Ernährung Privatpersonen

Mein veganer Januar: Ein Erfahrungsbericht

Florian
Geschrieben von Florian

Im Januar lebte ich vegan. Eine große Vorbereitung gab es nicht. Ich wollte praktisch erleben, wo überall tierische Produkte drin sind und wie es sich im Alltag anfühlt. Nach einigen Tagen war aber klar, dass ich mich doch etwas reinlesen muss, um neue Zutaten und Rezepte zu entdecken. Denn: Vegan ist viel mehr als nur Fleisch und Sahnesoße wegzulassen.

Veganes Essen ist eine völlig neue und sehr leckere Geschmackswelt: Kohlrabi-Schnitzel, Hirse-und Linsen-Gerichte, vegane Carbonara mit Zucchini-Nudeln, Porridge mit Hafermilch, vegane Brotaufstriche (Mepfel ist ein Kracher) und so weiter. Die Gerichte kamen auch bei unseren Freunden sehr gut an.

Und ich habe gemerkt, dass eine vegane Ernährung bei den Mitmenschen (definitorisch) schon relativ bekannt ist und überraschend viele bereits häufig vegetarisch essen. Das hat mich gefreut.

 

Meine 3 Herausforderungen

1. Unterwegs essen

Unterwegs essen ist teils nicht so leicht. Vegetarisch, z.B. das Käse-Brötchen, hingegen schon. Am Hauptbahnhof ist man als Veganer sonst beim normalen Laden-Sortiment recht aufgeschmissen.

Meine Lösung: Ich habe mir ein Brot mitgenommen, natürlich in Tupperbox. Gar nicht so kompliziert 😉

 

2. Ökobilanz

Ich habe mich vor diesem Monat sehr regional/saisonal ernährt. Dies ist gerade im Winter teils schwer mit den veganen Rezepten vereinbar (Aubergine, Zucchini, Mandelcreme etc.). Zudem sind exotische Früchte in veganen Rezepten beliebt (Ananas, Mango etc.). Vegan ist daher nicht zwingend ein Garant für eine bessere Ökobilanz, denn auch Transport ist ein wesentlicher CO2-Treiber.

Meine Lösung: Es gibt auch Kochbücher, die diesen Aspekt berücksichtigen. Zudem gibt es einiges an regionalem/saisonalem Gemüse, das in Rohform nicht im Standardsortiment vom Supermarkt ist, z.B. Schwarzwurzel oder Rote Beete. Der regionale Bauer hat es aber (Schmeckt dort eh besser ohne wirklich teurer zu sein).

 

3. Der Graubereich

Vegan ist auch eine Auslegungssache. Klar, keine tierischen Lebensmittel. Aber was ist mit Lebensmitteln, die möglicherweise tierische Vorprodukte verwenden, z.B. Apfelsaft der manchmal mit Gelatine geklärt wird. Gerade in Foren für vegane Rezepte gibt es da überraschend viele Diskussionen, wie vegan ein Essen wirklich ist und ob man dann wirklich vegan lebt. Aber auch Nicht-Veganer teilen ihr Wissen. Das ist auch gut so, denn so einiges wußte ich nicht (z.B. Apfelsaft). Dennoch kosten solche Diskussionen auch Kraft: Man fühlt sich angezweifelt, obwohl ja was Gutes machen will und sogar mehr Gutes tut als viele andere (auch wenn es nur veganer leben und nicht 100% vegan ist).

Meine Lösung: Ich bin generell offen mit dem Graubereich umgegangen: Keine offensichtlich tierischen Lebensmittel, aber keine Nachfragen beim Koch, ob jetzt doch ein kleiner Schuss Sahne drin ist. Lebensmittel in denen teils tierische Produkte sind habe ich gegessen/getrunken.
Zudem: Investiere keine Zeit in die Kritik der Lösungsansätze anderer Leute, sofern Du keinen besseren Weg kennst und – vor allem – gehst. Das ist meine Philosophie, denn kritisieren ist leicht, besser machen nicht.

 

Ist vegan der richtige Weg?

Es gibt viele Gründe vegan zu leben:

  • Optimierung der Ökobilanz
  • Keine Ausbeutung von Tieren
  • Keine Massentierhaltung
  • Persönlicher Geschmack
  • Verbesserung der eigenen Gesundheit

Die Wahl der Zielsetzungen ist – wie oben gesagt – nicht immer eine schwarz-weiß Entscheidung. Aber Konsequenz in der Umsetzung der Zielsetzung und damit Prinzipientreue ist eine schwarz-weiß Entscheidung:

  • Wer auf die Ausbeutung der Tiere schimpft, darf keine Tierprodukte essen und/oder muss entsprechend ausgewiesene Produkte kaufen.
  • Wer auf Massentierhaltung schimpft, darf kein Fleisch im Discounter kaufen, sondern muss beim bekannten Metzger mehr dafür zahlen: Günstiges Fleisch ist mit guter Tierhaltung ohne Antibiotika-Einsatz ökonomisch nicht vereinbar. Hier ein Video zur Fleischproduktion (es hat in manchen Sequenzen meine Vorstellungskraft gesprengt).
  • Wer die Ökobilanz verbessern will, sollte regional/saisonal essen und häufiger auf Fleisch und tierische Produkte verzichten.

 

Was ist gelernt habe

Erleben ist wichtiger als Erklären.
Veganes Essen ist sehr lecker und vor allem eine neue, tolle Erfahrung. Das gilt natürlich auch für vegetarisches Essen. Einfach mal ein Restaurant aufsuchen, das veganes Essen anbietet, und ausprobieren.

In kleinen Schritten denken.
Fleisch zu schätzen wissen, denn unser Fleischkonsum ist viel zu hoch (siehe Fleischatlas). Immer mal Fleisch und auch Wurst weglassen. Vegetarisches Essen zunehmend in den Alltag einbauen. Auch ab und zu vegan essen.

 

Artikelbild: picjumbo.com

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7 Kommentare

  • Hi Florian,
    habe gerade ein ähnliches Projekt laufen und ernähre mich zur Zeit vegetarisch. Bin auch eher ohne große Vorbereitung dazu gekommen und habe bis jetzt noch keine negativen Aspekte feststellen können.
    Was du nicht schreibst: Bleibst du jetzt dabei oder wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
    Liebe Grüße
    Axel | OUTDOORSEITE

    • Danke Dir für Deine Erfahrungen. Das finde ich super.

      Ich lebe 5-6 Tage die Woche vegetarisch bzw. teils auch vegan, vielleicht auch mal gar kein Fleisch. Ich gehe damit zurück zu meiner vorherigen Lebensweise (nur mehr vegan): http://nachhaltig-sein.info/privatpersonen-nachhaltigkeit/so-lebe-ich-nachhaltigkeit-im-alltag
      Ich habe auch meine Blutwerte checken lassen, alles super. Nichts von wegen Eisenmangel.

      Vielleicht probierst Du ja mal 1-2 Tage vegan aus. Das würde mich interessieren. Ich fande den Schritt von Fleisch essen zu vegetarisch leichter als von vegetarisch zu vegan.

      Sonnige Grüße

      Florian

  • Super cool, Flo! Ich habe das genau so im November gemacht und ähnliche Erfahrungen gesammelt. Aber unterwegs essen geht es gar nicht…unglaublich…

  • […] Was viel entscheidender ist: Es ist längst nicht mehr nur „der Einzelne“, der sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt. Ich glaube ein emergentes Verhalten zu beobachten. Viele Einzelne, die aufstehen und zu einer La Ola-Welle werden. So wie viele Einzelne in den 90ern Druck auf Shell ausübten und die Versenkung der Brent Spar verhinderten. Viele Einzelne, die durch Engagement und Kaufverhalten die Textilkonzerne dazu bringen, die Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern zu verbessern – langsam, aber immerhin. Und rund 7,75 Millionen einzelne Deutsche (vgl. Vebu), die meine Entscheidung teilen, kein Fleisch zu essen. […]