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Der Nachhaltigkeitsbericht: Interview mit Hardy Nitsche von 360report

Florian
Geschrieben von Florian

Hardy Nitsche ist Gründer und Geschäftsführer von 360report. Zuvor war er als selbständiger Berater für KMUs und Internet Startups tätig und begleitete e-Commerce Startups von der Gründung bis zum erfolgreichen Markteintritt. Bis 2008 war Hardy zehn Jahre in verschiedenen Führungspositionen bei der Epson Deutschland GmbH beschäftigt, zuletzt als Verantwortlicher der Landesgesellschaften Schweiz und Österreich. Mit Nachhaltigkeit beschäftigt sich Hardy seit Jahren, bei 360report hat er nun seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

 

Im Interview ist Hardy Nitsche, Geschäftsführer von 360report – einer Nachhaltigkeitsberichts-Software.

 

Florian: Ein häufiger Vorwurf in Sachen Nachhaltigkeit / CSR ist, dass Unternehmen nur reden und zu wenig Gutes tun. Nur weil der Jahresbericht auf FSC-Papier gedruckt ist, ist ein Unternehmen noch nicht nachhaltig. Ein Nachhaltigkeitsbericht bringt Transparenz was ein nachhaltiges Unternehmen ausmacht. Was sind die wesentlichen Elemente und Kennzahlen eines Nachhaltigkeitsberichts?

Hardy:

Ein echter Nachhaltigkeitsbericht umfasst Aspekte aus den drei großen Bereichen Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie. Von der Altersvorsorge für die Mitarbeiter über den indirekten Energieverbrauch bis zu Korruptionsrisiken sind potenziell alle Aspekte wichtig für einen Bericht, die über die monetären Daten eines Unternehmens hinausgehen. Es gibt verschiedene Richtlinien und Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Anhaltspunkte für die Inhalte liefern. Die international am weitesten verbreitete Richtlinie wurde von der Global Reporting Initiative (GRI) entwickelt. Sie beinhaltet einen ausführlichen Katalog an Indikatoren, die die verschiedenen Bereichen der Nachhaltigkeit abdecken. Bei Anwendung des Standards muss das berichtende Unternehmen jedoch nicht immer alle Indikatoren berichten, denn nicht alle sind für jedes Unternehmen gleichwichtig bzw. überhaupt relevant. So kann für ein Textilunternehmen der Indikator zu Auswirkungen auf die Biodiversität hochrelevant sein, während derselbe Indikator für ein IT-Unternehmen möglicherweise keine Bedeutung hat. Eine allgemeingültige Aussage über spezifische Aspekte, die unbedingt in jedem Bericht integriert sein sollten oder Berichte ganz besonders transparent machen, kann daher nicht getroffen werden. In einem ersten Schritt sollte daher das berichtende Unternehmen unter Einbezug der Anspruchsgruppen die wesentlichen Elemente und Kennzahlen für sich definieren und dann genau diese berichten. Das macht einen transparenten und aussagekräftigen Nachhaltigkeitsbericht aus – und nicht die Seitenanzahl.

 

Florian: Ein weiterer Vorwurf ist, dass Unternehmen ihre „guten Taten“ für wirtschaftliche Zwecke instrumentalisieren würden. Was ist Deine Meinung dazu?

Hardy:

Die Vorwürfe sind auf jeden Fall ernst zu nehmen. Leider gibt es immer wieder Unternehmen, die mit sogenannten Green-Washing-Aktionen negative Schlagzeilen erzeugen, die zeigen, dass eine gewisse Skepsis angebracht ist. Doch normalerweise ist die Spreu schnell vom Weizen getrennt: NGOs und kritische Konsumenten haben einen Blick auf die Berichte und verbreiten ihre Bewertungen unwiderruflich im Internet. Und auch intern wird ein Unternehmen Probleme haben, wenn die Darstellungen im Bericht und die Wahrnehmung der betrieblichen Realität durch die Mitarbeiter nicht miteinander vereinbar sind. Ein „grün gewaschener“ oder auch oberflächlicher Nachhaltigkeitsbericht schadet daher mehr, als er nützt. Generell sollten sich Unternehmen, die ernsthaft bemüht sind einen transparenten Bericht zu schreiben, aus Angst vor Vorwürfen nicht abschrecken lassen. Und auch die Öffentlichkeit sollte nicht hinter jedem Bericht gleich eine bloße Werbeaktion vermuten. Meiner Meinung nach kann auch nichts dagegen einzuwenden sein – und es ist sogar wünschenswert -, dass ein Unternehmen seine Nachhaltigkeits-Bemühungen nach außen hin kommuniziert, denn auch für Konsumenten und andere Stakeholder besteht nur ein Mehrwert, wenn diese mit entsprechenden Informationen versorgt werden, die ihre Entscheidung beeinflussen. Und der positive Impact auf die Umwelt und Gesellschaft bleibt ja weiterhin bestehen – erhöhtes Commitment zur Einhaltung und Verbesserung der Nachhaltigkeits-Maßnahmen inklusive.

 

Florian: Lassen wir mal Unternehmen mit einem im Sinne der Nachhaltigkeit fragwürdigen Geschäftsmodell beiseite. Manchmal habe ich Gefühl, dass es der Mehrheit am liebsten wäre, wenn alle Unternehmen zukünftig nachhaltig agieren, aber mit dieser Veränderung nur selbstlose Zwecke verfolgen. Ist das nicht ein Irrglaube?
Denn schließlich schaffen Unternehmen auch Arbeitsplätze, die wir brauchen, sowie Produkte, die wir (möglichst günstig) kaufen (wollen). Heilen womöglich die guten Taten die wirtschaftlichen Zwecke?

Hardy:

Wirtschaftliche Zwecke und gute Taten werden oft als unvereinbarer Gegensatz betrachtet. Das ist tatsächlich ein Irrglaube. Denn das Gegenteil ist der Fall: Unternehmerische Nachhaltigkeit vereint gerade Wirtschaftlichkeit und „gute Taten“. Das Streben nach Gewinn ist nicht prinzipiell negativ, sondern zunächst nur die natürliche Motivation eines Unternehmers. Erst wenn die Gewinnerzielung reiner Selbstzweck ist und über die Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft gestellt wird, wird es problematisch. Dann heilt auch eine Unternehmensspende an eine gemeinnützige Organisation nicht den wirtschaftlichen Zweck. Doch das ist auch nicht das, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen. Bei Nachhaltigkeit in Unternehmen geht es darum, nachhaltige Werte in die Geschäftstätigkeit zu integrieren, das heißt, Prozesse und Produkte entsprechend umzustellen oder zu optimieren, wodurch letztlich auch die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens erhöht wird. Ein konsistentes Zusammenspiel der ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren ist das Ziel. Das bringt auch nicht zwangsläufig höhere Produktpreise mit sich, schließlich sorgt Nachhaltigkeit mittelfristig für niedrigere Kosten und höhere Erträge im Unternehmen. Dumping-Preise, die vor allem auf Kosten von Dumping-Löhnen und unsozialen Arbeitsbedingungen entstehen, können ohnehin nicht das Ziel sein. Faire Produkte verlangen faire Preise, das sollte dem bewussten Konsumenten klar sein.

 

Florian: Um den Vorwurf des Instrumentalisierens des Nachhaltigkeits-Engagements zu entgegnen, welche konkreten Tipps für eine erfolgreiche Nachhaltigkeits-Kommunikation hast Du?

Hardy:

Erfolgreiche Nachhaltigkeits-Kommunikation lebt von Ehrlichkeit und Transparenz. Viele Unternehmen denken, dass eine perfekte Nachhaltigkeits-Performance von ihnen erwartet wird und verzichten daher oftmals auf die Kommunikation oder versuchen, Fakten zu beschönigen. Es geht nicht darum, bereits alles richtig zu machen, sondern sich auf den Weg in die richtige Richtung zu begeben und erstmals die relevanten Daten zu erheben und daraus Schlüsse zu ziehen. Die Orientierung an bestehenden Berichts-Standards ist sehr hilfreich und erhöht die Qualität der Datenauswahl und damit auch die Glaubwürdigkeit des Nachhaltigkeitsberichts. Die Standards verlangen von einem „Nachhaltigkeits-Einsteiger“ auch nicht, dass dieser einen 100-seitigen Bericht über die fehlerlose Nachhaltigkeits-Performance erstellt. Wichtig für die Kommunikation ist die klar strukturierte Darstellung belastbarer Daten sowie der erkennbare ernsthafte Wille zur Verbesserung und auch ehrliche Eingeständnisse von Fehlern. Und natürlich eine zielgruppengerechte Kommunikation – ein Konsument hat natürlich andere Ansprüche an einen Nachhaltigkeitsbericht als ein Kreditinstitut oder ein Geschäftspartner.

Wenn ein Unternehmen hinsichtlich der „externen“ Kommunikation seines Nachhaltigkeits-Engagements unsicher ist, muss es in einem ersten Schritt seinen Bericht auch nicht veröffentlichen, sondern kann diesen zunächst intern als Entscheidungsgrundlage des Nachhaltigkeits-Managements nutzen und sich dann später immer noch für die Veröffentlichung entscheiden.

 

Florian: Kommen wir noch mal zurück auf den Nachhaltigkeitsbericht. Es gibt eine Reihe internationaler CSR-Richtlinien wie z.B. Global Reporting Initiative (GRI), United Nations Global Compact, ISO 26000 und Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol). Wie unterscheiden sie sich voneinander? Welche(r) ist/sind die Basis für einen Nachhaltigkeitsbericht und welche(r) ist/sind ergänzend?

Hardy:

Die verschiedenen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung haben zahlreiche Schnittstellen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Fokussierung auf bestimmte Bereiche. Der weltweit am meisten angewandte und bekannteste Standard ist die Richtlinie der Global Reporting Initiative (GRI). Der GRI-Rahmen ist sehr umfassend und legt ohne spezifischen Schwerpunkt die Prinzipien und Indikatoren dar, mit denen Organisationen ihre ökonomische, ökologische und soziale Leistung aufnehmen können.

Der United Nations Global Compact geht in dieselbe Richtung wie GRI. Die Berichterstattung folgt dabei zehn universell anerkannten Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung.

Die ISO (International Organization for Standardization) hat mit der ISO 26000-Norm dagegen einen auf die ethische und gesellschaftliche Verantwortung fokussierten Leitfaden entwickelt.

Das Greenhouse Gas Protocol ist ein Standard, der in drei Scopes unterteilt alle direkten und indirekten Treibhausgas-Emissionen eines Unternehmens inklusive Lieferkette abdeckt, aber keine sozialen Aspekte einschließt.

Aufgrund der internationalen Verbreitung und der Abdeckung aller relevanten Nachhaltigkeits-Bereiche ist Unternehmen generell zu empfehlen, sich auf GRI zu konzentrieren. Inhaltlich ist die Richtlinie für alle Unternehmensgrößen und –branchen geeignet und oftmals werden dadurch gleichzeitig weitere Standards mit abgedeckt.

 

Florian: Was sind die wesentlichen Vorteile von Eurem 360report? Wen sprecht Ihr damit an?

Hardy:

360report ist einfach, schnell und kostengünstig und damit ideal für KMUs. Mit unserer Software-as-a-Service Lösung ist es möglich innerhalb weniger Tage und ohne spezifische Vorkenntnisse alle relevanten Daten zu den eigenen Nachhaltigkeitsleistungen aufzunehmen und daraus automatisch einen zertifizierbaren Nachhaltigkeitsbericht nach den wichtigsten internationalen Standards – GRI, UN Global Compact, ISO 26000 – erstellen. Aus den Daten wird gleichzeitig automatisch eine CO2-Bilanz nach allen drei Scopes des Greenhouse Gas Protocol erzeugt. Einsteiger können auch zunächst die Stand-Alone-Lösung für CO2-Berichte erwerben und später unkompliziert auf die komplette Lösung für Nachhaltigkeitsberichte upgraden.

Unser Alleinstellungsmerkmal ist die benutzerfreundliche und innovative Eingabe-Logik, die den Anwender durch den gesamten Prozess der Datenaufnahme und Berichterstellung führt. Ein intelligentes Feedbacksystem liefert auf Basis der eingegebenen Daten Zielvorschläge, deren Erreichen in den Folgejahren überprüft werden kann. Nach der Dateneingabe kann der fertige Bericht auf Klick als PDF- oder Word-Dokument ausgegeben und nachträglich noch bearbeitet und mit dem firmenindividuellen Design versehen werden. Für die Aufbereitung des Berichtsdesigns bieten wir auch attraktive Service-Angebote an. Generell ist die Komplexitätsreduktion bei der Berichterstellung bisher einmalig und bildet damit einen wesentlichen Vorteil gegenüber den traditionellen Möglichkeiten der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Durch die Konzeption als Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) sind zudem weder Installations- noch Schulungsaufwand im Vorfeld nötig und Updates und neue Features werden automatisch in alle Accounts integriert. Die strukturierte und einfache Datenaufnahme mit 360report erleichtert maßgeblich die Überprüfung der Nachhaltigkeits-Bemühungen und dient der Optimierung der eigenen Nachhaltigkeits-Aktivitäten. Unsere Zielgruppe sind vor allem mittelständische Unternehmen, die bisher vor allem aufgrund des personellen und finanziellen Aufwandes auf die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts verzichteten. Unsere bisherigen Kunden zeigen jedoch, dass es bei der Anwendbarkeit von 360report für Unternehmen größenmäßig weder nach oben noch nach unten Grenzen gibt.

 

Florian: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

 

Wer mehr dazu erfahren will, hat folgende Möglichkeiten:

 

Artikelbild: morguefile.com

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