Lebensweise

Alternativen zum Plastik-Strohhalm: Ein Vergleich

Gast
Geschrieben von Gast

Rund 40 Milliarden Plastik-Strohhalme verbrauchen wir in Deutschland pro Jahr. In der Cola, im Cocktail oder in der Eisschokolade – die Einweg-Trinkhalme sind zwar nur kleine Röhrchen, aber sie fallen bei der Öko-Bilanz ins Gewicht: Würde jeder von uns auf die Plastikhalme verzichten, könnten wir allein dadurch 25.000 Tonnen Plastikmüll im Jahr einsparen und 3.750 Tonnen CO2, die bei der Entsorgung durch Verbrennung entstehen. Trotzdem ist es nicht immer möglich, komplett auf Strohhalme zu verzichten. Deshalb stellt sich die Frage: Gibt es Alternativen? Ja! Nämlich wiederverwendbare Trinkhalme aus unterschiedlichen Materialien wie Bambus, Silikon, Edelstahl oder Glas – und auch wiederum Plastik. Einen Vergleich der Trinkhalme hat David Glaser von HALM zusammengestellt.

Wiederverwendbare Plastik-Strohhalme

Ökologisch ist der wiederverwendbare Plastik-Trinkhalm dem Einweg-Produkt natürlich vorzuziehen. Trotzdem ist Plastik als Material nicht unbedenklich. Plastik wird aus Erdöl hergestellt, einem immer knapper werdenden Rohstoff mit bedenklichen Folgen für das Klima. Bei der Verarbeitung werden Zusatzstoffe zugesetzt, z. B. Weichmacher, Stabilisatoren, Flammschutzmittel und Füllstoffe. Diese sind zum Teil gesundheitsbedenklich, können sich aus dem Plastik lösen und vom menschlichen Körper aufgenommen werden. Immerhin nimmt man den Strohhalm ja auch in den Mund. Bei der Entsorgung ist zu sagen, dass die meisten dieser Trinkhalme zwar theoretisch recyclebar sind, aber durch das duale Entsorgungssystem in Deutschland in den meisten Kommunen leider über den Restmüll entsorgt werden müssen, weil nur Verpackungen mit dem grünen Punkt in den gelben Sack bzw. die gelbe Tonne dürfen.

Vorteile des Plastik-Trinkhalms:
Häufig in lustigen Farben und mit Mustern erhältlich

Bruchsicher

Preisgünstig

Nachteile des Plastik-Trinkhalms:
Aus Erdöl hergestellt

Enthält gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie z.B. BPA

Nicht geschmacksneutral, “schmeckt nach Plastik”

Muss in den meisten Kommunen über den Restmüll entsorgt werden

Zum Teil nicht spülmaschinenfest

Bambus-Strohhalme

Bambus ist ein sehr schönes Naturmaterial und eine der Pflanzen, die am schnellsten nachwachsen. Bambus wirkt von Natur aus antibakteriell und ist selbstverständlich kompostierbar. Man könnte den alten Trinkhalm also sogar bedenkenlos im eigenen Garten verbuddeln. Bambus-Strohhalme geben aber einen sehr deutlichen Eigengeschmack ab. In der Gastronomie darf Bambus (wie auch Holz) nicht verwendet werden – außer natürlich zur Dekoration. Im eigenen Haushalt ist das kein Problem. Allerdings ist die Reinigung nicht ganz einfach, weil immer ein bisschen was in den Strohhalm einzieht und man manchmal schwer erkennen kann, ob der Bambus-Trinkhalm innen auch sauber geworden ist. Je nach Gebrauch kann die Lebensdauer aus hygienischen Gründen zwischen sechs Monaten und wenigen Jahren schwanken.

Vorteile:
 Naturmaterial

 Natürliche antibakterielle Wirkung

 Bruchsicher

 Biologisch abbaubar bzw. kann über den Biomüll entsorgt werden

Nachteile:
Die kürzeste Lebensdauer im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Optionen

Nicht geschmacksneutral, schmeckt stark nach Bambus

Schwerer zu reinigen, nicht spülmaschinengeeignet

Verfärbt sich recht schnell durch die Getränke

Strohhalme aus Silikon

Silikon-Strohhalme sind weich und biegsam. Das kann mitunter etwas gewöhnungsbedürftig sein, ist aber gerade für Kleinkinder ein Vorteil. Allerdings kann Silikon als Kunststoff auch BPA enthalten. Die Reinigung ist mitunter auch etwas schwierig, weil Silikon sich statisch aufladen kann und deshalb Staub anzieht, der schlecht wieder abgeht. Gerade deshalb sind Silikon-Trinkhalme auch für die Gastronomie nicht geeignet. Silikon ist biologisch nicht abbaubar und wird nur sehr selten recycelt, weil die Infrastruktur dafür fehlt. Die meisten Kommunen regeln die Entsorgung über den Restmüll oder die Abgabe beim Wertstoffhof.

Vorteile:
 Häufig in lustigen Farben und Mustern erhältlich

 Bruchsicher

 Kann zum Mitnehmen einfach geknickt oder geknautscht werden

Nachteile:
Nicht ganz geschmacksneutral

Etwas gewöhnungsbedürftige Konsistenz

Kann wie auch Plastik BPA enthalten

Silikon zieht Staub an und lässt sich auch in der Spülmaschine oftmals nur schwer reinigen

Silikon ist nicht biologisch abbaubar

Wird in der Regel nicht recycelt

Strohhalme aus Edelstahl

Strohhalme aus Metall bzw. Edelstahl halten wirklich ein Leben lang – es sei denn natürlich, man verliert sie. Sie sind bruchsicher, spülmaschinenfest, BPA-frei und können, falls nötig, problemlos recycelt werden. Sie sind zwar nicht komplett geschmacksneutral, aber sehr viel dezenter als ihre Kollegen aus Plastik, Bambus oder Silikon. Für die Gastronomie sind Trinkhalme aus Edelstahl grundsätzlich gut geeignet, da die Halme durch Hitze sterilisiert werden können. Dennoch ist es leider etwas schwierig zu sehen, ob die wiederverwendbaren Strohhalme innen auch wirklich sauber sind.

Vorteile:
 Hat die längste Lebensdauer im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Optionen, hält ein Leben lang

 Spülmaschinenfest

 Bruchsicher

 BPA-frei

 Kann problemlos recycelt werden

Nachteile:
Nicht geschmacksneutral, aber man schmeckt weniger raus im Vergleich zu Plastik-, Bambus- und Silikonstrohhalmen

Glas-Strohhalme

Strohhalme aus Glas sind die einzig wirkliche geschmacksneutrale Option in dieser Liste. Ein Glasstrohhalm im Kindermund? Es gibt diese Trinkhalme aus gehärtetem bruchfesten Glas, das 1,5 mm dick ist und in der Regel härter als ein normales Trinkglas. Wie Erwachsene auch merken Kinder, dass sie etwas Hartes und Glattes im Mund haben und kauen nicht darauf herum, wie z. B. beim Plastik-Strohhalm. Trotzdem kann natürlich der Glas-Trinkhalm auf einem Fließenboden mal kaputt gehen. Die Angst vor dem Hantieren mit Glas ist aber in etwa so risikoreich wie das Hantieren mit einem Trinkglas. Diese Trinkhalme sind umweltfreundlich, gesundheitlich absolut unbedenklich und sehr hygienisch, weil Glas eine sehr glatte Oberfläche hat und damit auch in der Spülmaschine sauber wird. Auch kann man einfach sehen, ob der Halm innen ebenfalls sauber geworden ist. Glas-Halme sind auch für die Gastronomie geeignet. Und sie lassen sich ohne Qualitätsverlust über den Glasmüll entsorgen und recyceln.

Vorteile:
 Spülmaschinenfest

 BPA-frei

 Absolut geschmacksneutral

 Die hygienischste Option im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Optionen

 Kann problemlos über den Glasmüll ohne Qualitätsverlust recycelt werden

Nachteile:
Bruchfest, aber nicht bruchsicher

Auf Strohhalme verzichten

In vielen Fällen kann man auch einfach ganz auf Strohhalme verzichten, indem man sich selbst einfach gar keinen nimmt oder den Kellner darauf hinweist.

Tipps, um Plastik zu vermeiden, findet ihr auch in diesem Artikel.

 

Quellen:

Glaser, David (o. J.): Wiederverwendbare Strohhalme im Vergleich.
Schreckenbach/Volland (2016): Dein Weg zur Nachhaltigkeit.

Artikelbild: Pixabay.com

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