Umdenken

Ab wann ist man ein guter Mensch?

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Florian
Geschrieben von Florian

Wir sind voller Widersprüche. Wir wollen die Welt verbessern, aber nicht – zum Wohle aller – unsere eigenen Gewohnheiten verändern und bewusster leben. Keine Einschränkungen. Kein Verzicht. Nur wenn man etwas nicht mag.

Ziemlich egoistisch. Aber Egoisten sind wir nicht. Wir gehören zu den Guten.

Was muss man denn tun, um zu den Guten zu gehören? Reicht es, nur nicht kriminell im Sinne der Gesetze zu sein?

Das wäre zu einfach. Ein guter Mensch muss schon mehr sein, als nur nicht schlecht. Mehr, als alle Gesetze einzuhalten. Und ein guter Mensch muss als mehr machen, als nur gut zu sich und der eigenen Familie zu sein.

 

Wir bezeichnen uns als hilfsbereit.
Aber wie häufig die Woche helfen wir unserer Familie und Freunden? Wie häufig helfen wir unbekannten Menschen, z.B. beim Aussteigen aus dem Bus?

Wir wollen etwas der Gesellschaft zurückgeben.
Wie genau machen wir das? Über ein Ehrenamt? Über Spenden?

Wir haben auf unseren Reisen Armut erlebt und sind bewegt von der Schere zwischen arm und reich. Daheim angekommen erzählen wir es Bekannten.
Hilft das den Armen?

Wir schätzen die Natur und sind gerne draußen spazieren, joggen, Rad fahren oder mit dem Hund Gassi.
Schützt das die Natur? Wie setzen uns für ihre Erhaltung ein?

Wir sind gegen Atom- und Kohlekraft.
Beziehen wir einen 100%-igen Ökostrom-Tarif?

Wir sind keine Wegwerfgesellschaft.
Was genau machen wir, um den Müllverbrauch zu reduzieren und wie viel sparen wir damit genau ein? 1 Plastiktüte im Monat?

Wir kaufen nur nützliche Dinge.
Nützlich für uns oder auch für das Gemeinwohl? Wie viel Rücksicht nehmen wir dabei auf die Umwelt und den Ressourcenverbrauch?

Wir sind für den Klimaschutz.
Wie sehr reduzieren wir unsere Auto-Fahrten, Flug-Reisen und unseren Fleisch-Konsum?

Wir mögen Tiere und schütteln (innerlich) den Kopf, wenn jemand nicht die Geduld aufbringt, seinen Hund in Ruhe schnüffeln zu lassen.
Wie genau verargumentieren wir den Kauf von Billig-Fleisch beim Discounter und damit die Massentierhaltung?

Wir reden mit Freunden und Bekannten über die Probleme der Welt. Teils wissen wir auch Antworten, belassen es aber dabei. Die Umsetzung muss ja gut durchdacht sein und erfolgen, wenn wir mal mehr Zeit haben.
Was haben wir damit besser gemacht?

Bin ich ein guter Mensch, nur weil ich hier auf diesem Blog über eine bewusstere Lebensweise und das Umdenken schreibe?

 

Erich Kästner bringt es auf den Punkt:

Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.

 

Das eigene Selbstverständnis ist kein Indikator dafür, ob man ein guter Mensch ist. Nur durch gute Taten zum Wohle der Gesellschaft und der Umwelt wird man zu einem guten Mensch.

Wie gut sind wir selber für die Welt?

 

Artikelbild: Unsplash, Frantzou Fleurine

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4 Kommentare

  • Gute und berechtigte Fragen. Widersprüche, die ich so oft bei Freunden, aber immer wieder auch bei mir selbst bemerke. Ich denke, wir haben verlernt, die Realität zu sehen. Schein ist in unserer Gesellschaft nunmal wichtiger als Sein. Und Öko ist ja gerade Trend oder so, deswegen kaufe ich auch nur Fairtradekaffee, den ich dann im schicken Jutebeutel mit nach Hause nehme. Nene. Es ist einfach den Mund aufzumachen, aber letztlich gilt auch, was schon Goethe gesagt hat: „Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“
    Viele Grüße

  • Die Suche nach dem Guten.

    Der Beitrag wirft richtigerweise die Frage auf, was sich eigentlich hinter dem Begriff „gut“ verbirgt – bleibt aber im Kern eine Antwort schuldig. Das ist nicht weiter tragisch, weil diese Frage sicherlich nicht in einem kurzen Blogbeitrag beantwortet werden kann. Die genannten Beispiele sind alle legitim, und meistens nachvollziehbar, aber auch unterschiedlich auslegbar. Am Ende zählt immer die Handlung. Was in diesem Beitrag aber definitiv fehlt ist die Beschreibung eines Maßstabs, an dem eine entsprechende Handlung oder ein Lebensstil bewertet werden kann. Ohne diesen Maßstab kann man nicht pauschal sagen, ob eine Handlung gut, noch vertretbar oder gesellschaftlich geächtet ist. Früher waren das verstärkt Instanzen wie Kirchen oder Staaten – heute erheben unzählige Gruppierungen Anspruch auf den Moralkompass mit dem Effekt, dass je nachdem welchen Maßstab man anlegt, eine Handlung so oder so ausgelegt werden kann (Einfaches Beispiel: SPD, Grüne, Linke und CDU werden bei der nächsten Wahlperiode die vergangenen vier Jahre völlig unterschiedlich bewerten – setzen also alle unterschiedliche Maßstäbe an. Oder das Label Bio ist einem schon zuviel, dem anderen zu wenig und ein Dritter sieht Bio pauschal als unnötig an).

    Die Quintessenz des Beitrags „Das eigene Selbstverständnis ist kein Indikator dafür, ob man ein guter Mensch ist. Nur durch gute Taten zum Wohle der Gesellschaft und der Umwelt wird man zu einem guten Mensch.“ sehe ich durchaus kritisch. Dieses Motto würde – ohne böse Absicht – auch fragwürdigen Ideologien gut stehen, weil die Erläuterung des Begriffs „gut“ fehlt. Zudem widerspricht es ein wenig dem Tenor des Blogs, wonach Veränderungen im Inneren beginnen. Ein anderer schlauer Mensch hat mal gesagt, dass „Du selbst zu der Veränderung werden musst, die Du in der Welt sehen willst“. Das würde Deiner Aussage diametral widersprechen – da bleibe ich dann doch bei Gandhi.

    Vielleicht also einen Blogbeitrag über die Maßstäbe? Und wie detailliert diese sein können und müssen?

    • Vielen Dank für Deine Gedanken. Sehr spannend.

      „Gut“ habe ich nicht im Sinne der Intensität definiert und es nicht im Kern definiert (richtig, ist ein eigener Beitrag, wenn nicht sogar eine Doktorarbeit), aber durch die Beispiele aufgezeigt, was „gut“ bedeuten kann. Das Ideologien-Beispiel finde ich unpassend – zumal man damit auch das Gandhi-Zitat kritisch hinterfragen könnte, denn was ist wenn man eine Veränderung hin zum Bösen in der Welt sehen will?! Wir sollten schon ein Vertrauen in die Menschen haben, dass sie wissen was „gut“ bedeutet. Jeder vielleicht ein wenig anders, aber das ist auch ok. Wichtig ist, dass sie danach handeln. Und hier wiedersprechen sich Dalai Lama und unser Slogan „Veränderung kommt von innen“ sowie dieser Artikel nicht: Taten sind entscheidend, nicht Worte.

      Ein Maßstab oder manchmal auch als „goldener Mittelweg“ bezeichnet ist ein eigener Beitrag. Und ein großes Thema. Völlig richtig. Nur über CO2-Emissionen zu gehen, wäre zu kurz gesprungen. Ganzheitlich(er) muss es sein, ohne Leute in Schubladen zu packen und ohne alles vorzuschreiben. Es kann ja auch nachhaltige Lebensweisen geben, an die wir gar nicht gedacht haben. Auch hier muss man sich bewusst machen, dass ein solcher „Maßstab“ – wie fast jedes Modell – mit theoretischen Extrem-Szenarien angreifbar sein wird. Ich denke da schon länger darüber nach, aber ein möglicher Ansatz ist mir noch nicht eingefallen. Wenn Du Ideen hast, freue ich mich über eine Mail von Dir. Du kannst auch gerne einen solchen Beitrag mitschreiben.