Ernährung

Ansichten eines Veganers – Ein Erfahrungsbericht

Kilian
Geschrieben von Kilian

Noch vor gut drei Jahren hätte ich mir kaum vorstellen können, mich vegan zu ernähren. Obwohl ich Fleisch und Fisch bereits entsagt hatte, erschien mir der Veganismus als eine überaus aufwändige Lebensweise, die ein hohes Maß an Verzicht bedeutet. Mittlerweile kann ich sagen, dass diese Befürchtungen weitestgehend unbegründet waren und ich mich ohne großen Aufwand vegan ernähren kann. Natürlich ist es besonders in der Anfangsphase zeitraubend, Zutatenlisten zu studieren und sich selber mit einem Grundstock an veganen Rezepten und Produkten einzurichten. Dafür ist mein Speiseplan heute insgesamt gesünder, abwechslungsreicher und wesentlich leckerer.

 

Meine Beweggründe für eine vegane Ernährung

 

Was kann man denn als Veganer überhaupt noch essen?

Ich werde häufig gefragt, was bei einer veganen Ernährung noch gegessen werden darf, wenn weder Fleisch noch Fisch, weder Eier noch Milchprodukte auf dem Teller landen. Die Antwort lautet: Eine ganze Menge. Insbesondere Menschen, die gerne selbst kochen, können dabei völlig neue Geschmackswelten entdecken.

  • Das Internet ist mittlerweile zu einer richtigen Fundgrube für veganes Kochen geworden und auch immer mehr Kochbücher widmen sich dem Thema. Es ist also kein Problem, schnell an leckere Rezeptideen zu kommen.
  • Wer auf den Geschmack altbekannter Fleischgerichte nicht verzichten will, kann einfach mal die gewünschte Speise „+ vegan“ googeln und wird überrascht sein, wie viele pflanzliche Alternativen mittlerweile zu finden sind.
  • Vor allem in Reform-, Bio- und Drogeriemärkten findet man zahlreiche vegane Produkte, nicht zuletzt für Frühstück und/oder Abendbrot, aber auch das Angebot der klassischen Supermärkte und Discounter wird in dieser Hinsicht immer größer.
  • Aber: Manche Zutatenlisten können schwierig zu entziffern sein. Viele tierische Zutaten werden lediglich als sogenannte Produktionshilfsstoffe eingesetzt und müssen dann nicht als Zutat deklariert werden (z. B. Gelatine beim Klären von Säften oder Weinen). Da hier der Blick auf die Verpackung nicht weiterhilft, bleibt z.B. der Einkaufsguide von PETA als Informationsquelle.

 

Was esse ich im Restaurant oder unterwegs?

Sich in den eigenen vier Wänden vegan zu ernähren, ist also in der Regel völlig unproblematisch. Wie sieht es aber beim Restaurantbesuch oder bei der Suche nach einem schnellen Snack für unterwegs aus?

  • „Klassische“ Restaurants und „gutbürgerliche“ Lokale sind auf vegane Gäste oft wenig vorbereitet, sodass hier oftmals ein Salat die einzige vegane Alternative bleibt. Häufig hilft aber ein einfaches freundliches Fragen, da sich einige Gerichte leicht „veganisieren“ lassen.
  • Viele konventionelle Restaurants haben mittlerweile einige vegane Gerichte in ihr Angebot aufgenommen und auch die Zahl der ausschließlich vegetarisch/veganen Lokale wächst beständig: Im Internet gibt es hierzu ganze Verzeichnisse und via Smartphone-App ist bequem der schnellste Weg zum nächsten Veggie-Restaurant gefunden: Sehr praktisch, gerade für Städtetrips!
  • Den schnellen veganen Snack für unterwegs zu finden, bereitet dagegen oft größere Probleme. Zwar gibt es auch immer mehr Bäcker und Schnellimbisse, die vegane Döner, Sandwiches oder Baguettes in ihr Angebot aufnehmen, leider ist dies jedoch die Ausnahme. Zudem wissen häufig auch die Mitarbeiter nicht, ob bzw. welche Produkte im Sortiment vegan sind. Ich packe mir daher lieber etwas von zu Hause ein (ist zudem billiger und schmeckt besser).

 

Nachhaltig vegan

Ist die vegane Lebensweise besonders nachhaltig? Feststeht, dass eine omnivore Ernährung im direkten Vergleich zu rein pflanzlichen Ernährungsformen wesentlich mehr Ressourcen verbraucht:

  • Ein Kilogramm Fleisch verbraucht zwischen 300 und 15.500 Litern an virtuellem Wasser, ein Kilogramm Getreide dagegen lediglich ca. 1.300 Liter. Die globale Tierzucht ist damit verantwortlich für ca. 8 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs.
  • Neben dem hohen Wasserverbrauch ist die Tierhaltung zudem wesentlich für die Verschmutzung von Wasser mit Gülle, Düngemittel und Rückständen von Arzneimitteln verantwortlich
  • Über 40 Prozent der weltweiten Getreide- und Mais-Ernte wird innerhalb der Tierzucht verfüttert. Dabei benötigt man für ein Kilogramm Rindfleisch knapp 10 Kilogramm Getreide, die ansonsten direkt verzehrt werden könnten. Bei Schweinefleisch beträgt dieses Verhältnis 1:3, 1:5 bei Milch und 1:4 bei Eiern.
  • In den deutschen Mastanlagen werden vor allem aus Argentinien und Brasilien importierte Sojabohnen verfüttert, für deren Anbau große Regenwaldflächen gerodet
  • Die Viehhaltung zur Herstellung von Fleisch, Eiern und Milch ist eine wesentliche Mitverursacherin an der globalen Erwärmung: Pro Kilogramm Fleisch werden zwischen 3.000 und 14.000 Gramm CO2 emittiert.

Im Durchschnitt schneidet die Produktion von pflanzlichen Lebensmitteln in den genannten Bereichen besser ab und stellt damit insgesamt eine nachhaltigere Lebensweise dar, besagt eine Studie. Dennoch sollte man sich auch als Veganer darum bemühen, vor allem auf regionale Produkte zurückzugreifen.

 

Veganismus ist mehr als pflanzliche Küche

Die meisten Veganer möchten im größtmöglichen Umfang Tierleid vermeiden. Deswegen ist Veganismus als Lebenseinstellung mehr als bloß auf die Ernährung zu achten. Da wir in einer Gesellschaft leben, die in hohem Maße Tiere ausbeutet, sind wir eigentlich pausenlos mit Tierleid konfrontiert, was jedoch häufig nicht so offensichtlich ist.

 

Fazit

Vegan zu leben ist heutzutage trotz einiger Einschränkungen sehr gut möglich und ist im Prinzip nichts anderes, als alte Gewohnheiten zu verändern. Dies klappt sicher nicht immer von heute auf morgen und es ist generell fraglich, ob ein hundertprozentig veganes Leben überhaupt möglich ist – vor allem da auch die meisten Medikamente an Tierversuchen getestet werden. Aber den anderen Lebewesen auf unserem Planeten und letztlich auch uns selbst zuliebe sollten wir versuchen, möglichst viele Schritte – und mögen sie noch so klein sein – in diese Richtung zu gehen.

 

Artikelbild: vol

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Kommentar

  • […] Ein paar Zahlen gefällig? Die globale Tierzucht ist für rund 8 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs verantwortlich. Durch Aufzucht, Schlachtung, Produktion und internationalem Transfer fließen in jedes Kilogramm Rindfleisch 15.500 Liter Wasser (zum Vergleich: Ein Kilogramm Getreide verbraucht lediglich 1.300 Liter Wasser). Über 40 Prozent der gesamten Getreide- und Mais-Ernte wird in der Tierzucht verfüttert. Fast zwei Drittel der deutschen Agrarflächen dienen inzwischen der Erzeugung von Futtermitteln. Nahezu ein Drittel der weltweiten Landflächen nutzen wir mittlerweile für die Futtermittelproduktion, während die Kleinbauern zunehmend ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlieren. Und welche Auswirkungen der massive Fleischkonsum auf die Gesundheit hat, sieht man, wenn man sich anschaut, wie die so genannten Zivilisationskrankheiten zunehmen. […]