Natur

Von wegen „Wie Sand am Meer“ – warum Sand knapp wird

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Geschrieben von Gast

Gastbeitrag von Maike Radermacher von trademachines

Was ist die nach Wasser am meisten verbrauchte Ressource? Für viele ist es neu: Sand. Da Sand ein essentieller Bestandteil von Beton ist, verschluckt die Bauindustrie überall auf dem Globus enorme Mengen dieser unscheinbaren Ressource. Da die kleinen Körnchen so wertvoll geworden sind, boomt zudem der illegale Handel. Dies verstärkt die negativen Umweltauswirkungen des Sandabbaus.

Der Sandabbau ist ein Milliardengeschäft – mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt. Erstmals wies eine Studie der UNEP im Jahre 2014 auf die Tatsache hin, dass Sand immer knapper wird. Das moderne Leben der Industriestaaten ist auf Sand gebaut. Allein jeder Deutsche verbraucht im Schnitt pro Jahr 2,9 Tonnen Sand – davon stecken etwa 80% in den Häusern, in denen wir wohnen, und den Straßen, auf denen wir fahren. Der Rest steckt in Glas, Computerchips, Solarzellen, Putzmittel oder sogar Pflanzendünger.

Auf der Rangliste des Pro Kopf Sandverbrauch liegt der Inselstaat Singapur: Hier verbraucht im Schnitt jeder Einwohner jährlich 5,4 Tonnen Sand. Singapur platzt aus allen Nähten: In einem halben Jahrhundert hat sich die Zahl ihrer Einwohner auf 5,5 Millionen verdreifacht und ihr Gebiet um 20% vergrößert. Bis 2030 möchte die Insel um weitere 100 km2 wachsen. Für Landgewinnung und Bauprojekte benötigt Singapur Unmengen an Sand. Dieser wird – hauptsächlich illegal – aus den Nachbarländern importiert. In einer Region mit allgegenwärtigen weißen Sandstränden verschwinden ganze Inseln und Küstenlinien, wo städtische Entwicklung dort entsteht, wo eins nur Wasser war. 24 indonesische Inseln sind bereits verschwunden, weltweit sind 75 bis 90% aller Strände auf dem Rückzug.

Industrie und Forscher überlegen inzwischen, wie man sich vom Sand unabhängiger machen kann (siehe Süddeutsche). Da Glas zum größten Teil aus Sand besteht, haben die beim Zerkleinern von Altglas entstehenden Partikel ähnliche Eigenschaften wie der ursprüngliche Sand und können sich somit ebenfalls zu Beton verarbeiten lassen. In Deutschlang gibt es große Mengen an Glasabfällen, von denen nur circa 30 Prozente sinnvoll recycelt werden. Aus dem Rest könnten dementsprechend das Material gewonnen werden, dass sich zur Herstellung von Beton eignet.

Ein anderer Ansatz ist Recyclingbeton. Bislang machen Recycling-Baustoffe bei einem Neubau nur rund ein Zehntel aus. Das liegt daran, dass angeblich nicht mehr Bauschutt zur Aufbereitet verfügbar ist. Ein weiteres Hindernis kommt hierbei dazu: Architekten planen immer höhere und filigranere Konstruktionen, wofür ein besonders fester Beton nötig ist. Diese Sicherheit kann Recycling-Beton derzeit (leider) noch nicht garantieren. Auch an der TU Wien wird an Alternativen geforscht. Hier wird untersucht, welchen Belastungen ursprüngliche Rohstoffe wie Lehm oder erneuerbare Baumaterialien wie Holz gewachsen sind.

Abgesehen davon, dass vielversprechende Alternativen nötig sind, kann auch jeder Einzelne in seinem täglichen Verhalten Energie einsparen. Weniger Auto fahren führt beispielsweise dazu, dass weniger Straßen gebaut und gewartet werden. 30.000 Tonnen Sand wird für einen Kilometer Autobahn benötigt. Außerdem wird Sand teilweise beim Fracking zur Erdölgewinnung eingesetzt. Ferner sollten wir mit unseren Gebrauchsgegenständen sorgsam umgehen und besser reparieren statt neu kaufen.  Für das eigene Heim gilt: Die Wohnfläche begrenzen und sanieren statt neu bauen.

Nachfolgend zeigt eine Infografik noch weitere Details rund um das Thema Sand auf.

 

Grafiken: trademachines

Artikelbild: Evan Kirby on Unsplash

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