Umdenken

Der Einzelne kann nichts verändern

Leena
Geschrieben von Leena

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Bei Gesprächen zur Nachhaltigkeit höre ich immer mal wieder diesen einen Satz: „Ein Einzelner kann doch gar nichts verändern.“ Diese Einstellung macht es einem natürlich leicht. Sie verlangt nichts: keine Anstrengung, kein Überdenken des eigenen Verhaltens, kein Handeln. Sie beruft sich auf die Ohmacht gegenüber der globalen Zusammenhänge und mächtigen Konzerne. Diese Einstellung leugnet jeden Einfluss des Verbrauchers auf Umwelt, Umfeld und Unternehmen. Kurz: Sie schiebt die Verantwortung ab.

Es ist bequem, die Verantwortung abzugeben. Gerade bei so komplexen Themen wie dem Klimawandel oder dem Welthunger. Trotzdem ist es falsch. Denn durch mein Handeln bin ich Teil des Systems. Mit jeder Entscheidung, die ich treffe, leiste ich meinen Beitrag. Sei er auch noch so klein: Ich habe so gewählt und ich allein trage die Verantwortung. Dass dieser Beitrag im globalen Vergleich mit 7 Milliarden Menschen nicht ins Gewicht fallen mag, ändert nichts daran, dass ich ihn leiste – selbst dann, wenn ich die Verantwortung abgebe.

Ich erwarte nicht von mir, die Welt zu retten. Aber ich erwarte von mir, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu agieren: „Global denken, lokal handeln“. In einem Umfeld, das ich beobachten und beeinflussen kann.

Wenn nun jemand sagt „Der Einzelne kann doch gar nichts verändern“, könnte ich auf all die Menschen in der Geschichte verweisen, die als Einzelpersonen sehr wohl große Veränderungen herbeigeführt haben. Trotzdem ist das kein guter Vergleich, denn die Wenigsten von uns sind ein Ghandi oder Tesla.

„Unser Wirkungskreis ist da, wo wir sind“ Charles H. Spurgeon

Was viel entscheidender ist: Es ist längst nicht mehr nur „der Einzelne“, der sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Ich glaube ein emergentes Verhalten zu beobachten. Viele Einzelne, die aufstehen und zu einer La Ola-Welle werden. So wie viele Einzelne in den 90ern Druck auf Shell ausübten und die Versenkung der Brent Spar verhinderten. Viele Einzelne, die durch Engagement und Kaufverhalten die Textilkonzerne dazu bringen, die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern zu verbessern – langsam, aber immerhin. Und rund 7,75 Millionen einzelne Deutsche (vgl. Vebu), die meine Entscheidung teilen, kein Fleisch zu essen.

Ich habe mich dafür entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Klar, das ist nicht immer leicht, aber ich möchte es nicht anders. Ich will nicht diejenige sein, die resigniert oder sich ignorant zurücklehnt. Abgesehen davon: Wir können es uns nicht mehr leisten, die Verantwortung abzuschieben. Nicht bei allem, was wir über den Zustand unserer Erde wissen.

Jeder Einzelne nimmt sich seinen Teil aus der Welt heraus. Wir sollten ihn so gut es geht zurückgeben – und sei der Beitrag auch noch so klein. Ein Strand besteht immerhin auch nur aus Sandkörnern.

 

Quellen:

Vebu (2014): Anzahl Vegetarier in Deutschland. In: Online.

Artikelfoto: lee Scott, unsplash.com

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