Natur

Der Naturgarten: Was er ist & was er kann

Leena
Geschrieben von Leena

Naturschutz beginnt im eigenen Garten. Trotzdem ist nicht jedes heimische Grün automatisch auch gut für die Umwelt. Was wir im Garten anpflanzen, welche Samen wir kaufen, welche Erde und welchen Dünger – all das hat auch Einfluss auf Flora und Fauna. Mit der Art und Weise, wie wir unseren Garten gestalten, können wir aktiv zur Nachhaltigkeit beitragen. Nämlich dadurch, dass wir uns für einen Naturgarten entscheiden. Mit Wildblumen für Bienen, Totholzbeeten und dichten Hecken für Insekten und zum Vogelschutz.

Was ist ein Naturgarten?

Mit einem Biogarten können Hobby-Gärtner der Natur viel zurückgeben. Ein solcher Garten fördert durch eine gezielte Struktur die heimische Artenvielfalt. Als Vorbild bei der Gestaltung dient die Natur. Das bedeutet:

  1. Heimische Wildpflanzen und Wildtiere werden mit geeigneten Materialien und ökologischen Arbeitsweisen im Fortbestand unterstützt und aufgebaut.
  2. Gentechnisch veränderte Pflanzen, Organismen oder Saatgut werden vermieden.
  3. Gepflanzt werden heimische (Wild)Pflanzen aus kontrolliert biologischen Anbau und keine gebietsfremden Arten.
  4. Chemische Dünger und Pestizide sind tabu.
  5. Eingesetzt werden Naturdünger, biologische Mittel oder intelligente Pflanzung, die Schädlinge fernhält. So kann bspw. Lavendel als Zupflanze den Blattlausbefall fernhalten.
  6. Blütezeiten werden so gesetzt und geplant, dass zu jeder Jahreszeit ein maximaler ökologischer Wert für die Tierwelt besteht. Es gibt also keine „blütenleeren“ Zeiten im Biogarten.
  7. Begrünt werden möglichst viele Bereiche, auch Kiesstreifen, Trockenmauern, Dächer oder Fugen. Totholzbeete, Hecken, Stauden, frei wachsende Gehölze oder Biotope sollen Raum und Schutz für Artenvielfalt bieten.
  8. Der Boden wird möglichst natürlich gehalten und schonend bearbeitet. Eingesetzt werden natürliche Mulch-Materialien wie Laub, Grasschnitt, Stroh oder Brennnesseln. Auf schwere Maschinen, die den Boden verdichten, wird verzichtet.
  9. Nisthilfen für Tiere werden gesetzt (Vögel, Insekten, Fledermäuse).
  10. Ressourcen werden schonend eingesetzt oder ganz vermieden, etwa den Einsatz von Kunststoffen, Maschinen oder Gartenbeleuchtung.

Der Naturgarten wird, wie jeder andere Garten auch, gepflegt. Dennoch bleibt vieles gefühlt „unordentlich“ oder „nicht aufgeräumt“. Wiesenbereiche werden nicht gemäht. Laub, altes Holz oder Äste bleiben liegen. Es gibt freie Bodenbereiche, die nicht sofort wieder bepflanzt werden, sondern sich natürlich schließen sollen. Nicht jedes bisschen Unkraut wird sofort entfernt. All dies geschieht nicht grundlos, sondern fördert die Artenvielfalt und lässt ein Ökosystem entstehen, das sich auf natürliche, gesunde Weise entwickeln kann. Insekten können sich einnisten, Igel finden Nahrung und Vögel Nistplätze.

Durch Flächenzerstörung und Bodennutzung gehen immer mehr Nist- und Bruträume verloren. Falsche Bepflanzungen und der Einsatz chemischer Dünger und Spritzmittel gefährden die Nahrungsgrundlagen. Naturgärten wirken dem entgegen, sie erlauben Naturschutz in Siedlungsräumen. Es geht dabei nicht um die „Optik“, sondern tatsächlich um die Funktionalität.

Für den Hobby-Gärtner hat das mehrere Vorteile. Er kann nicht nur aktiv einen Beitrag zum Naturschutz leisten und einen wilderen Garten genießen. Auch Gemüse und Obst können gesünder und besser angepflanzt werden. Zudem können Kinder im Biogarten sehr viel über heimische Pflanzen und Insekten lernen.

 

Was man tun kann:

  • Balkon und Garten naturnah bepflanzen. Mit einheimischen Blumen, die gut für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen oder Schmetterlinge sind. Eine Liste von Blumen finden Sie in diesem Artikel.
  • Nektarleere Pflanzen vermeiden: Geranien, Dahlien, Petunien, Fleißige Lieschen. Diese gefüllten Zuchtformen geben kaum Nektar. Auch Margariten, Rittersporn, Sonnenblumen, Astern oder Rosen gibt es derart gezüchtet. Sie sollten vermieden und auf die ursprünglichen Varianten ausgewichen werden.
  • Torffreie Bio-Erde kaufen. Herkömmliche Blumenerde enthält Torf, das nicht-nachhaltig aus Moorlandschaften gewonnen wird. Der Abbau gefährdet bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Auch das Label „Bio“ reicht bei Erde allein nicht aus. Wichtig ist der Hinweis „torffrei“ oder „ohne Torf“ auf der Verpackung.
  • Bei gekauftem Dünger: Ökologischen Dünger verwenden, der aus natürlichen Rohstoffen hergestellt ist.
  • Zertifiziertes Saatgut und Wildpflanzen aus kontrolliertem Anbau kaufen, bzw. aus zertifizierten Baumschulen („eab-zertifizierte autochthone Qualität“).
  • Kräuter, Obst und Gemüse mit Bio-Siegel kaufen. Das garantiert eine Aufzucht der Pflanze mit entsprechendem Dünger.
  • Laub einfach liegen lassen in einem Garten-Eck.
  • Nicht jedes Stück Wiese mähen, sondern einen Teil wild wachsen lassen. Im Idealfall mäht man die ganze Wiese im Garten nur zweimal pro Jahr.
  • Nisthilfen aufstellen, z. B. Insektenhotels.
  • Beim Kauf von Baumaterial auf Zertifizierungen achten, z. B. auf das FSC-Siegel bei Holz.
  • Gartenbeleuchtung vermeiden. Sie hat eine schädigende Wirkung auf tagaktive Lebewesen, wie Pflanzen und bestäubende Insekten.

 

Viele Infos zum Thema sowie Beispiele gibt es beim Naturgarten e. V.

Wie man Schrittweise zum Biogarten gelangt, beschreibt der NABU auf dieser Website.

Tipps zum Balkongarten und geeigneten Insektenpflanzen finden Sie hier.

Und warum ohne Bienen die Menschheit in vier Jahren ausstirbt, erklärt dieser Artikel.

 

 

Artikelbild: Jon Ottosson, unsplash.com

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