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Handbuch Nachhaltigkeit (Folge 2): Grenzen von Wirtschaftswachstum & Ressourcenverbrauch

Leena
Geschrieben von Leena

In der ersten Folge unserer Serie „Handbuch Nachhaltigkeit“ haben wir den Begriff Nachhaltigkeit und seine methodischen Hintergründe geklärt und das Drei-Säulen-Modell vorgestellt. Wie aber sieht es heute aus, über 25 Jahre nach dem Bundtland-Bericht der Vereinten Nationen aus? Der Blick auf die Tatsachen ist erschreckend. Das Wirtschaftswachstum stößt an sein ökonomisches Limit und der Ressourcenverbrauch ist exorbitant.

 

10 Dimensionen der UmweltverschmutzungGrafik 1 stellt zehn Umweltdimensionen dar, die sich im weltweiten dynamischen System alle gegenseitig beeinflussen (Rockström et al./2009, S. 472). Bei drei Umweltdimensionen sind die Grenzwerte bereits drastisch überschritten: beim Klimawandel, dem Stickstoffkreislauf und dem Schwund der Biodiversität (d. h. die Vielfalt innerhalb und zwischen den Arten sowie der Ökosysteme). Zwar wurden die Werte der atmosphärischen Aerosol-Belastung und der chemischen Verschmutzung bislang noch nicht beziffert, doch es ist offensichtlich, dass diese nicht rosig ausfallen werden. Über die Umweltdimensionen haben wir bereits in einem früheren Artikel berichtet.

 

All dies macht deutlich: Das weltweite Wirtschaften darf nicht auf vermeintlich unbegrenzter Ressourcen-Verfügbarkeit basieren. Denn sowohl Ressourcen als auch die Belastungsgrenzen sind endlich.

 

Die Beweise für die Endlichkeit der Ressourcen sind zahlreich und wissenschaftlich fundiert belegt. Das „Oil Peak“, also der Höchststand der globalen Ölförderung, wurde bereits 2006 erreicht. Im vergangenen Jahr waren die natürlichen Ressourcen für 2013 bereits am 20. August erschöpft: In Bezug auf landwirtschaftliche Früchte, Fische, Holz und CO2-Speicherung in der Biosphäre lebte die Welt den Rest des Jahres auf „Pump“. (vgl. WWF 2013: Online). „Lebt die Menschheit weiter wie bisher, benötigen wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Bis zum Jahr 2050 wären es knapp drei“ (WWF 2012: Online), sind die Erkenntnisse aus dem WWF Living Planet Report 2012.

Ursachen des zu hohen Ressourcenverbrauchs

 

Wesentliche Treiber des zu hohen Ressourcenverbrauchs sind das globale Wirtschaftswachstum und der weltweite Bevölkerungszuwachs. Die Folgen haben spürbare Effekte, die sich nicht nur ökologisch durch die Umweltbelastung, sondern auch auf ökonomischer und sozialer Ebene manifestieren: Für Unternehmen erfordert die Endlichkeit der Ressourcen, auf Alternativen auszuweichen.

 

Einerseits geschieht dies durch die Ausweitung der Gewinnungsmethoden. In Bezug auf die Erdölgewinnung geschieht dies bspw. durch Bohrungen in neuen Gebieten (etwa der Arktis) oder durch die Förderung von Ölsand, der im Tagebau gewonnen und in mehreren Schritten zu synthetischem Rohöl aufbereitet wird. Diese Ausweitung der Gewinnungsmethoden führt – bedingt durch höheren Aufwand und Flächenexpansion – zu einem Preisanstieg des Rohstoffes selbst und zudem zu einer höheren Umweltbelastung und im Falle von Bohrungen in der Arktis zu unabsehbaren Risiken der Umwelt. Daraus wiederum ergeben sich auf sozialer Ebene für die Menschen der betroffenen Gesellschaften steigende Belastungen, etwa durch Arbeits- und Lebensbedingungen in Billiglohnländern.

 

Andererseits verursacht die Endlichkeit der Ressourcen eine politische und wirtschaftliche Machtverschiebung durch (regionale) Knappheit. Mitspracherechte und Machteinflüsse der Ressourcenbesitzer steigen, während die verarbeitenden Unternehmen immer stärker in Abhängigkeit gedrängt werden. Für diejenigen, die selbst über keine Ressourcen verfügen und damit auf deren Ankauf angewiesen sind, entsteht eine Versorgungsunsicherheit, ob der Rohstoff in höherer Anzahl überhaupt noch erhältlich sein wird. Die Konsequenz dieser Unsicherheit führt zu einem Preisanstieg auf Ressourcenebene und damit verbunden auch auf Produktebene.

 

Können beispielsweise durch andauernde Dürreperioden in den U.S.A. nicht die geforderten Weizenmengen produziert werden, entsteht eine Versorgungsunsicherheit, die sich zunächst auf den Getreidepreis und später auf das Endprodukt, z. B. den Burger, auswirkt. Der globale Effekt des Gesamtsystems hat damit in seinem Prozess auch den Endverbraucher erreicht. Unsere Grafik 2 stellt die beschriebenen Auswirkungen und Zusammenhänge des Ressourcen-Effektes schematisch dar:

efeno Ressourcen Effekt

 

Das hier vorgestellte Modell des Ressourcen-Effekts ist mit seinen Auswirkungen bereits heute spürbar, etwa am Beispiel von Metallen der Seltenen Erden. Diese Rohstoffe kommen in vielen Schlüsseltechnologien zum Einsatz, z. B. in Batterien, Festplatten, Elektromotoren, MP3-Playern, Energiesparlampen, LEDs, Bildschirmen – und z. B. auch in Akkus von Elektroautos. Das Monopol auf diesen essentiellen Rohstoff hält China mit einem geschätzten Marktanteil von 97 % (vgl. Danhong 2013: Online). Strategische Exportverbote der Volksrepublik im Jahr 2011 führten zu einer realen Verknappung des Rohstoffs und trieben den Preis drastisch in die Höhe (vgl. ISE 2013: Online). Seit 2006 sind manche Seltene Erden um das Vierzigfache angestiegen. Die anhaltende, angespannte Lage schließt riskante wirtschaftliche Folgen ein, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin erklärt:

„Sollte es wegen der Abhängigkeit von China zu Lieferengpässen oder gar -ausfällen kommen, könnte die Entwicklung vieler Bereiche der heimischen Industrie behindert oder blockiert werden.“ (Hilpert/Kröger 2011: 3)

 

 

Die Problematik der staatlichen Verantwortung und der politischen Maßnahmen wollen wir an dieser Stelle nicht weiter thematisieren. Wichtiger ist vielmehr die Frage, wie Industrie und Unternehmen mit den Schwierigkeiten direkt umgehen. Preisanstiege und Versorgungsunsicherheiten erfordern von der europäischen Wirtschaft ein Umdenken hinsichtlich der Gewinnungsmethoden von Ressourcen und der Bedarfshaltung. Nur so kann die Situation entspannt und Abhängigkeiten reduziert werden. Dieses Umdenken stellt gleichzeitig durch die vorhandenen Umwelteffekte eine Herausforderung dar: Denn um Gewinnungsmethoden und Bedarfshaltung zu optimieren, ist die reine technologische Effizienz nicht ausreichend. Am Beispiel der Seltenen Erden wurde bereits deutlich, dass trotz einer effektiven, outputorientierten Produktionsform dennoch eine extreme Abhängigkeit in Bezug auf das rohstofffördernde China unvermeidbar ist. Stattdessen gilt es also, den absoluten Ressourceneinsatz zu reduzieren.

 

Das führt uns zum Thema der Effizienz und Suffizienz, dem wir uns im „Handbuch Nachhaltigkeit (Folge 3)“ widmen. Wer bis dahin schon einmal etwas informieren möchte, kann unser Interview mit den Buchautoren Angelika Zahrnt und Uwe Scheidewind zum Thema Suffizienzpolitik lesen.

 

 

Über die Serie „Handbuch Nachhaltigkeit: Die gute Absicht praktisch umsetzen“:

Schon lange beschäftigen wir uns privat wie beruflich mit Nachhaltigkeit. Durch die Erfahrungen und die Arbeit mit efeno ist uns klar geworden, dass es für Unternehmen oft schwierig ist, die gute Absicht praktisch umzusetzen. Wir haben deshalb einen Leitfaden entwickelt, der als Werkzeug für nachhaltiges Handeln dienen soll und den wir hier als Serie veröffentlichen.

 

Im „Handbuch Nachhaltigkeit“ sind bisher erschienen:

Das Nachhaltigkeitshandbuch – Die gute Absicht praktisch umsetzen (Serienstart)

Handbuch Nachhaltigkeit (Folge 1): Definition und Bedeutung

 

Quellen:

Danhong, Zhang (2013): INTERVIEW: Bütikofer: China wird zum Importeur Seltener Erden. In: http://www.dw.de/b%C3%BCtikofer-china-wird-zum-importeur-seltener-erden/a-16557133

Hilpert, Hanns Günther / Kröger, Antje Elisabeth (2011): „Chinesisches Monopol bei Seltenen Erden: Risiko für die Hochtechnologie“. In: DIW Wochenbericht Nr. 19/2011. Berlin: USE gGmBH.

ISE, Institut für Seltene Erden und Metalle e. V. (2013): 70% aller Firmen aus dem bereich der Seltenen Erden kämpfen mit der Insolvenz. In: http://www.pressebox.de/pressemitteilung/institut-fuer-seltene-erden-und-metalle-e-v/70-aller-Firmen-aus-dem-Bereich-der-Seltenen-Erden-kaempfen-mit-der-Insolvenz/boxid/580038

Paech, N. (2009): „Die Postwachstumsökonomie – ein Vademecum.“ In: Zeitschrift für Sozialökonomie (ZfSÖ) Jg. 46/160-161, S. 28-31.

Schneidewind, Uwe / Palzkill-Vorbeck, Alexandra (2011): Suffizienz als Business Case. Nachhaltiges Ressourcenmanagement als Gegenstand einer transdisziplinären Betriebswirtschaftslehre. Wuppertal: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH.

WWF (2012): Ökologischer Fußabdruck steigt: Der Living Planet Report. In: http:// www.wwf.de/themen-projekte/biologische-vielfalt/reichtum-der-natur/der-living-planet-report/

WWF (2013): Welterschöpfungstag: Die Welt ist nicht genug. In: http://www.wwf.de/themen-projekte/biologische-vielfalt/welterschoepfungstag-die-welt-ist-nicht-genug/

 

Artikelbild: morguefile.com

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