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Vegane Rezepte zum Verlieben: Interview mit Jenna von „Fell in Love with Gemüse“

Leena
Geschrieben von Leena

Eine überzeugte Veganerin, die Liebe zum Kochen und Freude daran, das eigene Essen zu fotografieren: So ist Jennas Blog Fell in Love with Gemüse entstanden. Dabei überlegt sie sich kreative, eigene Rezepte und zeigt, dass vegane Küche viel mehr ist als nur Salat oder Grünkern. Seit über neun Jahren lebt Jenna vegan:

 

„Meine Ernährung auf vegan umzustellen war definitiv die beste Entscheidung in meinem Leben.“

 

Leena: Was ist die größte Herausforderung am veganen Kochen?

Jenna: Grundsätzlich würde ich die Herausforderungen der veganen Küche gar nicht vom Kochen mit tierischen Lebensmitteln unterscheiden. Es geht doch immer darum, passend zu würzen und abzuschmecken, auf den Punkt zu braten, die richtige Balance aus süß und sauer zu treffen und Kreativität im Spiel mit den Zutaten einzubringen. Viele fragen mich: „Vegan? Was kannst du denn dann noch essen? Nur Salat?“. Die vegane Küche ist aber wirklich  vielseitig und ich probiere liebend gern neue Kombinationen und Produkte aus. Wenn ich für Freunde koche, fällt den meisten nicht auf, dass „etwas fehlt“. Etwas schwer ist mir anfänglich eher veganes Backen gefallen. Ich fürchte, dass das vor allem mit meiner Art zusammenhängt, wie ich koche: Ich bereite alles gerne nach Geschmack und Geruch zu und mag eigentlich keine strengen Rezepte, an die ich mich Gramm-genau halten muss. Ich liebe es viel zu sehr kreativ und spontan zu kochen und meinen Freiraum zu haben auch mal zu experimentieren. Aber mittlerweile habe ich gelernt, dass Backrezepte eine Daseinsberechtigung haben. 😉 Und so gelingen mir nun auch luftiger veganer Biscuit, Mürbeteig, Muffins, Brownies und Co wirklich gut.

Sind die Zutaten schwer zu bekommen oder sehr teuer?

Jenna: Auf keinen Fall! Mittlerweile gibt es in jedem Supermarkt auch Sojamilch, vegane Brotaufstriche, Tofu und Co. Das war vor 5 Jahren noch nicht in dem Ausmaß der Fall. Auch Biomärkte und Reformhäuser gibt es an jeder Ecke, in denen man außergewöhnliche Zutaten, wie z.B. Tempeh oder Seitan bekommt. Ich koche aber eigentlich relativ wenig mit „Ersatzprodukten“. Meistens stehen auf meinem Einkaufszettel Produkte, die es überall gibt: Nudeln, Kartoffeln, Gemüse, Obst. Ein bisschen aufpassen sollte man als Neu-Veganer dennoch: Manche Lebensmittel, die vegan erscheinen, enthalten „versteckte“ tierische Bestandteile. Säfte und Weine werden z. B. teilweise mit Gelatine geklärt, in Chips kann Fischeiweiß stecken oder das Vitamin D in Margarine tierischem Wollwachs entstammen. Dem Internet sei Dank kann man aber einfach herausfinden, was genau in der Nahrung steckt, damit dem Genuss nichts im Weg steht. Wichtig ist mir immer die Qualität und Frische der Lebensmittel. Dann gebe ich auch gerne mal zehn Euro für hervorragenden Spargel aus. Generell bezahle ich an der Supermarktkasse für einen Wocheneinkauf wohl nicht mehr, als ein „Allesesser“.

Echte Herausforderungen sehe ich eher außerhalb der Küche. Bei Medikamenten, Kosmetika oder Kleidung, z.B. Schuhen oder Taschen, gibt es leider nach wie vor nur wenige vegane Alternativen. Da muss ich dann schon mehr Zeit in die Suche investieren. Aber auch hier sehe ich in den letzten Jahren eine klare Tendenz, dass sich das Angebot veganer Produkte erhöht.

Im Zusammenhang mit Veganern wird oft von Mangelernährung gesprochen. Hast du damit Probleme?

Jenna: Auch hier gibt es aus meiner Sicht die gleichen Herausforderungen bei allen Ernährungsformen. Solange man sich bewusst und vielseitig ernährt, hat man keine Probleme mit Mängeln. Natürlich finden bestimmte Lebensmittel häufiger ihren Platz auf meinem Teller, um mich ausreichend mit allen Nährstoffen zu versorgen: Hülsenfrüchte liefern Eiweiße, grünes Gemüse Eisen, Vollkornprodukte Ballaststoffe. Das einzige Vitamin, welches ich in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zu mir nehme, ist B12. Dieses findet sich fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln. Ich lasse mich ab und zu vom Arzt durchchecken und ein Blutbild erstellen. Es fehlt mir an nichts. Ganz eindeutig sind für mich sogar die gesundheitlichen Vorteile der veganen Ernährung. Mein Immunsystem ist voll auf der Höhe, ich bin seltener müde als früher und fühle mich rundum wohl in meiner Haut.

Du lebst nicht nur in der Küche vegan, sondern auch in anderen Lebensbereichen.

Jenna: Ja, ich trage kein Leder, keine Seide und keine Wolle. Gleiches gilt natürlich nicht nur für Kleidung, sondern auch für Möbel. Auch bei Kosmetika und Medikamenten achte ich darauf, dass diese keine Bestandteile tierischen Ursprungs enthalten. Außerdem kaufe ich überwiegend regionale Lebensmittel und verzichte gerne auf Kumquats aus Kambotscha oder Spargel aus Peru. Das hat nicht nur ökologische Gründe. Frische Lebensmittel, die nicht um die halbe Welt gereist sind, schmecken einfach deutlich besser.

Veganer sein bedeutet damit für dich, nachhaltiger zu leben?

Jenna: Ja. Die Massentierhaltung und „Fleischproduktion“ wirkt sich massiv auf unsere Umwelt- und Klimabilanz aus. Flächenbedarf und Wasserverbrauch sind in der Fleischindustrie um das Vielfache höher, als in der Erzeugung von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden ca. 15.500 Liter Wasser benötigt. Für ein Kilo Tomaten gerade mal 80-120 Liter. Noch mehr Fakten: Das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz hat berechnet, dass man genau so viel CO2 einsparen könnte wie 40.000 Autos pro Jahr ausstoßen, wenn etwa 500.000 Menschen jede Woche nur an einem Tag der Woche auf Fleisch verzichten würden. Solche Zahlen machen den Vergleich doch sehr deutlich und machen mich nachdenklich, wie viel die Industrie, die hinter unseren Lebensmitteln steckt, noch mit Nachhaltigkeit und Genuss zu tun hat.

Auf meinem Blog oder meiner Facebookseite verzichte ich allerdings recht bewusst auf ethische oder politische Diskussionen zur veganen Lebensweise. Es geht mir um den Genuss am guten Essen, Punkt.

Womit wirst du als Veganer konfrontiert und wie gehst du mit dem Vegan-Sein um?

Jenna: Ich finde die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten Jahren erfreulich. Die Einstellung gegenüber der vegetarischen oder veganen Ernährung hat sich wirklich komplett gedreht. Im Jahr 2000 war ich damit noch fast ein Außenseiter, ich kannte kaum andere Vegetarier. Zu dieser Zeit wurde ich oft belächelt: „Das ist nur eine Phase, das geht vorbei“. Wenn ich im Restaurant nach veganen Gerichten gefragt habe, bekam ich oft die Gegenfrage „Vegan? Was ist das denn für eine Allergie?“ zu hören. Vegane Kochbücher? Damals Fehlanzeige. Heute ist vegan kein Fremdwort mehr, immer mehr Menschen entscheiden sich dazu und Supermärkte stellen sich zunehmend darauf ein. Es ist mehr als nur ein Trend, es ist ein Wandel in unserer Kultur, den ich wahrnehme. Das ist toll!

Spannend wird es immer auf Reisen. Die Kultur eines Landes kann man doch schnell an der Küche erkennen, wie z.B. im zwiegespaltenen Amerika, wo es in New York direkt neben der All-you-can-Eat-XXL-Burger-Bar ein veganes Ayurveda-Restaurant gibt. Fantastische vegane Küche habe ich in der Türkei genossen. In Italien ist es dank Pasta und Co auch recht einfach und satt bin ich selbst im Fleisch und Fisch liebendem Spanien oder Griechenland immer geworden.

Florian hat im Januar einen veganen Monat eingelegt. Was empfiehlst du einem Vegan-Anfänger?

Jenna: Am einfachsten ist der Umstieg bestimmt, wenn man bekannte Gerichte ausprobiert, die vegan genau so funktionieren wie nicht-vegan. Zum Beispiel Pasta mit Spinat und Tomaten, Couscoussalat, Kartoffel-Gemüsepfannen, Wokgerichte, Eintöpfe und Suppen. Danach kann man sich dann auch mal an neue Rezepte wagen und mit Tofu, Tempeh oder Seitan experimentieren. Das erfordert ein bisschen Übung und man darf nicht die Geduld verlieren, wenn es beim ersten Mal noch nicht so klappt. Das wichtigste ist doch, dass man sich der veganen Ernährung unbefangen und ungezwungen nähert, dann wird jeder schnell merken, wie einfach und vielseitig es ist. Und wenn noch jemand Fragen hat oder Ideen braucht: Schreibt mir eine Mail (fellinlovewithgemuese@googlemail.com) oder eine Nachricht auf Facebook.

Auf deinem Blog gibt es ja jede Menge Auswahl. Jetzt wollen wir’s aber doch konkret wissen: Was ist für dich das perfekte vegane Menü?

Jenna: Das perfekte Menü gibt es vermutlich nicht, die Geschmäcker sind ja Gott sei Dank verschieden. 😉 Deshalb habe ich hier mal Rezepte zusammengestellt, die garantiert jeder mag und mit denen ich bisher auch Fleischfans überzeugen konnte.

Als Vorspeise:

Der Klassiker unter den Suppen: Feine Kürbiscreme.

Als Alternative für den Sommer: Bruschetta aus gegrillter Paprika.

Als Hauptspeise:

Variante „Einfach“: Pasta mit Linsenbolognese.

Variante „Raffiniert“: Blumenkohl-Brokkoli-Schnitzel mit Kartoffeln und Petersilien-Mandel-Pesto.

Und als Dessert:

Für Obst-Fans: Kiwi-Tiramisu.

Für Schokofreunde: Mandel-Brownies.

 

 

Artikelbild: morguefile.com

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