Soziales

Geschichten aus dem Ehrenamt

Geschrieben von Leena

Rund 31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland im Ehrenamt. Und das in ganz unterschiedlichen Bereichen. Wir wollten wissen, was Menschen antreibt, sich zu engagieren und welche unvergesslichen Momente sie bei ihrer Freiwilligenarbeit erlebt haben. Drei Kurz-Interviews aus dem Ehrenamt im Repair Café, der Freiwilligen Feuerwehr und der Wasserwacht.

Repair Café Trier

Felicitas Piaxao (23) ist seit Jahren in verschiedenen ehrenamtlichen Projekten tätig. Aktuell engagiert sie sich im Repair Café Trier. Bei diesen Veranstaltungen werden kaputte Gegenstände gemeinsam von ehrenamtlichen Helfern repariert. Felicitas organisiert dafür Termine, führt das Postfach, stellt den Kontakt zwischen Experten und Kunden her und kümmert sich beim Café um alles, was anfällt. Zwei bis drei Stunden pro Woche engagiert sie sich.

Wie viele Stunden bist du im Ehrenamt tätig?

Felicitas: Etwa zwei bis drei Stunden pro Woche.

Warum engagierst du dich?

Felicitas: Man lernt tolle Leute kennen und viele Projekte sind es einfach Wert 🙂

Was gibt dir als Mensch das Ehrenamt zurück?

Felicitas: Im Fall Repair Café ist es schön zu sehen, wie herzlich Menschen sich freuen, wenn ihre alten Schätze wieder funktionieren. Aber auch die gesamte Atmosphäre, die Freundschaften und Verbindungen, die im Team entstehen, sind immer wieder lohnend.

Was war dein schönster Moment im Ehrenamt?

Felicitas: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Es gibt immer wieder Momente, wegen denen ich es nicht missen wollen würde… Es ist eher ein durchgehendes Gefühl, das toll ist.

Warum würdest du anderen Menschen deine ehrenamtliche Arbeit empfehlen?

Felicitas: Hier können die besten Freundschaften entstehen. Und etwas zu geben, ohne etwas dafür zu verlangen, kann der Seele sehr gut tun.

Freiwillige Feuerwehr Nürnberg-Laufamholz

Florian Pickl (35) engagiert sich seit sieben Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Nürnberg-Laufamholz. Er ist stellvertretender Löschzugführer, übernimmt die Leitung von Einsätzen, die Verantwortung für die technische Einsatzbereitschaft und hält Übungen und Schulungen ab.

Wie viele Stunden bist du im Ehrenamt tätig?

Florian: Die fixen Termine, wie Übungen, Schulungen oder Verwaltung, sind etwa 400 Stunden pro Jahr. Dazu kommen die Einsätze, je nach Aufkommen etwa 70 Stück pro Jahr. Die dauern im Durchschnitt etwa eine Stunde.

Warum engagierst du dich?

Florian: Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, helfen zu können und da zu sein für andere Menschen. Die Bevölkerung schätzt das auch und es tut gut, das zu sehen. Dann ist die Kameradschaft extrem gut. Und ich habe außerdem ein großes technisches Interesse.

Was gibt dir als Mensch das Ehrenamt zurück?

Florian: Natürlich die Anerkennung der Menschen, denen man hilft. Dann das Wissen, das man durch die Arbeit bei der Feuerwehr sammelt. Und der Spaß und die Freude, denn die Kameradschaft ist wirklich unglaublich toll.

Was war dein schönster Moment im Ehrenamt?

Florian: Es gibt drei. Erstens: Wenn die Menschen einen grüße und die Kinder mit großen Augen dem roten Feuerwehrauto winken. Zweitens: Meine erste Alarmfahrt. Das war 2012 und es war wirklich beeindruckend – das erste Mal einzusteigen, dann die Mannschaft einsteigen zu sehen, mit dem Finger das erste Mal das Blaulicht reinzudrücken und das Horn zu hören. Das war ein sehr geiles Gefühl. Drittens: Meine erste Abschnittsleitung, die gleich ein großer Erfolg war. Da hat man gesehen, dass sich die Übungen und das kollegiale Zusammenspiel für die Mannschaft ausgezahlt haben.

Warum würdest du anderen Menschen deine ehrenamtliche Arbeit empfehlen?

Florian: Weil es einfach ein gutes Gefühl ist, für andere da zu sein und helfen zu können. Und weil man im Ehrenamt merkt, was Kameradschaft bedeutet. Und das ist unbezahlbar.

Wasserwacht Augsburg-West

Alexandra Strohmeier (38) ist seit über 23 Jahren ehrenamtlich in der Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes tätig und seit acht Jahren Vorsitzende der Ortsgruppe Augsburg-West. Sie engagiert sich in der Wasserrettung im Familienbad, bei Wachdiensten, in der Schnelleinsatzgruppe, die bei Notfällen ausrückt, und übernimmt die Organisation, Verwaltung und Verantwortung.

Wie viele Stunden bist du im Ehrenamt tätig?

Alexandra: Täglich mindestens eine Stunde mit Bürokram, im Sommer kommt der Wachdienst im Familienbad dazu oder Wasserrettungseinsätze, die zu jeder Tages- und Nachtzeit auflaufen.

Was gibt dir als Mensch das Ehrenamt zurück?

Alexandra: Einen „Lohn“ im Ehrenamt gibt es ja nicht. Aber es gibt kein schöneres Gefühl, als gebraucht zu werden, jemandem helfen zu können und ein sinnvolles Hobby zu haben, bei dem man sogar Leben retten kann!

Was war dein schönster Moment im Ehrenamt?

Alexandra: Es gibt zwei Dinge, an die ich mich gern erinnere. Zum einen eine kleine Patientin, vielleicht vier oder fünf Jahre alt, die ich im Familienbad verarztet habe. Mit selbstbemalten Pflastern und einem Einmalhandschuh, den ich als Luftballon aufgeblasen und mit einem Gesicht bemalt hatte. Sie hat ihre Schmerzen glatt vergessen und aufgehört zu weinen. Sie kaufte mir von ihrem Taschengeld ein Milcheis am Kiosk und bedankte sich so rührend, dass ich glatt ein Tränchen im Auge hatte.

Zum anderen meine erste erfolgreiche Lebensrettung. Im Familienbad war ein kleiner Junge im Schwimmbecken untergegangen. Als ich ans Becken trat und den Jungen am Beckenboden liegen sah, schaltete es im Kopf sofort um. Alles, was ich jahrelang gelernt und geübt hatte, war sofort parat. Ich sprang ins Wasser, tauchte ab, rettete den Bub und schwamm an den Beckenrand. Der Junge wurde von meinen Kameraden übernommen, wiederbelebt und hat ohne körperliche Schäden überlebt. Das gibt einem den „Kick“. Ein Menschenleben gerettet zu haben ist das Größte.

Warum würdest du anderen Menschen deine ehrenamtliche Arbeit empfehlen?

Alexandra: Die Wasserwacht ist eine große Gemeinschaft mit extrem vielen unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Jeder kann bei uns eine sinnvolle Aufgabe finden, egal ob als Rettungsschwimmer, -taucher, Motorbootführer oder im Jugendbereich als Gruppenleiter. Eines vereint uns alle: Wir wollen Menschenleben retten!

Eine Ergänzung habe ich noch: Leider wird das Ehrenamt nicht von jedem geschätzt und anerkannt. In vielen Stunden lassen wir uns ausbilden und frischen unser Wissen jährlich auf. Wir verbringen unsere Freizeit für den Einsatz am Bürger, damit wir im Ernstfall sofort handeln und helfen können. Leider wissen die wenigsten, dass die Wasserwacht komplett ehrenamtlich ist und wir uns über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzieren.

 

Artikelfoto: Florian Pickl