Natur

Ab in die Wildnis

Florian
Geschrieben von Florian

Karte_Naturerbe_ZielbildDenken wir an wilde Urwälder, ursprüngliche Flussauen und Moore sowie faszinierende Bergwelten kommt uns nur eine Fernreise in den Sinn. Doch auch in Deutschland gibt es Wildnis. Nur ist diese bisher relativ unbekannt. Ein neues Portal ändert dies und zeigt unter Wildnis-in-Deutschland.de unsere Nationalparks und Flächen, auf denen die Natur „sich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln“ darf. Das Ziel der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ ist es, dass bis zum Jahre 2020 insgesamt 2% von Deutschland Wildnisgebiete werden, d.h. aus der Nutzung genommen werden.

Doch damit nicht genug. Diese mittlerweile 17 Wildnisgebiete sind Teil des Nationalen Naturerbes zu dem auch Offenlandbereiche, die weiterhin naturschutzfachlich gepflegt werden, zählen. Insgesamt umfasst das Nationale Naturerbe 62 Flächen unterschiedlicher Größe (siehe Abb.). Weitere Flächen sollen dazu kommen.

Dieser Schritt ist enorm wichtig, denn echte Wildnis, d.h. keine Straßen, keine Forstwege, keine Menschen und unzerschnittenes Gebiet, ist in Mitteleuropa (nahezu) ausgerottet. Das müssen wir uns bewusst machen. Mit der Unterstützung dieses Nationalen Naturerbes übernehmen wir Verantwortung für die Umwelt und für uns, unsere Kinder und unsere Enkel.

Karte_Wildnis-in-DeutschlandWildnis-in-Deutschland ist eine Initiative von 16 Naturschutzorganisationen, u.a. BUND, WWF, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace e. V. und NABU, und wird von der Zoologische Gesellschaft Frankfurt koordiniert – unterstützt mit Mitteln des BMUB.

Und diese Wildnisgebiete können schon heute besucht werden. Wer ursprüngliche Natur sucht, wird hier fündig. Die Karte zeigt, wo sich die Gebiete befinden (siehe Abb.). Ein super Reise- und Ausflugsziel für die anstehenden Ferien.

Die Nationalparks freuen sich neben einem Besuch auch über Spenden und die aktive Mithilfe bei Renaturierungsarbeiten.

Nachfolgend gibt es eine Übersicht der Gebiete jeweils mit einer Kurzbeschreibung. Mehr Informationen zu unserem Naturkapital ist unter wildnis-in-deutschland.de zu finden.

 

Königsbrücker Heide

Hier entsteht wieder Wildnis auf mehr als 75 Prozent der knapp 7.000 ha Schutzgebietsfläche – vom Rohboden, den einst Panzer schufen, über Silbergrasflure und Trockene Heiden geht die Entwicklung hin zu bodensauren Eichen-Kiefern-Wäldern. Weichholzauen und Bruchwälder begleiten die mehr als 100 km langen Fließgewässer. Etwa 45 Biberfamilien schaffen Wildnis pur. Eine Besonderheit ist der direkte Übergang vom durch Grauwacke geprägten Hügelland zum altpleistozänen Tiefland.

 

Wanninchen

Nach jahrzehntelangem Raubbau an der Natur entwickeln sich in ehemaligen Braunkohleabbaugebieten im Süden Brandenburgs einzigartige, großflächige und unzerschnittene Naturparadiese. Die Heinz Sielmann Stiftung erwarb mehr als 3.100 ha dieser Bergbaufolgelandschaft im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Neben der langfristigen Sicherung für den Naturschutz, besteht die große Herausforderung in der Forderung von Naturschutzinteressen bei der bergrechtlich geforderten Wiedernutzbarmachung.

 

Eifel

Bemerkenswert im Nationalpark Eifel sind die ausgedehnten, durch Buche und Trauben-Eiche geprägten Laubwälder. Auch Schluchtwälder mit Sommer-Linde, Berg-Ahorn und Berg-Ulme sowie zahlreiche Bachtäler mit Erlen-Eschen-Auwäldern zählen zur natürlichen Waldlandschaft des Nationalparks. Zudem ist der Nationalpark Eifel Teil der größten zusammenhängenden Wildkatzenpopulation Europas, die sich hier ohne Wiederansiedlung erhalten hat, und seit 2014 als Sternenpark mit Erlebnisangeboten zum nächtlichen Sternenhimmel qualifiziert.

 

Harz

Der Park schützt und entwickelt länderübergreifend in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt eine Mittelgebirgslandschaft mit Wäldern, Mooren, Fließgewässern, zahlreichen weiteren Lebensräumen und über 7.000 Tier- und Pflanzenarten, von denen viele vom Aussterben bedroht sind. Der Nationalpark ist größtenteils als Natura 2000-Gebiet (FFH- und Vogelschutzgebiet) ausgewiesen und spielt eine wichtige Rolle bei der nachhaltigen Regionalentwicklung des Harzes. Er ist eingebettet in die Harzer Naturparke.

 

Bayrischen Wald

Den Nationalpark prägen Wälder, die sich unbeeinflusst und frei entwickeln dürfen, die uns Vergänglichkeit, Schaffenskraft und Eigenständigkeit der Natur immer wieder neu und überraschend vor Augen führen.

Inspirierte die unverfälschte wilde Natur früher Schriftsteller, Komponisten und Glaskünstler, so bietet sie heute den Erholung suchenden Menschen einen reiches und entspannendes Naturerlebnis.

 

Lieberose

Eine Vielfalt naturnaher Wald- und Gewässerlebensräume findet sich auf der Stiftungsfläche Lieberose. Wertvolle Moore und Klarwasserseen bilden zusammen mit Heiden und großen Sandflächen ein Mosaik verschiedener Landschaften. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg besitzt und betreut dort 3.150 Hektar Flächen, die Teil des größten ehemaligen Truppenübungsplatzes Ostdeutschlands sind (Gesamtfläche 25.500 Hektar).

 

Goitzsche Wildnis

Die Goitzsche-Wildnis der BUNDstiftung ist ein Mosaik unterschiedlich alter Sekundärlebensräume, innerhalb eines ehemaligen Braunkohletagebaues. Typische nasse und feuchte Habitate sind saure bis neutrale Tagebaurestseen, mit einer Größe bis 12 km², sowie ausgeprägte Verlandungsgebiete. Daneben kommen auch Trockenrasen, die sich zum Teil in Birken- bzw. Kiefernvorwälder weiterentwickelt haben, und kleinflächige Auwaldrelikte im Zentrum des ehemaligen Tagebaues, vor.

 

Sächsische Schweiz

Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist der einzige Felsen-Nationalpark in den Mittelgebirgen Deutschlands. Er umfasst zwei räumlich getrennte, charakteristische Ausschnitte des sächsischen Elbsandsteingebirges mit einer Fläche von 93,5 km2, das entspricht 0,5% der sächsischen Landesfläche. Sandstein-Felsformationen wechseln sich mit tiefen Schluchten, Bachtälern und Ebenheiten ab. Das Elbtal und markante Tafelberge auf beiden Seiten des Flusses prägen das Landschaftsbild der Region.

 

Wattenmeer

Mit seinen ausgedehnten Watt- und Meeresflächen, Inseln und Sandbänken, Salzwiesen und Stränden wurde der wilde Westen Schleswig-Holsteins 1985 Nationalpark. Das schleswig-holsteinische Wattenmeer ist Nationalpark und – ergänzt um die Halligen – Biosphärenreservat. 2009 erklärten die Vereinten Nationen das Wattenmeer zum Weltnaturerbe der Menschheit.

 

Mittlere Elbe

Die Flusslandschaft an der Mittleren Elbe zwischen Mulde- und Saalemündung ist geprägt durch die Dynamik und Gestaltungskraft ihrer Lebensader und weist im Vergleich zu anderen großen Flussauen einen relativ hohen Natürlichkeitsgrad auf. Das 9050 ha große Projektgebiet umfasst u.a. einen der letzten großen, noch weitgehend zusammenhängenden Auwälder Mitteleuropas, der sich in ein vielfältiges Mosaik aus Gewässerlebensräumen und großflächigen Auenwiesenkomplexen einbettet.

 

Tangersdorf

Mit ca. 680 Hektar ist die Stiftungsfläche Tangersdorf die kleinste der Stiftungsflächen. Sie ist jedoch in ein größeres Naturschutzgebiet eingebettet und befindet sich auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz mit einer Gesamtgröße von 6.000 Hektar. Wertvolle naturnahe Gewässer und Moore mit seltenen Insekten- und Vogelarten sind charakteristisch für die Stiftungsfläche Tangersdorf aber ebenso finden sich alte Naturwälder und Heidelandschaften. Auch diese Fläche ist als FFH- und SPA-Gebiet ausgewiesen.

 

Hainich

Der Hainich ist ein Laubwaldgebiet auf Muschelkalk im unteren Bergland (höchster Punkt 494 m). Die nährstoffreichen Böden weisen arten- und totholzreiche, alte Laubwälder mit Dominanz der Buche auf. Rund 30 % des Gebietes sind Offenlandflächen, die sich größtenteils in fortgeschrittener Sukzession zum Wald befinden. Sonderstandorte sind Trockenwälder, wassergefüllte Erdfälle im Wald sowie Kleingewässer im Offenland.

 

Hochwald-Hunsrück

Das Gebiet war immer schon ein Rückzugsraum für die Natur. Es ist eine der wenigen vom Bundesamt für Naturschutz beschriebenen Hot-Spot-Regionen der biologischen Vielfalt in Deutschland. Gleichzeitig ist es geprägt von kulturhistorischen Highlights mit vielen keltisch/römischen Befestigungsanlagen.

 

Hohe Schrecke

Die Hohe Schrecke ist ein rund 7.350 Hektar großes nahezu unzerschnittenes Waldgebiet am Nordrand des Thüringer Beckens. Große Teile wurden zwischen 1938 und 1993 militärisch genutzt. Im Rahmen eines von der Naturstiftung David durchgeführten Naturschutzgroßprojektes werden langfristig zwei großflächige Wildnisgebiete mit insgesamt rund 2.000 Hektar etabliert.

 

Jüterbog

Durch über 150-jährige militärische Nutzung blieb hier eine sehr große zusammenhängende Fläche unbesiedelt sowie ohne Straßen und private Nutzflächen erhalten. Die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Fläche bildet die südliche Spitze des Naturparks Nuthe-Nieplitz. Auf über 80% des Areals finden bereits keine Eingriffe mehr statt. Die landschaftliche Vielfalt reicht von Sanddünen, Heide und Pionierwäldern im zentralen Bereich bis hin zu Feuchtgebieten und älteren Wäldern in den Randlagen.

 

Schwarzwald

Wald-Nationalpark mit Bergmischwäldern, Mooren, Grinden und Karseen und ihrer charakteristischen Zusammensetzung aus Flora und Fauna. Heute dominieren Fichten-Tannen-Buchenwälder die Kulisse, wobei die Fichte durch Aufforstungen in der Geschichte die häufigste Baumart ist. Gleichzeitig hat der Nationalpark Schwarzwald aber den höchsten Tannenanteil aller Nationalparks in Deutschland. Eine Besonderheit sind auch die historischen Weideflächen (Grinden) in den Hochlagen. Ein Großteil der Fläche ist Teil des europäischen NATURA-2000-Schutzgebietsnetzwerkes.

 

Heidehof

Die Stiftungsfläche Heidehof ist nur ein paar Kilometer von der Stiftungsfläche Jüterbog entfernt und Teil eines noch größeren ehemaligen Truppenübungsplatzes mit einer Gesamtfläche von 12.000 Hektar. Die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg besitzt dort 1.800 Hektar. Eine Teilfläche ist Windeignungsgebiet und wird für einen begrenzten Zeitraum als Windpark genutzt, 1.400 Hektar sind bereits in Wildnisentwicklung. Die Fläche hat z.T. FFH- und SPA-Status und ist in Teilen als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

 

Einige Impressionen der Wildnisgebiete

Der Film


Bilder: ZGF | Daniel Rosengren

Abbildungen: ZGF

Text der Kurzbeschreibungen: ZGF

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