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Wie die Zukunft der Wälder mit dem Papierverbrauch zusammenhängt

Leena
Geschrieben von Leena

Zeitungen, Verpackungen, Toilettenpapier, Küchentücher, Geschenkpapier: Rund 19 Millionen Tonnen Papier verbrauchen wir Deutschen jährlich. Das ist mehr, als alle Menschen in Afrika und Südamerika zusammen verwenden. Dies ist auch ein Treiber für die starke Abholzung der Wälder.

Laut einer Studie der „Association for Information and Image Management“ und nach Aussagen des WWF steigt der Papierbedarf sogar noch weiter an – und das trotz bzw. gerade wegen des Computerzeitalters. Das nämlich fördert den Papierverbrauch, denn der Versandhandel boomt und die Artikel werden reichlich in Kartons und Papier verpackt: 7,7 Millionen Tonnen kommen so jährlich zusammen. Auch der beliebte „Kaffee to Go“ schlägt sich in der Bilanz deutlich nieder – mit rund sechs Milliarden Pappbechern. Und würde man alle DIN A 4-Blätter, die in Deutschland pro Jahr verwendet werden, auf einen Güterzug laden, hätte der eine Länge von 600 Kilometern.

Kurz und knapp – die Fakten zum Papierverbrauch:

  • Deutschland ist der viertgrößte Papierproduzent der Welt nach den USA, China und Japan.
  • Deutschland ist der zweitgrößte Papierimporteur und der zweitgrößte Zellstoffimporteur der Welt nach den USA. Lieferanten sind Finnland und Schweden, aber auch Länder wie Russland, Brasilien und Indonesien, in denen auch Urwälder zur Holzgewinnung geschlagen werden.
  • Der Pro-Kopf-Verbrauch steigt kontinuierlich: Jeder Deutsche verbraucht im Jahr 244 Kilo Papier, Pappe oder Karton. 1975 war es nicht einmal die Hälfte.
  • Kaum ein Land sammelt mehr Altpapier als Deutschland.

Vor allem die Industriestaaten konsumieren viel Papier. Das Holz dafür kommt aus Wäldern rund um den Globus. Fast jeder zweite industriell geschlagene Baum fällt für die Papierproduktion. Laut dem Worldwatch Institute stammen etwa 17 Prozent aus Urwäldern.

Problematisch ist die Papierproduktion deshalb, weil die Baumplantagen zur Holzgewinnung meist nicht umweltfreundlich sind. Sie verbrauchen große Flächen Land, zudem werden oft Monokulturen angepflanzt, die die Böden auslaugen und mehr Pestizide und Düngereinsatz notwendig machen. Daneben verbraucht die Papierproduktion auch viel Wasser und Energie: Um 100 kg Papier aus Holz zu erhalten, braucht es 110 kg CO2, 300 kg Holz, 5000 Liter Wasser und 1.000 Kilowattstunden Energie. Recyclingpapier ist dagegen deutlich umweltschonender: Es setzt 90 kg CO2 frei, braucht 110 kg Altpapier, 2.000 Liter Wasser und 400 Kilowattstunden Energie. Die Zukunft der Wälder hängt mit dem Papierverbrauch zusammen!

Wie können wir aktiv nachhaltiger handeln und den Papierverbrauch reduzieren?

Im Büro:

  • Recyclingpapier verwenden: bei Druck- und Kopierpapier, bei Toilettenpapier oder Küchenrolle. Hier auf das Blauer-Engel-Siegel achten.
  • Dünneres Papier verwenden: 65 Gramm statt 80 Gramm.
  • Auf das FSC-Logo achten: Das internationale Siegel zertifiziert Frischfaserpapiere und stellt sicher, dass das Produkt aus Wäldern stammt, die nach anspruchsvollen ökologischen und sozialen Standards bewirtschaftet werden.
  • Druckgewohnheiten ändern: Nur wirklich wichtige Texte ausdrucken und nicht etwa solche, die nur ein einziges Mal gelesen werden. Dokumente am Bildschirm korrigieren und in der Druckvorschau vor dem Drucken überprüfen. Beidseitiges Bedrucken bzw. Kopieren halbiert den Papierverbrauch. Kopien oder Ausdrucke nicht im Voraus auf Verdacht machen, sondern stets nach Bedarf.
  • Kopiervorlagen sollten überprüft und optimiert werden.
  • Dokumente sollten nur einmal abgelegt und ggf. durch Querverweise organisiert werden.
  • Papier mehrfach nutzen: Alte, einseitige Ausdrucke können als Schmierpapier oder Notizzettel weiterverwendet werden.
  • Papierlose Meetings: Info-Material muss nicht für jeden Teilnehmer ausgedruckt werden. Das Material kann vorher als PDF oder PowerPoint zugeschickt und während des Meetings auf Laptops, Tablets oder Smartphones eingesehen werden.
  • Zeitungs- oder Zeitschriftenabos können mit Kollegen im Lesezirkel ausgetauscht werden.
  • Überflüssige Kataloge abbestellen.
  • Kaffeefilter können durch Dauerfilter aus Metall („Goldfilter“) oder Baumwollfilter aus dem Teehaus ersetzt werden.
  • Waschbare Küchentücher ersetzen die Küchenrolle.
  • Bewusstsein fürs Papiersparen schaffen, etwa durch zusätzliche Hinweise in Mails, vor Meetings oder beim nächsten Team-Event.
  • Keine Notizzettel /PostIts nutzen, sondern einmalig ein Blatt laminieren und mit einem abwischbaren Folienstift darauf schreiben. So hält das eine Blatt viele Jahre lang. Hier ein Bild zur Veranschaulichung. Danke an Matthias für den tollen Tipp.

Zu Hause:

  • Weniger online bestellen: Warum nicht einfach mit dem Rad in die Stadt fahren und dort einkaufen?
  • Kreativ Weiterverwenden: Bunt bemaltes Zeitungspapier ist ein perfektes Geschenkpapier.
  • Getränkekartons verbrauchen unnötig Papier und sind schwer zu recyceln. Besser Mehrwegflaschen kaufen.
  • Auf wiederverwendbare Alternativen ausweichen: Brotdosen statt Papiertüten, Kaffeetassen statt Pappbecher.
  • Stoff statt Papier 1: Zehn waschbare Stofftaschentücher ersetzen rund 3000 Papiertaschentücher pro Jahr. Sie genügen – es sei denn man ist extrem erkältet.
  • Stoff statt Papier 2: Statt Wegwerfwindeln können waschbare Stoffwindeln verwendet werden. 50 Stoffwindeln vermeiden pro Jahr rund 4600 Wegwerfwindeln.
  • Imbissbuden bzw. Fastfood-Ketten vermeiden, die Wegwerfverpackungen verwenden.
  • Weniger Papierhandtücher in öffentlichen Toiletten verwenden: Wer die Hände nach dem Händewaschen gut ausschüttelt, kommt problemlos mit einem einzigen Papierhandtuch aus.

 

Artikelbild: picjumbo.com

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2 Kommentare

  • Danke für die interessante Erklärung!

    Leider ist ja immer noch die Meinung verbreitet, Papierverpackung sei stets der Plastikverpackung vorzuziehen. Das Wuppertal Institut ist da anderer Meinung und verweist auf eigene Untersuchungen. Demnach ist die Nutzung einer Platiktüte mit weniger Ressourcenverbrauch verbunden.

    Schade auch der Trend zu neuwertigem Toilettenpapier aus Frischfasern. Es gibt heute kaum noch Recycling Toilettenpapier und wenn dann ist es auch schon 3 oder 4 lagig.
    Nach meinem Dafürhalten tut es auch 2 lagiges Toilettenpapier.
    Mein Prognose ist aber, dass wir bald schon 4 lagig als Standard haben werden. Ein gleicher Trend ist bei Rasierklingen auszumachen. Dort sind wir mittlweile bei 5 Klingen angelangt und es wird noch weiter gehen…

    • Ich habe neulich im Supermarkt (Vollsortimenter) vergeblich nach Taschentüchern aus Recyclingpapier gesucht. Fand ich sehr schade, dass es das nicht gab. Das sollte eigentlich Standard sein… Recycling-Toilettenpapier gab es, aber keine Taschentücher.