad für 40 Grad warmes Wasser am Heizkörper.

 

Welchen Vorteil haben modulierende Heizungen?

Die automatische Leistungsanpassung modulierender Heizungen sorgt für einen bewussteren Umgang mit endlichen Ressourcen wie Öl und Gas. Damit schonen wir nicht nur Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass der Kessel nicht taktet. Damit ist das wechselnde Ein- und Ausschalten gemeint. Die langen Laufzeiten des Brenners senken den Stromverbrauch und die Schadstoffemissionen durch den geringeren Brennstoffverbrauch. Bei älteren Modellen ist diese Regulierbarkeit nicht gegeben, sodass der Kessel lediglich zwischen Betrieb und Stillstand unterscheidet.

 

Warum ist eine niedrige Rücklauftemperatur bei einem Brennwertkessel wichtig?

Je niedriger die Rücklauftemperatur der Heizung ausfällt, umso größer ist der Verflüssigungseffekt der Abgase und damit der zusätzliche Energiegewinn einer Brennwertheizung. Die Rücklauftemperatur beschreibt das Temperaturniveau des Wassers, das aus den Heizkörpern zurück in den Kessel fließt. Bei einer Erdgasheizung kondensiert der Wasserdampf bei Rücklauftemperaturen von 0 bis 55 Grad Celsius am besten. Sofern eine Ölheizung eingesetzt wird, sollte die Temperatur nicht mehr als 47 Grad betragen. Bei höheren Temperaturen empfiehlt es sich einen Heizungsfachmann zu Rate zu ziehen. Dieser nimmt über die Durchflussmenge des Heizungswassers im Heizkörper Einfluss auf die Rücklauftemperatur. Im Idealfall lassen richtig eingestellte Thermostatventile nicht mehr als 100 Liter Wasser pro Stunde durch den Heizkörper hindurchfließen.

 

Ist ein hydraulischer Abgleich nötig?

Der Begriff hydraulischer Abgleich klingt erst einmal kompliziert. Das Prinzip dahinter lässt sich aber einfach erklären: Denn er sorgt für einen gleichmäßigen Volumenstrom des Wassers in der Heizungsanlage. Oftmals lässt sich beobachten, dass weit vom Kessel entfernte Heizkörper trotz Stufe fünf am Thermostat kalt bleiben. Grund dafür ist eine Unterversorgung mit Heizungswasser. Abhilfe schafft das Verstellen der Heizkörperventile. Auf diese Weise lässt sich Einfluss auf die Wasserdurchflussmenge an den Heizungsrohren nehmen, sodass im Endeffekt alle Heizkörper gleichmäßig mit warmem Heizwasser versorgt werden. Die optimalen Einstellungswerte messen Heizungsbauer mittels einer Software und stellen darauf basierend alle Ventile passend ein. Die Einsparungen belaufen sich im Idealfall auf bis zu 20 Prozent.

 

Elektronische Thermostatventile einsetzen

Bedarfsorientiert regeln, lässt sich die Heizung mit dem Einbau von elektronischen Thermostaten am Heizkörper. Denn programmierbare Heizkörperventile passen die Raumtemperatur automatisch an, sobald wir sie über das Display mit den gewünschten Temperaturwerten bespielt haben. Wählen kann man dabei zwischen Situationen wie “Haus verlassen” oder “Schlafen gehen”. Über Funk lassen sich die Thermostate auch mit einer Smart Home Zentrale verbinden, sodass sie mit anderen elektronischen Geräten wie Fensterkontakten kommunizieren. Lästiges manuelles Auf- und Zudrehen des Heizungsthermostats gehören der Vergangenheit an.

 

Den eigenen Heizkessel mit dem Internet verbinden

Sämtliche Kessel verfügen heutzutage auch über digitale Schnittstellen am Kessel oder ein entsprechendes Kommunikationsmodul. Sie ermöglichen die Verbindung der Heizung mit dem Internet. Das hat den Vorteil, dass wir die Heizung auch von unterwegs zum Beispiel im Urlaub beliebig herauf- und herunterschalten können. Klartextanzeigen geben dabei ständig Aufschluss über den eigenen Energieverbrauch und die eingestellten Temperaturen. Auf diese Weise lassen sich Fehler im eigenen Heizverhalten schneller erkennen.

 

Heizung regelmäßig entlüften

Luft in den Heizkörpern mindert nicht nur die Effizienz der Heizung, sondern nervt auch den Eigentümer. So ist ein typisches Symptom ein Klopfen im Heizkörper. Wichtig für den richtigen Entlüftungsvorgang ist ein Schlüssel. Dieser lässt sich für kleines Geld in jedem Baumarkt kaufen. Noch schnell alle Heizkörper auf fünf drehen und Lappen und Schüssel für das dreckige Heizungswasser bereitlegen und schon kann es losgehen. Nicht zu vergessen ist das Abschalten der Heizungspumpen, damit sich die Luft oben im Heizkörper ansammelt. Den Entlüftungsschlüssel setzt man einfach an das Ventil der Heizung, das sich durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn öffnet. Das austretende Wasser lässt sich mit der Schüssel auffangen. Sobald kontinuierlich Wasser austritt, ist das Heizungsventil wieder zuzudrehen.

 

Artikelbild: Unsplash, Breather

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