Natur

Wie nachhaltig sind Schnittblumen?

Leena
Geschrieben von Leena

Ich bin kein großer Fan von Schnittblumen. Sicher, sie sehen hübsch aus und als Frau freut man sich über die Geste. Auch die Art, wie Floristen die Sträuße arrangieren, hat viel Künstlerisches. Trotzdem haben mir die schönen Blumen wegen ihrer kurzen Lebenszeit immer leidgetan. Ich kaufe selbst keine und verschwende wenig Gedanken daran. Doch vor kurzem bin ich bei meiner Recherche für unser neues Ratgeber-Buch auf das Thema gestoßen. Außerdem steht Valentinstag vor der Tür. Deshalb muss ich hier sagen: Schaut beim Kauf von Schnittblumen genau hin – erst recht wenn ihr nachhaltiger handeln wollt.

Viele Schnittblumen kommen per Flugtransport nach Deutschland. Am Häufigsten werden frische Rosen eingeflogen, über die Hälfte davon stammt aus Kenia. Die Statistik zeigt deutlich: Gerade im Februar zum Valentinstag boomt das Geschäft, auch im Mai vor Muttertag zeigt sich ein deutlicher Importanstieg. Laut Statista wurden 1,35 Milliarden Rosen im Jahr 2015 importiert. An zweiter Stelle für Schnittblumen per Luftfracht stehen frische Nelken, sie stammen zu 90% aus Kolumbien. Weitere wichtige Herkunftsländer – nicht nur für Schnittblumen sondern auch lebende Pflanzen – sind neben Kenia und Kolumbien auch Ecuador und Äthiopien, heißt es in einem Bericht der Verbraucherzentrale Sachsen.

Was bedeutet das für die Nachhaltigkeit?

CO2-Bilanz: Eingeflogene Schnittblumen schaden dem Klima. Der Transport schlägt sich in der Bilanz nieder. Trotzdem können sogar diese Blumen klimafreundlicher sein als Pflanzen aus den Niederlanden oder Deutschland. Denn: Die Art des Anbaus ist entscheidend. Der WWF schreibt, dass Rosen, die in Kenia gezüchtet werden, weniger Energie brauchen und weniger CO2-Emissionen verursachen als eine Rose aus Europa. Oft werden die Blumen in den Niederlanden oder auch bei uns in geheizten Gewächshäusern angepflanzt, was zu einer schlechten Bilanz führt. Eine Untersuchung der Cranfield Universität ergab, dass ein Strauß Rosen aus Kenia rund 6.000 kg CO2 verursacht, vom Anbau bis zum 6.000 km langen Flug nach Europa. Durch das sonnige und warme Klima braucht es in Kenia keine beheizten oder beleuchteten Gewächshäuser. Ganz anders als z. B. in den Niederlanden: Dort verursacht die gleiche Menge Rosen rund 35.000 kg CO2.

Trotzdem darf man auch hier das Urteil nicht nur auf die Treibhausgase reduzieren. Denn ein Problem mit Blumen aus Drittländern ist der Wassermangel und die Wasserbelastung. Die Rosen, die z. B. aus Kenia importiert werden, brauchen viel Wasser, nämlich 4 Liter pro Rose. Dieser Verbrauch wirkt sich negativ auf den Wasserspiegel aus. Außerdem wird das Abwasser aus der Blumenproduktion teils ungefiltert wieder in die Natur geleitet, heißt es in einem Bericht des WWF zum Anbau in Kenia. Ein weiteres Problem sind die schlechten Arbeitsbedingungen auf den Feldern, die mit geringen Sicherheitsvorkehrungen und niedrigen Löhnen einhergehen.

Was kann man also tun?

  • Schnittblumen aus regionalem Anbau aus unbeheizten Gewächshäusern bzw. aus Freiland-Anbau kaufen. Der Florist kann über die Herkunft sicherlich Auskunft geben. Oder aber man kauft im Sommer direkt vom Schnittblumen-Feld beim Bauern ums Eck.
  • Beim Kauf auf Siegel achten: Eines davon ist das Fair Flower Fair Plants Siegel, das die Qualität in Bezug auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit prüft. Außerdem gibt es das Fairtrade Siegel für Blumen, das gegen Kinder- und Zwangsarbeit und für Mindestlöhne steht.
  • Auch Blumen gibt es in „Bio“-Qualität, d. h. sie wurden ohne giftige Pestizide angebaut. Bei Kräutern findet man es häufiger, bei Schnittblumen muss man womöglich länger suchen oder auf den Wochenmarkt gehen.
  • Die größte Auswahl an heimischen Blumen aus Freiland-Anbau in Deutschland hat man zwischen Mai und September. Hier geht es direkt zum Saisonkalender für Blumen von Öko-Fair.
  • Einfach gar keine Blumen mehr kaufen. Es gibt viele andere Geschenke, die ebenfalls viel Freude machen. Ganz vorne steht sicherlich: Gemeinsame Zeit. Weitere Ideen liefert unser Artikel zum nachhaltigen Schenken – auch für Kinder.
  • Falls ihr im Sommer selbst Wildblumen pflückt: Bitte achtet darauf, nicht aus Versehen bedrohte Blumen zu pflücken. Oder aus Schutzgebieten.

Lust auf noch mehr Fakten? Hier geht es zum Artikel „Lebensmitteltransporte per Luftfracht“.

Quellen: Artikelfoto: Clem Onojeghuo, unsplash.com // Dürr, Benjamin (2010): Blumen zum Valentinstag. Die lange Reise der Rosen. In: Online. // Fair Flowers Fair Plants (o. J.): Home. In: Online. // Handelsblatt (2010): Klima-Orakel. Wie klimaschädlich sind Schnittblumen? In: Online. // Statista (2017): Import frischer Rosen nach Deutschland in den Jahren 2001 bis 2015 (in Millionen Stück). In: Online. // Verbraucherzentrale (2010): Flugimporte von Lebensmitteln und Blumen nach Deutschland. Eine Untersuchung im Auftrag der Verbraucherzentralen. In: Online. // WWF (2014): Wasserrisiko Deutschland – Fallbeispiel 3: Schnittblumen aus Kenia. In: Online.

Print Friendly, PDF & Email