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5 Dinge, die wir als Smartphone Generation verlernen

Florian
Geschrieben von Florian

Kaum eine Sache hat in den letzten Jahren mehr an Bedeutung im Alltag gewonnen als das Smartphone. Es ist kaum noch wegzudenken. Studien besagen sogar, dass viele lieber ihr Portemonnaie als ihr Smartphone verlieren würden. So verwundert es nicht, dass es zur Gewohnheit geworden ist, in jeder freien Minute aufs Smartphone zu schauen: Mal sehen, ob es was Neues gibt.

Aber genau dieser Blick mag als reiner Segen erscheinen. Aber ist zugleich auch Fluch.

5 Dinge, die wir als Smartphone Generation zunehmend verlernen.

 

1. Den realen Moment genießen

Wenn ich in meiner Kindheit an Erziehungselemente denke, muss ich in diesem Kontext an einen Satz denken: „Schau mich bitte an, wenn ich mit Dir rede“.

Aber was ist in unser Smartphone Generation daraus geworden?

Es ist fast schon normal, während man zusammen sitzt an seinem Smartphone rumzuspielen. Der virtuelle Kontakt wird zunehmend dem physischen Kontakt vorgezogen.

Wir sollten eines nie vergessen: Nur reale Nähe ist Nähe. Auch wenn wir diesen Satz bejahen, machen wir, wenn wir im Gespräch mit jemanden ein Handy in der Hand haben, auf das wir immer mal schauen, etwas Gegenteiliges: Wir tauschen die reale Nähe gegen die virtuelle Nähe ein.

 

2. Den richtigen Ton treffen

In der virtuellen Kommunikation weiß jeder, was es ist. Denn jeder hat Erfahrung damit, hat es schon erhalten und verteilt. Ich rede vom Smiley oder Emoticons. Weiß aber jeder welche Gesichts-Mimik und welche Tonlage z.B. ein Zwinker-Smiley sind?

Auch das Motzen via Smartphone in den sozialen Kanälen geht sehr leicht: Einfach sich Unliebsames von der Seele schreiben und auf Enter drücken. Schon ist es geäußert. Es musste ja mal gesagt werden. Die Reaktion… ist uns doch egal, wir scrollen einfach weiter. Aber was bedeutet „einfach weiter scrollen“ in einer Auseinandersetzung mit dem Chef oder mit einem Freund?

Verlagern wir solche Gespräche zunehmend in die virtuelle Welt, verlernen wir den realen Dialog. Denn etwas Können bedeutet Machen. Machen wir es weniger, verlernen wir es.

 

3. Der besondere Moment

Blickt man aufs Smartphone, nimmt man nicht die Menschen um sich rum war. Jetzt melden sich die selbst ernannten Multitasker und sagen, dass sie beides gleichzeitig könnten: Sich unterhalten und auf Facebook die Updates checken. Aber das funktioniert nicht: Multitasking ist wissenschaftlich belegt ein Irrtum.

Es zählen also nur noch man selber und sein Smartphone. Dabei verliert man den Blick für die besonderen Momente im Leben: Das Lächeln eines Kindes, die Möglichkeit, einem Hilfsbedürftigen beim Einsteigen in den Bus zu helfen, zufällig Freunde treffen, neue Bekanntschaften machen oder eine lustige Szene beobachten und mitlachen.

Aber genaue solche Momente sind es doch, die wir am Abend unserem Partner und Freunden erzählen. Sie sind die besonderen Momente in unserem Alltag.

 

4. Das Nichts-Tun

Es geistert einem viel Privates und Berufliches durch den Kopf. Diese Gedanken wollen raus. Eine Abkürzung gibt es nicht. Man muss sich die Zeit nehmen. Andernfalls sitzt es einem zunehmend schwerer im Kopf und lähmt einen. Aber wie sollen wir zum Nachdenken kommen, wenn wir jede freie Minute unser Smartphone in die Hand nehmen? Wann denken wir darüber nach, was uns wichtig im Leben ist? Wann überlegen wir uns neue Ideen?

Verlernen wir das Nichts-Tun, verschließen wir uns neuen Möglichkeiten. Wir hetzen uns von einer Sache, die wir noch schnell erledigen wollten, zur nächsten und wollen immer mehr.  Das mag effizient sein, aber zum Hinterfragen der Effektivität – die richtigen Dinge machen – bleibt keine Zeit.

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Beim Nichtsmachen bleibt nichts ungemacht“. Und so ist es auch. Denn: So widersprüchlich es klingen mag, aber Nichts-Tun kann sehr produktiv sein.

 

5. Der Wille etwas zu bewegen

“A good example of how people become closed off from their ecosystems is with their walkmen or ipods. So you start to further close yourself off. You don’t’ want to breathe the dirty air. You don’t want to hear because it’s annoying. You don’t want to look because it’s ugly.”
Dieses Zitat stammt von Juan Pablo Arrago aus dem Film „180 South“. Und es ist wahr.

Wir lenken uns mit unseren Smartphones ab, blenden aus was uns nicht gefällt und was wir gerne anders hätten. Dadurch verlieren wir, eine Beziehung zu unserer Umwelt aufzubauen. Und ohne eine solche Beziehung, lernen wir nicht die Umwelt zu schätzen. Und was wir nicht schätzen, werden wir auch nicht schützen.

 

Artikelbild: picjumbo.com

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13 Kommentare

  • Schoener Artikel um unschoene Wahrheit. Wird spannend, ob die Zukunft Besserung oder den Exitus bringt.

  • Da ist eine ganze Menge Wahrheit in diesem Artikel. Obwohl wir uns weltweit immer mehr und mehr vernetzen (ich denke da an Facebook und Freunde aus aller Welt), verlieren wir die Nähe, also die reale Nähe, immer mehr und mehr. Und somit auch die Fähigkeit richtig zu kommunizieren.
    Es gibt von dem französischen Komödianten Gad ElMaleh eine Slapstickszene, wie es aussehen würde, wenn man die typischen „Facebook-Sachen“ im realen Leben machen würde. Herrlich für die Lachmuskeln, aber erschreckend für den Geist. Verlernen wir doch so immer mehr und mehr unsere Kommunikationsfähigkeit und wundern uns dann, warum wir immer einsamer und trauriger werden.
    Ich finde die sozialen Medien und das Internet allgemein richtig und wichtig. Aber es ist auch wichtig, wie wir damit umgehen. Wir sollten sie benutzen, um unseren Alltag zu Erleichtern, aber wenn wir nicht aufpassen, lassen wir uns mehr und mehr von ihnen benutzen und von jenen Menschen, die schlau genug sind, uns via Social Medias zu beeinflussen….

      • Florian, die Feststellungen sind richtig. Nicht erwähnt wurden „Respektverlust“ ,
        direkter Kommunikatonsverlust, verbunden mit der Persönlichkeitsflucht!
        Die geförderte Oberflächlichkeit!

        • Vielen Dank für die Anmerkung. Und in der Tat, das stimmt. Es steckt ein wenig in Punkt 2, aber nicht ausreichend. Das Problem ist, dass man eine solche Oberflächlichkeit nur schwer wieder „aberziehen“ kann. Und wenn dauert es lange, vielleicht sogar Generationen.

  • Florian, ein gelungener Artikel. Es ist in der tat so, dass wir (also diejenigen die diese nutzen) durch die neuen Medien viel verlernen. „Verlernen“ ist hier wohl das entscheidende Wort. Und genau das schreckt mich sehr ab. Lernen bedeutet, das sich Synapsen, die einen bestimmten Reiz im Gehirn weiterleiten, sich verknüpfen. Dadurch entstehen in unserem Hirn mehr Verknüpfungsmöglichkeiten, als Sterne am Himmel. Ja in der Tat ist unser Hirn einzigartig in dieser Hinsicht.
    „Verlernen“ im Gegensatz dazu bedeutet, dass bereits bestehende Verknüpfungen – zumindest Teilweise – verloren gehen.
    Das bedeutet, dass sich unser Hirn in einem ständigen Wandlungsprozess befindet. Je mehr wir Soziale Medien und Smartphones nutzen, desto mehr passt sich unser Gehirn diesem Umstand an und wir verlieren dadurch immer mehr Möglichkeiten. Da frage ich mich, wie soll sich unter diesen Umständen die Menschheit entwickeln?

    • Danke Dir für Dein Lob. Das freut mich sehr.

      Ich finde diese Entwicklung auch nicht gut. Sozial- und Kommunikationsstarke Persönlichkeiten bringt dies sicherlich nicht hervor. Wir „verlernen“ gewisse, aber durchaus wichtige Fähigkeiten, wie Du richtig erkannt hast.
      Wenn ich mir überlege, wie unverschämt es wäre, wenn ich während eines Gesprächs mit einem Auge eine Zeitschrift lese. Aber aufs Handy schauen ist ok?! Hier geht es daher auch um Respekt und Wertschätzung.

      Das muss man sich immer wieder bewusst machen, auch bei seinem eigenen Verhalten, welche Signale die eigenen Gewohnheiten an die Mitmenschen senden. Diese Taten haben eine viel höhere Bedeutung als Worte.

      Wohin das führt, kann ich nicht sagen. Doch hat jeder die Wahl. Ich bin z.B. nicht bei WhatsApp, weil ich meine Familie und Freunde treffen und zumindest mit ihnen telefonieren will. Warum sollte ich neben EMail und SMS daher noch einen weiteren Weg anbieten, der dies verhindert. Auch hat jeder die Wahl, wie er/sie sein Hirn fordert. Wer „googelt statt nachdenkt“, wird wohl nicht der nächste Einstein werden.