Tierschutz

Raubbau in der Tiefsee

Kilian
Geschrieben von Kilian

Die Überfischung der Meere hat sich mittlerweile zu einem folgenreichen Problem entwickelt: Weltweit haben wir über 80 Prozent der Fanggründe entweder bereits leergefischt oder ernsthaft geschädigt. Aus diesem Grund suchen die Fischer ihre Beute immer häufiger in der Tiefsee. Obwohl der Lebensraum noch kaum erforscht ist, sind deshalb schon heute viele Arten bedroht.

Bei der Tiefseefischerei setzen die Fischkutter in der Regel Schleppnetze ein, die sie in Tiefen von bis zu 2000 Metern über den Meeresgrund ziehen. Dies hat zur Folge, dass eine große Menge an Beifang entsteht: So sind 30 bis 60 Prozent ­ (andere Quellen nennen sogar 80 bis 90 Prozent) der gefangenen Tiere für die Fischer nicht von Interesse und werden tot oder schwer verletzt wieder über Bord geworfen. Ebenso werden auch Meerestiere, die eigentlich außerhalb der Fanggründe leben, durch den Einsatz von Schleppnetzen erheblich geschädigt.

 

Langsames Wachstum

Diese nicht-nachhaltige Art der Bewirtschaftung ist für das Ökosystem Tiefsee besonders dramatisch, da sich die Arten dort aufgrund der Energie- und Nahrungsknappheit wesentlich langsamer entwickeln und vermehren als ihre Verwandten in höher gelegenen Meeresregionen oder Küstennähe: Einige von ihnen werden oft erst mit 20 Jahren geschlechtsreif und können ein Alter von mehr als hundert Jahren erreichen. Es ist also absehbar, dass sich gefährdete Tierbestände in der Tiefsee ­ wenn überhaupt ­ nur über Jahrzehnte hinweg erholen können. Da die Netze wie Pflüge über den Grund gezogen werden, leiden ebenfalls die Lebewesen unter der Befischung, die im und auf dem Meeresboden leben. Dazu gehören etwa Würmer, Schwämme oder Korallen, die in mehreren tausend Jahren entstanden sind und in kürzester Zeit vernichtet werden. Wie verschiedene Meeresbiologen in einer Studie aus dem letzten Jahr nachgewiesen haben, leidet die Artenvielfalt so erheblich unter der Tiefseefischerei.

 

Unabsehbare Folgen

Da wir über die Tiefsee nur sehr wenig wissen, bleibt es fraglich, inwiefern dort angerichtete Schäden bisher ungeahnte Auswirkungen haben können. Diese könnten auch letztlich wir Menschen zu spüren kriegen, da auf dem Meeresgrund zahlreiche Mikroorganismen angesiedelt sind, von denen einige das aus dem Erdinneren entweichende Methan verzehren und in Energie umwandeln. Damit stellen sie die Lebensgrundlage für zahlreiche weitere Lebewesen bereit. Ebenfalls sorgen sie dafür, dass ein Großteil des Methans nicht in die Atmosphäre entweicht. Dies hat einen massiven Effekt auf das Weltklima, da ansonsten auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von 40 bis 50 Grad Celsius herrschen würde: Bedingungen, unter denen menschliches Leben vermutlich nicht möglich wäre. Zum Vergleich: Die tropischen Zonen haben heute eine Durchschnittstemperatur von etwa 24 Grad Celsius.

 

Bewusster Konsum

Aufgrund der schwerwiegenden Auswirkungen und der unabsehbaren Folgen für die Tiefsee fordern zahlreiche Wissenschaftler und Umweltverbände ein sofortiges Verbot des Einsatzes von Grundschleppnetzen.Was können wir machen?

  • Wir Verbraucher sollten unseren Konsum überdenken und insbesondere auf den Kauf bedrohter Meerestiere verzichten. Einige bedrohte Arten sind Dorade (Mittelmeer), Sardelle, Makrele, Oktopus, Zander (Osteuropa). Die Infografik dazu gibt es hier.
  • Fisch ist etwas Besonderes und sollte als nicht-alltägliches Essen gesehen werden – also bewusst gegessen werden.
  • Die Produkte von followfish sind sehr zu empfehlen. Das Siegel “Marine Stewardship Council (MSC)” hilft als Entscheidungshilfe im Supermarkt, für Zuchtfisch, also Fisch aus Aquakulturen, gilt “ASC”. Ebenso gelten die bekannten Ökosiegel wie “Bioland” und “Naturland” als vertrauenswürdig.

 

Weitere Informationen:

Artikelbild: morguefile.com

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