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Warum es der Erde egal ist, ob wir sie retten

Leena
Geschrieben von Leena

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Artensterben, Wasserknappheit – das sind die größten Umweltprobleme unserer Zeit. Das ist nichts Neues. Das Wissen und die Fakten darüber sind da, durch wissenschaftliche Berichte gestützt, durch die Medien verbreitet. „Wir müssen handeln! Wir müssen die Erde retten!“ heißt es dann. Vor dem geistigen Auge des Lesers steht ein Eisbär auf einer verlassenen Eischolle und ein „Öko“ kettet sich an die Gleise, um einen Castortransport zu stoppen..

Quelle: NASA Earth Observatory

Ehrlich gesprochen: Der Erde ist es egal, ob wir sie retten. Sie muss nicht gerettet werden. Seit rund 4,6 Milliarden Jahren bewegt sich dieser Planet durch den Weltraum. Vor rund 3,5 Milliarden Jahren tauchen die ersten Fossilien auf, die ein Leben auf der Erde beweisen. Vor 420 Millionen Jahren besiedeln erste Fische die Meere, die ersten echten Säugetiere entwickeln sich vor rund 195 Millionen Jahren. Der Mensch macht in dieser Zeitleiste nicht mehr als nur einen kurzen Wimpernschlag aus. Sein Fußabdruck auf dem Planeten ist jedoch eindeutig.

Der Erde ist das dennoch egal. Die Natur findet ihren Weg. Es ist ein langsamer Prozess, aber über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg werden sich Pflanzen und Tiere anpassen. Wer es nicht schafft, sich an übersäuerten Böden, extremen Klima und verschmutztem Wasser anzupassen, stirbt aus. Der Planet wird sich dennoch weiter drehen.

Die Erde hat kein Umweltproblem, der Mensch hat es.

Der Mensch muss sich ändern, oder er wird geändert werden. Wenn wir also sagen „Wir müssen die Erde retten“ meinen wir eigentlich: „Wir müssen uns retten.“ Es ist eigentlich ein rein egoistisches Vorgehen, wenn man sich einer nachhaltigen Lebensweise verschreibt. Wir leben über unsere Verhältnisse. Und wenn es dann heißt „Wir müssen etwas tun“ wird fleißig genickt und zu wenig getan. Warum? Meiner Meinung nach ist das globale Umweltproblem vielen Menschen zu abstrakt, zu groß, zu komplex. Und zu weit vom alltäglichen Leben entfernt, hier, in unserer Ersten Welt. Bei Diskussionen über Nachhaltigkeit habe ich schon öfter den Satz gehört: Ich als einzelner kann doch nicht die Erde retten. Dabei sind wir längst Teil des globalen Handelns, durch unseren Konsum und Verbrauch.

Die Krise ist unvermeintlich, die Frage ist jetzt, wie wir damit umgehen, sagt der Schriftsteller und Aktivist Paul Gilding. Und weiter: Stellen wir uns vor, was mit der Wirtschaft passiert, wenn die Kohlenstoffblase platzt. Wenn die Finanzmärkte feststellen, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, die Klimaentwicklung noch zu kontrollieren und die Kohle- und Ölindustrie am Ende sind. Wenn China, Pakistan und Indien in den Krieg ziehen, weil die Klimafolgen Konflikte über Wasser und Nahrungsmittel verursachen. Stellen wir uns den mittleren Osten ohne Öl-Einkommen vor, dafür aber mit zusammenbrechenden Regierungen. Wenn die globale Wirtschaft von Furcht und Unsicherheit ergriffen wird. „Stellen Sie sich vor, was das für Sie bedeutet. Für Ihre Familie, Ihre Freunde, Ihr persönliches Leben und Ihre Sicherheit“, fordert Gilding auf.

We should feel a bit of fear. We are in danger, all of us. And we’ve evolved to respond to danger with fear to motivate a powerful response. To help us bravely face the threat. But his time it’s not a tiger at the cavemouth. You can’t see the danger at your door. But if you look you can see the danger at the door of your civilization.

Paul Gilding (TED Talk)

 

 

Artikelbild: picjumbo.com

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