Natur

Im Schatten der Plastiktüte

Matthias
Geschrieben von Matthias

Hitzig wurde Anfang des Jahres das Verbot von Plastiktüten diskutiert. Und nachdem sie dann teilweise verboten oder kostenpflichtig wurde, stellte sich dummerweise heraus, dass die Papiertüte nicht zwangsläufig eine bessere Alternative ist (Stichwort Herstellungsprozess und Haltbarkeit).

Mein Tipp an dieser Stelle: Fair gehandelte Biobaumwolltasche besorgen und bis ans Lebensende nutzen. Und manchmal tuen es sogar die Hände, um den Einkauf ein paar Meter bis ins Auto zu transportieren.

Doch im Schatten der Plastiktüte gibt es weitere Alltagsünden, die die Umwelt belasten und deren Entsorgung meist nicht ganz korrekt abläuft. Nicht umsonst gibt es in vielen Regionen die „Aktion saubere Landschaft“, bei der Freiwillige losziehen, um die Straßen um und in den Ortslagen von Müll zu befreien. Jeder der sich hier einmal beteiligt hat, wird festgestellt haben, dass das Müllproblem nicht mit der Plastiktüte aufhört.

Es gibt weitere Beispiele, wo wider besseres Wissen die Bequemlichkeit siegt und die ordnungsmäßige Entsorgung auf der Strecke bleibt. Hier drei Beispiele:

 

Kaugummi

Der Kaugummi ist quasi ein naher Verwandter der Plastiktüte. Und das nicht nur wegen der Tatsache, dass man ihn im Regelfall kostenpflichtig erwerben muss. Kaugummi besteht zu einem wesentlichen Teil aus dem gleichen Grundstoff; Plastik und ist entsprechend schwer abbaubar. Bis zu fünf Jahre verbleibt der Kaugummi auf der Straße, der Schulbank oder wo er auch immer in die Freiheit entlassen wurde.

Daher sollte jeder, der gerne Erdöl mit künstlichen Zusatzstoffen – so genannten Kaugummi – kaut, diesen, wie die Plastiktüte ordnungsgemäß entsorgen.

Außerdem kann jeder der einmal versucht hat, Kaugummi von der Schulbank, der Schuhsohle oder einfach vom Boden zu entfernen bestätigen, dass dies ein äußerst schwieriges Unterfangen darstellen kann. Deshalb muss im öffentlichen Bereich häufig viel Energie und Wasser aufgewandt werden, um mit Spezialmaschinen die entstandenen Flecken auf Straßen und Gehwegen zu entfernen.

Also bitte den Kaugummi ordnungsgemäß entsorgen und gleich auf biologisch abbaubare Kaugummis umsteigen.


Coffee To Go-Becher

Ein weiterer sehr bekannter und auch in den Medien präsenter Vertreter der absolut unnötigen Umweltverschmutzung ist der Coffee To Go-Becher.

Laut Deutscher Umwelthilfe werden stündlich 320.000 Coffee To Go-Becher verbraucht, wobei das Wort verbraucht hier eine entscheidende Bedeutung hat. Denn die Becher werden in erster Linie zwar auch gebraucht, aber eben nur einmal. Pro Jahr kommen auf diese Weise fast 3 Milliarden Einwegbecher zusammen, die zu einem großen Teil achtlos weggeworfen werden und sich in den Straßengräben und in der Natur wiederfinden.

Zudem sind die Einwegbecher in der Regel auf der Innenseite beschichtet und bestehen deshalb aus bis zu fünf Prozent Polyethylen (Kunststoff). Mit Rührstab und einen Plastikdeckel haben wir auch hier wieder eine beträchtliche Menge Plastik mit bekanntem Abbauproblem.

Dabei ist es doch ganz einfach, seinen eigenen Becher mitzubringen, um den morgendlichen Kaffee von der Bäckerei bis ins Büro zu transportieren. Die Becher gibt es in allen möglichen Varianten, halten sogar noch länger warm und sehen auch einfach besser aus. Viele Läden bieten inzwischen auch eine Vergünstigung, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt.

 

Zigarettenstummel aka. „Kippe“

Zigarette ausgeraucht, auf den Boden geschmissen und ausgetreten. Eine für manche Leute alltägliche Routine. Oder eben einfach in den Graben, den Gullideckel oder den Bachlauf „geschnipst“.

Zigarettenkippen sind der häufigste Müll in der Landschaft und nicht nur aus ästhetischer Sicht ein folgenschweres Problem. Denn ungeachtet ihrer Größe sind Zigarettenstummel Müll, eigentlich sogar Sondermüll, denn in einem Stummel befinden sich bis zu 4.000 schädliche Stoffe.

Um dies zu verdeutlichen machten Wissenschaftler der San Diego State University 2011 einen Test mit Fischen (Tobacco Control, Bd.20, S.i25, 2011). Zur Verunreinigung des Wassers wurde eine Kippe pro Liter Wasser verwendet. Anschließend ließen die Forscher Fische in diesem Wasser schwimmen. Resultat: Die Hälfte der Fische starb!

Auch Zigarettenkippen werden nur sehr langsam abgebaut und verrotten erst nach 5-10 Jahren. Im Wasser sogar wesentlich langsamer. Währenddessen gibt die Kippe giftige Chemikalien an die Umwelt ab, die sowohl Tiere, Pflanzen und auch Kleinkinder gefährden.

68 Euro. Das ist die Strafe die man in Paris zahlen muss, wenn man eine Zigarettenkippe unsachgemäß entsorgt. Eine erzieherische Maßnahme um den geschätzten 350 Tonnen Zigarettenkippen in Paris entgegen zu wirken. In Singapur bezahlt sogar über 1.000 Euro für ein derartiges Vergehen.

 

Geht es nur über den Geldbeutel?

Es wäre schön, wenn statt drakonischer Strafen Aufklärung, Verantwortung und Menschenverstand ausreichen würden, diesem Problem Herr zu werden.

Die Plastiktüte hat inzwischen einen Preis erhalten. Beim Coffee To Go-Becher denkt man ebenfalls darüber nach und den Kippen will man mit Strafgebühren bei ordnungswidriger Entsorgung entgegenwirken

Doch selbst all diese monetären Maßnahmen können den ökologischen Schaden in keinster Weise aufwiegen.

Oft ist es nur die Bequemlichkeit, die einen daran hindert umweltbewusst zu handeln. Manchmal auch fehlende Aufklärung zu den oben aufgeführten Sachverhalten. Es sollte auf jeden Fall ein Leichtes sein, diese Probleme –ordnungsgemäß- aus der Welt zu schaffen.

 

Artikelbild: Unsplash, Andrew Pons

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