Lebensweise

Programmierter Defekt? Mythen und Fakten der geplanten Obsoleszenz

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Kilian
Geschrieben von Kilian

Jeder von uns hat es schon erlebt: Smartphones, deren Akkuleistung schon nach kurzer Zeit spürbar nachlässt, Laptops, die kurz nach Ablauf der Garantie ihren Dienst einstellen oder T-Shirts, in denen nach wenigen Waschgängen bereits ein Loch klafft. Pech? Zufall? Oder Absicht?

Viele Konsumenten und Verbraucherschützer vermuten, dass zahlreiche Hersteller eine Politik der geplanten Obsoleszenz verfolgen würden. Der Vorwurf: Die Lebensdauer von Produkten wird gezielt durch den Einbau technischer oder materieller Defekte reduziert, damit der Kunde gezwungen ist, möglichst schnell ein neues Produkt zu kaufen. Das Problem ist nur: Beweisen lassen sich diese Anschuldigungen in der Regel nicht. Dementsprechend wird von anderer Seite behauptet, dass die Problematik der geplanten Obsoleszenz nicht existiere und ein modernes Märchen sei.

Wer hat hier nun Recht?

 

Geplante Obsoleszenz als Marketingstrategie?

Auch wenn den Herstellern kaum nachwiesen werden kann, dass sie absichtlich Defekte in ihre Produkte einbauen, gibt es verschiedene Beispiele dafür, dass Schäden und Verschleiß zumindest billigend in Kauf genommen werden.

  • Viele Produkte sind so konzipiert und designt, dass ein Austausch einzelner Bestandteile und/oder eine Reparatur kaum oder gar nicht möglich ist, z. B. bei Smartphones oder MP3-Playern mit fest eingebauten Akkus.
  • Reparaturen sind häufig sehr teuer, sodass sich die Verbraucher lieber ein Produkt neu kaufen.
  • Ältere Geräte sind oftmals nicht mehr mit neueren kompatibel und es werden für sie weder Ersatzteile noch technischer Support angeboten.
  • Regelmäßig sind anfällige oder minderwertige Materialien an den besonders beanspruchten Stellen eines Produkts zu finden: So werden immer häufiger Plastik- statt Metallteile verwendet und auffällig oft hitzeempfindliche Materialien in der Nähe von Hitzequellen eingesetzt.
  • Alternative Komponenten und Materialien könnten die Lebensdauer eines Produktes ohne zusätzliche Kosten für den Hersteller verlängern, werden jedoch nicht eingesetzt.
  • Laut ersten Ergebnissen einer Studie des Umweltbundesamtes gingen im Jahr 2012 auffallend mehr Waschmaschinen, Wäschetrockner und Kühlschränke in den ersten 5 Jahren kaputt als noch 2004. Hinsichtlich anderer Elektrogeräte konnte jedoch keine signifikante Veränderung in der Haltbarkeit festgestellt werden.

All dies sind jedoch keine hinreichenden Belege dafür, dass die Wirtschaft tatsächlich eine Politik der geplanten Obsoleszenz verfolgt und absichtlich Schäden in Produkte einbaut. Vielmehr müssen die Hersteller bei der Entwicklung einen Ausgleich zwischen Qualität, Preis und Zahlungsbereitschaft der Kunden treffen. Da viele Konsumenten vor allem günstig einkaufen wollen, leidet oftmals die Qualität.

 

Schnell neu gekauft

Insgesamt nutzen wir in vielen Bereichen unsere Produkte wesentlich kürzer: Wir tauschen vor allem unsere alten Fernseher und Smartphones immer schneller gegen neue aus. Dabei kommt eine aktuelle Umfrage aus Österreich zu dem Ergebnis, dass nur in einem sehr geringen Ausmaß ein Defekt entscheidend für einen Neukauf ist. Warum aber kaufen wir uns die gleichen Dinge nochmal und werfen die alten weg, wenn diese doch noch funktionieren?

 

Fazit

Die Frage nach der geplanten Obsoleszenz ist nur schwierig zu beantworten. Insgesamt gibt es keine vollends überzeugenden Beweise dafür, dass absichtlich Produkte mit Schäden versehen werden, um ihre Lebensdauer zu verkürzen ‑ auch wenn es einige Indizien gibt, die in diese Richtung deuten. Vielmehr muss auch das Kaufverhalten der Konsumenten berücksichtigt werden, das in der Regel nicht vorrangig auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit abzielt. Dies und eine oft hohe Konkurrenz auf dem Markt bedingen, dass immer schneller neue Produkte entwickelt werden, wobei zunehmend billigere, aber auch anfälligere Materialien verwendet werden. Gleichzeitig nutzen aber auch die Konsumenten oftmals ihre Besitztümer nicht bis sie kaputt sind, sondern tauschen sie vorher gegen neue aus. Die Industrie begünstigt dies, indem z. B. kein Support für alte Modelle stattfindet und selbstständige Reparaturen erschwert werden.

 

Gibt es einen Ausweg aus der Konsum-Spirale?

Die gute Nachricht ist: Immer mehr Menschen versuchen, sich diesen Mechanismen zu verweigern und kaufen oder entwickeln Produkte, bei denen hohe Qualität und Langlebigkeit im Vordergrund stehen. Damit wachsen auch die Möglichkeiten für den einzelnen, einen Beitrag für eine nachhaltige Wirtschaft zu leisten.

Hier ein paar Tipps:

  • Generell sollte man sich immer fragen, ob man ein gewünschtes Produkt tatsächlich benötigt.
  • Vor einem Kauf Kundenbewertungen und Info-Blogs berücksichtigen.
  • Wenn möglich, Produkte im Laden begutachten: Oft werden dabei bereits potenzielle Mängel und anfällige Bestandteile sichtbar.
  • Widerrufsrecht, Garantie- und Gewährleistungsfristen nutzen und gegebenenfalls einfordern.
  • Auch wenn diese Faustregel nicht immer zutrifft: Ein höherer Preis bedeutet meistens auch höhere Qualität. Augenscheinliche Billig-Produkte sollten vermieden werden.
  • Grüne Online-Shops setzen in ihrem Angebot auf Qualität und ökologische Verträglichkeit.
  • Reparieren statt Wegwerfen: In vielen Städten gibt es mittlerweile Repair-Cafés oder andere Anlaufstationen, wo kostengünstig Reparaturen angeboten werden.
  • Wo möglich: Selber machen statt fertig kaufen.
  • Leihen statt kaufen, tauschen statt besitzen, gebraucht statt neu: Im Internet gibt es mittlerweile dutzende Tauschbörsen und Second-Hand-Verkaufsportale

 

Artikelbild: Unsplash, Tom Butler

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