Privatpersonen Umdenken

Sich ändern oder geändert werden – 2 Zukunftsszenarien

Florian
Geschrieben von Florian

Bei der Wahl zwischen 1 Euro jetzt und 5 Euro in 2 Wochen bei gutem Benehmen würden die meisten Menschen jetzt 1 Euro nehmen. Das ist auch das Problem: die Belohnung von nachhaltigen Handeln heute ist zu weit weg.

 

Ein kurzer Überblick wesentlicher Herausforderungen:

  • Unsere Energie gewinnen wir zum großen Teil aus fossilem Brennstoff. Dadurch entstehen Treibhausgase wie z.B. CO2. Die dadurch täglich (!) neu freigesetzte Energie entspricht 400.000 Hiroshima-Atombomben. Wir Deutsche tragen dazu wesentlich bei, denn mit unserem Pro-Kopf CO2-Ausstoss von jährlich ca. 12 Tonnen gehören wir zu den führenden Klimaschändern.
  • Wir überschwemmen uns selber mit Plastik. Bald ist mehr Plastik ist den Ozeanen als Plankton – die Nahrung von Fischen. Denn Plastik verschwindet nicht. Es zerfällt in kleinste Einzelteile, diese essen wir früher oder später.
  • 85% der Fischbestände gelten als überfischt oder von Überfischung bedroht. 40% des Fangs, darunter Haie, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine und Wale, verenden als Beifang in den Netzen.
  • Bei unserer aktuellen Lebensweise bräuchten wir, um diesen langfristig decken zu können, 2 weitere Erden. Wir leben auf Pump, aber eine spätere Rückzahlung geht nicht. Denn einfach gesprochen: weg ist weg.

Bei diesen Herausforderungen sind sich gut 95% aller Wissenschaftler sicher. Es ist daher Fakt.

Jetzt können wir sagen: Ok, verstanden, ich versuche weniger Auto zu fahren und benutze sparsamer das Licht. Dies ist sehr wichtig. Aber es sollte klar sein, dass das nicht ausreicht. Etwas weniger die Natur beklauen, ist immer noch klauen.

Denn wir dürfen nicht vergessen: Die Weltbevölkerung steigt. Und: Die Schwellenländer und Dritte Welt Länder, die jetzt weniger verbrauchen und damit aktuell unsere Mehr-Belastung kompensieren, wollen zukünftig etwas mehr konsumieren und auch so (wie wir) ein schönes Auto fahren. Nur etwas auf Effizienz zu setzen, ist daher zu kurz gesprungen. Die Probleme würden sich trotzdem weiter vergrößern.

 

Schreiben wir unsere aktuelle Lebensweise fort, laufen wir im wahrsten Sinne gegen eine „natürliche Mauer“. Ich sehe daher 2 Zukunftsszenarien:

1. Sich ändern

Wir verändern unsere Lebensweise. Eine solche Veränderung muss im Kopf anfangen. Jeder ist verantwortlich, denn wir entscheiden durch verstärkten Kauf von nachhaltigen Produkten eine entsprechende Produktionsausweitung und durch Verzicht eine Angebotsreduktion. Die überbleibenden Fußstapfen gilt es zu kompensieren. Unseren pro-Kopf-CO2-Ausstoss in Deutschland gilt es, von jährlich 12 Tonnen auf 2,7 Tonnen zu senken.

 

2. Geändert werden

Der Tsunami im Japan bzw. Fukushima ist das wohl das Beispiel dafür, wie eine Naturkatastrophe unser Verhalten verändert hat. Ohne Fukushima hätte es keine (so schnelle) Energiewende in Deutschland gegeben. Aufgrund des Klimawandels werden solche Umweltkatastrophen häufiger. Eine Umweltkatastrophe wie z.B. eine Dürre hat soziale (Essen wird teuerer) und wirtschaftliche Auswirkungen (Versorgungsengpässe). Eine schlechtere Wirtschaft verstärkt den sozialen Druck. In Hoffnung auf höheren Output werden die Gewinnungsmethoden ausgeweitet. Das schadet wieder stärker der Natur, d.h. um beim Beispiel zu bleiben: mehr Dürre. Zudem gibt es durch (regionale) Knappheit eine Machtverschiebung einzelner Länder.

Ich höre häufiger wieder (teils mit etwas Humor), dass ein Neuanfang „etwas gutes sei und uns gut täte“, „wir als eine tolle Chance verstehen sollten“ und „damit ein durchaus erstrebenswertes Szenario wäre“. Eine solche Veränderung von außen startet aber immer mit einem: Leid, sehr viel Leid.

Die eben aufgeführten Umwelt-Effekte verstärken Naturkatastrophen, die Leid verursachen, und verursachen Machtungleichheiten und Versorgungsengpässe. Wozu dies führt… sagen wir es so: Kriege werden nahezu immer wegen dem Kampf um Ressourcen geführt.

 

Jetzt können wir uns innerlich denken „wir sind hier in Deutschland sicher“.

Wir merken aber aktuell, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Soziale und wirtschaftliche Stärke ist nur in einem fairen und gerechten Spiel ein Erfolgsgarant. Hier geht es aber nicht um Fairness und Gerechtigkeit. Es geht um die menschliche Existenz. Dabei können sich die Rahmenbedingungen sehr schnell ändern.

Male ich schwarz? Ich hoffe es.

Aber ich will es eigentlich auch gar nicht wissen. Viel lieber ist mir daher das erste Szenario: Wie ändern uns. Denn dann haben wir die Entwicklung in der Hand.

Hier sind meine 10 Prinzipien der Nachhaltigkeit für diesen Wandel.

 

Abschließend bedanke ich mich noch bei Alexander Rossner für die tollen Gespräche, die Inspiration für diesen Beitrag waren.

 

Artikelbild: unsplash.com

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8 Kommentare

  • Ein erschreckendes Szenario, das Du da entwirfst – aber leider allzu realistisch. Trotz allem Optimismus, den wir „Veränderer“ so gern verbreiten (und wohl auch verbreiten müssen, um nicht als „Panikmacher“ verschrien zu werden), dürfte eins klar sein: Eine so große Umwälzung, wie sie uns bevorsteht, wird weder ohne Verzicht noch ohne Leid von Statten gehen. Deshalb stelle ich in Frage, ob es wirklich ein „entweder wir ändern uns“ oder „es entsteht Leid“ geben wird. Allein um die Maxime des wirtschaftlichen Erfolgdenkens, die zur Ausbeute des Planeten geführt hat, wieder einzudampfen, wäre ein Umdenken von Nöten, das die Dimension einer Revolution annimmt. Derart größe gesellschaftliche Veränderungen gehen nur selten (überhaupt jemals?) ohne erhebliche Verluste von Statten – vielleicht sehen wir deshalb nicht so genau hin. Was meinst Du?

    • Generell bin ich festen Überzeugung, dass eine Wende möglich ist. Das vorab.

      Lese ich mir aber den IPCC Report über den Zustand unseres Planeten durch wird mir echt schwindelig: http://nachhaltig-sein.info/unternehmen-csr-nachhaltigkeit/der-bericht-des-weltklimarates-ipcc-eine-ubersicht-der-forschungsergebnisse. Da ist eine Hiobs-Botschaft nach der anderen. Und noch schlimmer. Das ist keine Panikmache. Das ist Fakt. Wenn wir genauso weitermachen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit (ich wüßte nicht warum nicht) eintreten, was Forscher prognostizieren. Wir werden geändert und Leid ist ein Teil dieses Szenarios. Und wahrscheinlich befinden wir uns in bestimmten Teilen unserer Erde bereits in den Anfängen dieses Szenarios, aber noch nicht in der fühlbaren Klarheit in Europa.

      Eine Verbesserung ist nur möglich, wenn wir etwas verändern. Jede Veränderung ist menschgemacht oder durch Menschen entschieden. Nur wenn wir daher Menschen verstehen, können wir das Blatt wenden. Die große Frage ist daher: Wie verändert man menschliches Verhalten.

      Eine Antwort ist sicherlich eine wohl bekannte Weisheit im Beziehungsleben „Man weiß etwas erst zu schätzen wenn man es verloren hat“. Wir wissen viel zu wenig zu schätzen, was wir auf Kosten der Natur haben.
      Eine andere Antwort ist es zu schaffen, dass die Anreize unseren Planeten nicht auszubeuten höher sind als ihn auszubeuten. Aktuell wird Ausbeutung leider wirtschaftlich belohnt. Hier ist sicherlich auch die Politik gefragt.
      Eine weitere Antwort ist es, den neuen Weg vorzuleben und zu zeigen, dass er da ist und dass er gut ist.
      Dazu gibt es noch viele weitere Möglichkeiten über die wir im Detail nachdenken und – viel wichtiger – die wir testen und umsetzen sollten. Denn probieren ist erlaubt und erwünscht, nur nicht nicht-handeln.

      Am Ende wollen wir doch alle das gleiche: Eine bessere Welt für uns und für die nächsten Generationen sowie ein glückliches Leben.

  • „Denn probieren ist erlaubt und erwünscht, nur nicht nicht-handeln“, das ist ein schöner Satz 🙂
    Ich sehe durchaus, dass die Zahl derer, die handeln, informieren, protestieren, ständig steigt und das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Veränderung in der Luft liegt. Zumindest in einigen Kreisen. Schön wäre, wenn diese irgendwann von der großen Masse gehört werden. Die sich momentan noch (und auf unabsehbare Zeit?) lieber mit den immer neuesten Smartphones, trash TV und fb-likes ablenkt.

    Zeigt der gestrige walkout der NGOs nicht, dass wir nichts verändern können? „Aktuell wird Ausbeutung leider wirtschaftlich belohnt. Hier ist sicherlich auch die Politik gefragt“, sagst du. Okay, soweit richtig – aber Altmeier hat sich gerade mal 5 Minuten Zeit genommen, leere Worthülsen von sich zu geben. Der neue Klimaschutz-Index 2014 zeigt, dass der Klimawandel die Politik weniger interessiert als z.B. noch letztes Jahr, Tendenz fallend. Und warum? Weil kapitalistisches Denken nicht so einfach verabschiedet werden kann. Das hier meine ich: http://www.woz.ch/-4780
    By the way: Hast du „Black out“ gelesen?

    • Es ist eine Revolution und ein neues System gefragt. Das geht nicht von heute auf morgen. Die Politik ist – positiv ausgedrückt – aktuell kein Treiber für mehr Klimaschutz. Aber doch brauchen wir sie ab einem gewissen Zeitpunkt mit im Boot. Wir können nur hoffen, dass das Umdenken bald kommt. Was in Warschau wieder mal nicht passiert ist, ist wirklich unfassbar.

      „Black out“ kenne ich, aber ich habe es noch nicht gelesen.

  • […] Der Mensch muss sich ändern, oder er wird geändert werden. Wenn wir also sagen „Wir müssen die Erde retten“ meinen wir eigentlich: „Wir müssen uns retten.“ Es ist eigentlich ein rein egoistisches Vorgehen, wenn man sich einer nachhaltigen Lebensweise verschreibt. Wir leben über unsere Verhältnisse. Und wenn es dann heißt „Wir müssen etwas tun“ wird fleißig genickt und zu wenig getan. Warum? Meiner Meinung nach ist das globale Umweltproblem vielen Menschen zu abstrakt, zu groß, zu komplex. Und zu weit vom alltäglichen Leben entfernt, hier, in unserer Ersten Welt. Bei Diskussionen über Nachhaltigkeit habe ich schon öfter den Satz gehört: Ich als einzelner kann doch nicht die Erde retten. Dabei sind wir längst Teil des globalen Handelns, durch unseren Konsum und Verbrauch. […]